Bodenhistorie/Der Umgang mit dem Boden im Mittelalter

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Mittelalterliche Feldbestellung

Feldbewirtschaftung mit einfachen Werkzeugen

Die Bodennutzung bei den Germanen

Mit der Sesshaftwerdung der germanischen Stämme begann die bäuerliche Bodennutzung in Mitteleuropa. Das geschah nicht in einem Zuge, sondern etappenweise, in denen es Zeiten gab, in denen die Bevölkerung wuchs, so dass Wald gerodet werden musste, um Ackerland zu schaffen. Stück um Stück wurde die Naturlandschaft zurückgedrängt. Es kamen schlechte Zeiten, wo durch Seuchen (Pest) und Hungersnöte ganze Landstriche entvölkert wurden. Insgesamt gesehen war die Siedlungsdichte im frühen Mittelalter stark an die Ertragsfähigkeit der Böden gekoppelt. Trockene, mit LößWikipedia-logo.png bedeckte Böden wie die niederrheinische Bucht oder die niedersächsischen Börden waren bevorzugte Ackerbau- und entsprechende Siedlungsgebiete. Feuchte Marsch- und Moorgebiete, die schlecht nutzbaren Böden der Gebirgsstandorte, waren nur dünn besiedelt oder menschenleer.

Was wissen wir über die Bodennutzung im frühen Mittelalter? Der Römer TacitusWikipedia-logo.png[1] berichtete: “Arve per annos mutant et superestat ager,“ d.h. “Die Saatfelder und die Besitzfelder wechseln jährlich, und es ist noch Ackerland übrig.“

Wirtschafteten die Germanen im Rahmen einer Dreifelderwirtschaft, so wie es für die spätere Zeit belegt ist? Vielleicht war es auch nur eine Zweifelderwirtschaft, wie sie in den Rhein— und Moselgelgebieten in der Fruchtfolge Winterung, Brache, Sommerung in späterer Zeit belegt ist. Angebaut wurden Roggen, Gerste, Hafer, Weizen, Spelz, auch Hirse, Bohnen, Erbsen und Linsen.

Dreifelderwirtschaft ab 1100 n. Chr.

Die Dreifelderwirtschaft war die seit dem Mittelalter um etwa 1100 n. Chr. in Europa weit verbreitete Bewirtschaftungsform in der Landwirtschaft. Die Römer kannten schon die Zweifelderwirtschaft („Landwechsel“) und wandten diese auch nördlich der Alpen an. Im Hochmittelalter wurde dann, ausgehend von karolingischen Klöstern, nach der Einführung der neuen Gerätschaften des 11. Jahrhunderts flächendeckend das Dreifeldsystem eingeführt.

Im jährlichen Wechsel wurden ein Acker mit dem vor dem Winter gesäten Wintergetreide (damals Roggen und Emmer) und ein zweiter mit dem nach dem Winter gesäten Sommergetreide (Hafer, Hirse, Gerste) bestellt. Das dritte Feld blieb in diesem Jahr eine Brache, so dass sich der Boden hier erholen konnte. Es diente jedoch als Viehweide. Der Flurzwang schrieb den Bauern die Fruchtfolge vor.

Die Dreifelderwirtschaft bedeutete gegenüber der früheren Anbauform, dem Landwechsel, einen deutlich höheren Ertrag. Außerdem ermöglichte sie geregelte Besitzverhältnisse.

Für den Pflug tauchen in der Überlieferung die Bezeichnungen "aratrum" und "carruca" auf. Das "aratrum" war ein einfacher Haken- oder Rührpflug, wie ihn die Römer gebrauchten. Die carruca war ein an einen zweirädrigen Vorderwagen gehängter Radpflug. Man pflügte schon mit Pferden oder Ochsen als Zugtiere, doch dürfte das eher die Ausnahme gewesen sein, denn in der Regel zog der Bauer selbst den Pflug und ritzte so den Boden flach auf.

Literaturhinweis

  • Abel, Wilhelm, Geschichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. 2., neubearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart 1967
  • Wilhelm AbelWikipedia-logo.png

Gartenkultur im Mittelalter

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Hinter Klostermauern überlebten die Reste einer einst von den Römern nach Germanien eingeführten Gartenkultur die Wirren der Völkerwanderung. Auf kleinster Fläche kultivierten Mönche allerlei Kräuter für Salben und Heilgetränke. Zum ersten Mal ragten jetzt Gärten in die Landschaft, sorgsam abgeschirmt hinter Hecken, Zäunen und Mauern. Karl der Große (742 — 814) selbst verhalf der Gartenkultur zum Aufschwung. Er erließ Vorschriften, sog. Capitularien, wie seine Staatsgüter zu bewirtschaften seien. Auf seinem Land sollen 73 Gartenkulturen angebaut worden sein.

Durch die Mönche wurde auch der Weinbau intensiviert. Ursprünglich wurde der Wein nur als Abendmahlswein getrunken, doch breitete sich der Anbau der Reben rasch aus, weil der Weinbau nicht dem Flurzwang unterlag. Jeder Besitzer eines Flecken Bodens durfte diesen als Garten frei nutzen, für den Anbau von Obst und Gemüse, für Kräuter und Wein, für den Eigenbedarf und für den Kleinverkauf in der nahen Stadt.

Erst viel später, im 16. und 17. Jahrhundert, bekamen die Gärten eine ganz andere Funktion, als die Jagd als das herrschaftliche Vergnügen den Grundstein für die berühmten Garten— und Parkanlagen in der Renaissance und im Barock legte. Diese Gärten der Neuzeit waren monumentale Bauwerke. Ein Heer von Arbeitern und Gärtner baute vierzig Jahre lang an dem Versailler Schloßgarten. Allein für den Blumenschmuck stand eine Gärtnerei mit zeitweise zwei Millionen Topfpflanzen zur Verfügung, um den Hofadel mit immer neuen gartenarchitektonischen Raffinessen zu verwöhnen. Nachhaltig und großflächig wurden Boden und Landschaft dem Willen seiner Gestalter unterworfen. Als sich der Engländer Martin Lister 1698 die Größe und die Pracht der französischen Gärten angeschaut hatte, schrieb er: "Wir können es uns nicht leisten, das viele Land zu verlieren, das solche Gärten beanspruchen."

Literaturhinweis

  • Die Natur dem Menschen untertan. Ökologie im Spiegel der Landschaftsmalerei. Kindler Verlag GmbH. München 1983


Mittelalterliche Darstellung von Boden und Landschaft

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Das Bild mit dem Bauern hinter dem Pflug ist der Teil eines Gebetsbuches, welches der adlige und tiefgläubige Christ täglich gebrauchte. Das Bild ist eine Miniatur aus der Zeit der aufkommenden Landschaftsmalerei, die keine Kunst um ihrer selbst willen war. Es ging dem spätmittelalterlichen Maler um die Vermittlung der christlichen Botschaft, um die Darstellung des Bauern auf dem Feld als das Sinn— und Sittenbild für die Mühsal, den Schweiß und den göttlichen Fluch, der einst Adam und Eva aus dem Paradies trieb. Eine Darstellung ohne den Menschen und ohne die christliche Botschaft war für den Maler jener Zeit nicht denkbar. Mag die Landschaft, die er auf dem Bild festhielt, als solches für ihn drittrangig gewesen sein, uns gewährt das Bild einen Rückblick in eine vergangene Zeit.

Gleich an mehreren Stellen sehen wir Bauern bei der Feldarbeit. Da wurde im 15. Jahrhundert der Boden gepflügt und die Frühjahrssaat eingebracht. Da wurden Weinreben geschnitten. Schafe und Ziegen weideten vor den Schloss. Sie hielten den Bewuchs kurz, ließen Sträucher und Bäume nicht hochkommen, damit kein Feind sich hinter Bäumen und Sträuchern verstecken konnte. Was für uns als Betrachter ein geschäftiges Treiben auf den Feldern darstellt, lieblich anzusehen, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bauer für den Adligen unfrei arbeiten musste. Jeder Stein des Schlosses, jeder Stein der Feldmauer, wurde von Bauernhand in unzählbaren Stunden Hand- und Spanndienst herangetragen.

Bodennutzung im späten Mittelalter

Gemengeanbau reichten die Bodennutzungssysteme im Hochmittelalter. Getreideanbau wechselte mit Busch— und Waldfläche. Auf den ärmlichen Standorten der Mittelgebirge, z.B. in den rauen Höhen der Eiffel, traf man noch um 1300 auf die primitiven Formen der Weide- und Wechselwirtschaft. Der Wald wurde einfach abgebrannt und das Getreide in den aschegedüngten Boden gesät. Nach einigen Jahren zog die Sippe weiter und brannte ein andere Waldfläche ab. Gleichzeitig sind uns auch Beispiele für intensive Nutzungen überliefert. Auf den fruchtbaren Böden der Rheingaue, auf ein und demselben Acker, kultivierten und ernteten die Bauern Getreide und Wein, Nüsse und Apfel, Kirschen und Birnen und viele andere Arten Obst.

Eine bodenkulturelle Besonderheit: Eschböden

Bei der Einfelderwirtschaft wurde jeweils nur eine Frucht auf einem Standort angebaut. Dafür kamen vorzugsweise die norddeutschen Eschböden in Frage, auf denen Roggen in Monokultur angebaut wurde. Der Eschboden entstand durch Kulturmaßnahmen (Meliorationen), indem die oberste Schicht eines Mineralbodens (häufig Geestbodens) mit Stalldung, Laub und Streu angereichert wurde. Im Laufe der Zeit entstand eine bis zu 1,20 m hohe Aufbauschicht, ein künstlich geschaffener Boden. Eschböden finden wir im Emsland, vereinzelt auch in Holland, Westfalen und auch in Schleswig—Holstein. Radiocarbondatierungen bestimmen diese Bodenkulturmaßnahme schon seit der Zeit um Christi Geburt.

Begriffsdeutung

Der Eschboden wurde im Plattdeutschen "Esk" und im Gotischen "Atisk" genannt. Nach anderer Lesart ist der Begriff gleichbedeutend mit "Acker." Eine weitere Bezeichnung für diese Art eines künstlichen Bodens ist der norddeutsche Begriff PlaggenWikipedia-logo.png.


Anmerkungen

  1. Publicus Cornelius Tacitus (55 — 116 nach Chr.) war ein römischer Geschichtsschreiber. Seine Schrift über Germanien ("De origine et situr Germanorum") ist die einzige aus der römischen Literatur bekannte länderkundliche Monographie seiner Zeit und das wichtigste Zeugnis über Altgermanien.