Bodenhistorie/Der Umgang mit dem Boden im Altertum

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Griechen und Römer als Ackerbauern

Theophrastos, griech. Θεόφραστος, (* um 371 v. Chr. zu Eresos auf der Insel Lesbos; † 287 v. Chr.? in Athen) war ein griechischer Philosoph und Naturforscher.

Theophrastos

Wer kennt sie nicht, die Sagen der alten Griechen und Römer, die Geschichten über Krieg und Frieden, über Siege und Niederlagen, über den Erfindungsgeist und die Kultur der alten europäischen Völker. Abgesehen von den Lateinschülern, die sich mit Versen wie "De agricultura" plagen müssen, wird dabei wohl kaum jemand an Geschichten über Ackerbau und Viehzucht denken. Tatsächlich waren es zahlreiche Schriftsteller, die dem Boden eine ganz vorrangige Bedeutung zumaßen. Der römische Agrarschriftsteller ColumellaWikipedia-logo.png nennt in seinem Buch "Über Landwirtschaft" einige seiner Schriftstellerkollegen, z.B. die griechischen Dichter HesiodWikipedia-logo.png, Archytas von Tarent, Aristoteles und TheophrastWikipedia-logo.png. Auch seine römischen Schriftstellerkollegen werden genannt, z.B. der berühmte Marcus Cato der ÄltereWikipedia-logo.png, Tremelius Scrofa und Cornelius CelsusWikipedia-logo.png, um hier nur einige zu nennen.

Was griechische und römische Schriftsteller ihren ackerbauenden Landsleuten empfohlen haben, war voller Symbolik und praktische Handlungsanleitung zugleich. Über zwei Jahrtausende war die Bodenkunde der Alten die ultima ratio. Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein richteten sich die europäischen Bauern nach den überlieferten Versen der Griechen und Römer.


Auszüge aus dem Buch "Über Landwirtschaft", geschrieben von dem Römer Columella

Zitat

Immer wieder höre ich aus dem Munde unserer führenden Politiker den Vorwurf bald gegen unser Land, dass es so wenig fruchtbar sei, bald gegen unser Klima, dass es seit langer Zeit den Ackerbau so wenig begünstige; der eine oder andere fügt dann diesem Klagen, scheinbar mit guter Überlegung, versöhnlich die Feststellung an, dass der Boden, der eben in den vergangenen Zeiten sich durch übermäßige Üppigkeit erschöpft und verzehrt habe, gar nicht mehr in der Lage sei, den Menschen mit der ursprünglichen Freigebigkeit ihre Nahrung zu bieten.

Cato
Nun weiß ich aber sicher, mein lieber Publius Silvinus, dass diese Leute einem Irrtum erliegen. Denn erstens haben wir kein Recht zu glauben, dass die Natur, die einst der Schöpfer der Welt mit ewiger Fruchtbarkeit begabt hat, sozusagen an Sterilität erkrankt sei. Zum zweiten ist es auch nicht klug zu meinen, die Erde, die man als Trägerin göttlicher und nie alternder Jugend als die gemeinsame Allmutter bezeichnet hat, weil sie jederzeit alles hervorgebracht hat und im Ablauf der Zeiten hervorbringen wird, sei wie ein Mensch gealtert. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass uns dies nicht durch die Ungunst des Klimas, sondern eher durch unser eigenes Versagen widerfährt, da wir die Bodenbewirtschaftung, deren sich bei unseren Vorfahren gerade die besten Männer mit größter Kunst und Liebe angenommen haben, den miserabelsten Sklaven und Henkern zur Misshandlung des Bodens übergeben haben ...


Literatur

  • Aktuelle Auszüge aus Willi Richter, "Lucius Iunius Moderatus Columella", Zwölf Bücher über Landwirtschaft. Nachdruck: Artemisverlag 1981
Hinweise
  • Wilhelm Kaltenstadler: Arbeitsorganisation und Führungssystem bei den römischen Agrarschriftstellern (Cato, Varro, Columella). Lucius & Lucius. ISBN 3-8282-5218-4.
  • Marlis Oehme: Die römische Villenwirtschaft. Untersuchungen zu den Agrarschriften Catos und Columellas und ihre Darstellung bei Niebuhr und Mommsen. Bonn, Habelt. ISBN 3-7749-2319-1.
  • Manfred Fuhrmann: Columella. In: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike in fünf Bänden. Band 1, Spalte 1251.
  • L. I. M. Columellae De re rustica libri XII, lat.-dt. ed. W. Richter, München 1981–1983, mit Indices Bd. III 659–739 von Rolf Heine

Weblink

Es ist ein umfangreicher lateinischer Ratgeber über die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Er umfasst 13 Bände und stammt von Lucius Iunius Moderatus Columella, der wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebte.


Hauptgesichtspunkte der Bodenprüfung vor dem Kauf. Columella beruft sich auf Cato

Nach Porcius Catos Auffassung sind bei der Begutachtung eines Ackers vor allem zwei Dinge zu berücksichtigen: Ob das Klima gesund und der Boden ergiebig ist; fehlte eine der beiden Voraussetzungen, und wollte sich trotzdem einer ansiedeln, dann sei er verrückt und müsse entmündiqt werden. Denn kein vernünftiger Mensch dürfe für die Bearbeitung eines unfruchtbaren Bodens Geld aufwenden, und andererseits komme auf einen ungesunden Boden, und sei er noch so fruchtbar und ergiebig, kein Besitzer zu seinem Gewinn. Wo die Rechnung mit dem Tod gemacht werden müsse, da sei nicht nur der Ertrag an Früchten, sondern auch das Leben des Bauern unsicher, ja der Tod sei gewisser als der Gewinn.‘Der römische Staatsmann Marcus Porcius Cato (234 - 149 v.Chr.) wurde als Feldherr durch die Zerstörung Karthagos bekannt. Er machte sich auch als früher landwirtschaftlicher Schriftsteller einen Namen. Sein Buch "De Agricultura" gab ausführliche Anweisung an adlige Landwirte, wie ein großer landwirtschaftlicher Betrieb zu führen sei. Ausdrücklich wurde der Beruf des Landwirtes gelobt. Cato schrieb einleitend:


Zitat
"Wenn unsere Vorfahren einen braven Mann loben wollten, lobten sie ihn als braven Ackerbauern und Landwirt. Dieses war das ehrenvollste Lob... " und "die Ackerbauern haben die tapfersten Männer und besten Soldaten zu Söhnen und der Erwerb aus dem Ackerbau ist der schuldloseste und gleichmäßigste und ist am wenigsten dem Neid ausgesetzt ..." In der Renaissance wurden diese Loblieder der Griechen und Römer auf Ackerbau und Viehzucht häufig und wortgetreu zitiert und als Anleitung verstanden.

Auszüge aus dem Buch des Römes Cato

Zitat

XXXIX. Vom rötlichen Boden

Rötlicher Ackerboden und schwarze Erde, holzharte, steinige, sandige, ebenso welche nicht feucht ist, da werden Lupinen gut gedeihen. Auf Kalk, moorigem oder rötlichen Boden und auf Acker, der feucht ist, sie vornehmlich Dinkelsamen. Felder, die trocken, nicht verunkrautet und daher frei von Schatten sind, da sie Weizen.


Zitat

XLI Was das Saatfeld düngt  

Was das Saatfeld düngt. Taubenaist soll man auf die Wiesen oder in den Garten oder auf die Saat streuen; Ziegen-, Schaf-oder Rindermist, ebenso jeden andern, hebe sorgsam auf. Sprenge oder gieße Olivenfruchtwasser um die Bäume; um die größeren Stämme eine Amphore, an die kleineren gib eine Urne mit der Hälfte Wasser; vorher hacke die Erde darum auf, aber nicht tief.


Zitat

XLII. Was auf dem Saatfeld schädlich ist

Was auf dem Saatfeld schädlich ist. Wenn du feuchtes Land bestellst, sind Kichererbsen, weil man sie ausreißt und weil sie Salz haben, schädlich; Gerste, Griechisches Heu, Wicken, das alles saugt das Saatfeld aus. Auch alles, was ausgerissen wird. Bringe keine Olivenkerne in das Saatfeld.


Zitat
Welche Feldfrüchte das Saatfeld düngen:
Lupinen, Bohnen, Wicken. Woraus man Mist machen kann: Stroh, Lupinen, Spreu, Bohnenstroh, Hülsen, Steineichen- und Eichenlaub. Auf dem Saatfeld reiße den Zwergholunder und den Schierling aus und rings um das Weidicht das hohe Gras und das Schilf; dies streue den Schafen und Rindern unter, auch faulendes Laub. Sondere einen Teil der Olivenkerne ab, wirf sie in ein Sammelbecken; dazu gieße Wasser; mische es mit einer großen Schaufel gut durch. Die Schmiere davon gieße um die umgegrabenen Ölbäume; verbrannte Olivenkerne gib ebenfalls dazu.


Zitat

LVIII. Wie man Wiesen düngen soll

Die Wiesen dünge zu Beginn des Frühlings bei Neumond, die nicht bewässert werden, sobald der Westwind zu wehen beginnt. Wenn du die Wiesen einhegst, lass sie jäten und alles Unkraut mit den Wurzeln ausgraben.

Weblink

Über den Ackerbau) ist das älteste erhaltene Prosawerk in lateinischer Sprache. Es wurde etwa 150 v. Chr. von Marcus Porcius Cato dem Älteren, gen. Cato maior, verfasst.


Inkas als Ackerbauern

Ein seltsame Figur, eine der riesenhaften Bodenzeichnungen in Peru

In den historischen Andenländern ernährten sich die Inkavölker überwiegend vom Ackerbau (Großvieh gab es mit Ausnahme des Lamas nicht). Viele Pflanzenarten, die im alten Inkareich kultiviert wurden, gelangten später nach Europa und Nordamerika. Denken wir nur an die Kartoffel, den Mais, den Tabak, die Bohne, die Erdnuß und die Tomate. Auf dem Speisezettel der alten Inkas standen Getreide, Früchte und Gemüse ganz oben an, die Ernährung war entsprechend vegetarisch. Ihre Ackerbaumethoden waren historisch gesehen hoch entwickelt. Davon zeugen Wasserreservoire, die Anlage von typischen Ackerbauterrassen und Kanälen, die eine Nutzung des gebirgigen Landes erst ermöglichten.

Viele Merkmale der Gartenbewirtschaftung finden wir in dem System der Ackerbewirtschaftung wieder. Setzlinge, Knollen und Samen wurden gepflanzt, wo hingegen das Ausstreuen der Samen nur eine zweitrangige Bedeutung gehabt haben mag. Mit dem Fuß wurde ein Grabstock (“Taclla“) in den Boden getrieben. In das kleine Bodenloch pflanzte der Inka dann die Setzlinge und schob mit den Händen das Pflanzloch wieder sorgfältig zu. Der Anbau verschiedener Kulturen auf kleinster Fläche zeugt von einer recht intensiven Bodennutzung, wie sie nur im Gartenbau möglich ist.



Terrassenbau

Der Bodenverlust durch Erosion ist sicherlich für viele Regionen der Erde, wo Landbau in Hanglage betrieben wird, ein sehr ernstes Problem. Nach heftigem Regent all reißt das Wasser die dünne Erdkruae fort, das nackte Gestein bleibt zurück, und eine Bewirtschaftung ist dann nicht mehr möglich.

Um die Verkarstung ihres Landes zu bremsen, haben die Inkas Tausende von Terrassen angelegt. Einfach war es sicherlich nicht, denn es mußten kilometerlange Stützmauern gebaut werden nebst überleitungssystemen für das Wasser und den dazugehörigen Wegen und Straßen. In die oben gelegenen Terrassen wurde das Wasser aus einem Fluß oder einer Quelle eingeleitet.

Es floss dann talwärts von Terrasse zu Terrasse, wässerte die Pflanzen und verteilte die Nährstoffe. Auf Darstellungen über den Ackerbau der Inkas finden wir neben der Maispflanze recht häufig Abbildungen der Bohne aus der Gattung der Leguminosen. Zufall? Wissenschaftler vermuten, das die Inkas gezielt auf den obenliegenden Terrassen Leguminosen angebaut haben, weil die im Wurzelbereich der Leguminosen lebenden stickstoffbindenden Knöllchenbakterien das abziehende Wasser düngten. So gelangte eine kleine Menge an Nitrat auch auf die unteren Felder und nährte dort den Mais und andere Feldfrüchte.

Terrassenanbau im Andengebiet

Universität Heidenberg 2007 : Das Geheimnis von Nasca ist gelüftet!

Heidelberger Geographen rekonstruierten Klima- und Landschaftsgeschichte im Süden Perus.

Erstmals haben sich Wissenschaftler um den Bonner Altamerikanisten Markus Reindel intensiv mit den geheimnisvollen Linien von Nasca im Süden Perus beschäftigt. Heidelberger Geographen waren dabei und rekonstruierten die Klima- und Landschaftsgeschichte der letzten 11 000 Jahre. Jetzt weiß man endlich, wozu die Geoglyphen, die riesigen Bodenzeichnungen, angelegt wurden.


Literatur

Horkheimer, Hans,
Nahrung und Nahrungsgewinnung im vorspanischen Peru
Bibliotheca Ibero—Americana
Colloquium Verlag
Berlin 1960


Inkas als Ackerbauern

Der Mann bohrte mit seiner Taclla das Setzloch. Der Grabstock bestand aus einem Pfahl aus hartem Holz, einen bis eineinhalb Meter hoch, unten spitz zulaufend. Im Unterteil befand sich eine Fußstütze zum Eintreiben des Stockes in den Boden. In das Setzloch legte die Frau die Oca—Knolle (Kartoffel) hinein.

Oca1.jpg

Die Düngung der Bodenkulturen

Es gilt unter Wissenschaftlern als nachgewiesen, dass die Inkas schon die düngende Wirkung des Guanos kannten. Millionen von Seevögeln, die in der Küstenregion der Andenstaaten nisten, hinterlassen dort ihren Kot, der im trockenen Klima steinhart und meterhoch wird. Dieser stickstoffhaltige Naturdünger braucht dann nur noch abgebaut und verfrachtet zu werden. Bei Todesstrafe war es den Inkas verboten, die Vögel beim Nisten zu stören. Soweit wir wissen, handelte es sich dabei wohl um eine der ältesten Gesetzgebungen auf unserer Erde zum Schutz der Bodenfruchtbarkeit. Daneben waren auch andere Verfahren der Bodendüngung bereits bekannt. So wurden zur Maisaussaat Fischköpfe (Phosphat) hinzugegeben. Auch Kalk, Asche und Exkremente haben über Jahrtausende die Bodenfruchtbarkeit erhöht. Der Begriff "Guano" stammt aus der Quechuasprache und bedeutet soviel wie "Dung" oder "Mist. Der Guanodünger wurde im 19.Jahrhundert in Westeuropa und Nordamerika importiert und zur Bodendüngung ausgestreut.Über den Bodenschatz kam es zwischen Chile und Peru in der Atatacamawüste zum Krieg (Salpeterkrieg 1879—1883).

Guanonest

Bodennutzung und Gesellschaftssystem

Von einer einzelnen Familie konnte die Anlage eines aufwendigen Bewässerungsystems nicht geleistet werden, was von der Sache her einen Zwang zur Gemeinschaftsarbeit ausgeübt haben mag. Wenn es z.B. um die Wasserentnahme an einer entfernten Stelle des Flusses ging, setzte dieses doch zumindest das Einverständnis oder die Mitarbeit einer größeren Zahl von Bewohnern voraus. Auch mussten die geschaffenen Anlagen gegen feindliche Nachbarn oder landsuchende Fremde verteidigt werden. Die Anlage von Kanälen und Dämmen, der Bau der Kultstätten, die Verteilung der nutzbaren Fläche und viele andere Aufgaben konnten verständlicherweise nur gemeinschaftlich durchgeführt und in einem Gemeinwesen organisiert werden. Auf dieser frühen Stufe eines Gemeinwesens waren bereits Spezialisten für Technik und Verwaltung erforderlich. Es entstand eine für die histori­schen Andenvölker typische und prägende Beamtenhierarchie mit einem Häuptling an der Spitze.

Über die Form der Bodennutzung ergibt sich ein weiterer gesellschafts politscher Aspekt. Weil die Bestellarbeit auf den Feldern in der Andenregion Frauenarbeit war und auch heute noch ist, stand den Frauen eine vergleichsweise priveligierte Stellung zu. Legenden sind uns überliefert, um "Mama 0db", die Schwester—Gattin "Manco Capas" und der listigen "Siuacu", welche die Besetzung des Inkathrones durch ihren Sohn "Roca und damit die Dynastie von "Honan Cuzco" herbeigeführt haben soll.

Bodenutzung und Mythologie

Wir finden auch Hinweise auf Zusammenhänge zwischen dem System der Bodennutzung und mythischen Vorstellungen. Im Andenhochland huldigten die Inkas dem Sonnengott, während die Bewohner der Küstenregion den Mond anbeteten, wobei die Wahl des Kultobjektes nicht zufällig war. Den "Serranos", den Hochlandbewohnern war bewusst, dass die Sonne für das Wachstum der Pflanzen von zentraler Bedeutung war. Anders war es in der Küstenregion, wo bei Nacht das heiße Klima erträglicher wurde und das kostbare Wasser vor dem Verdunsten bewahrt wurde. Weiterhin wussten oder ahnten die Küstenbewohner, dass Ebbe- und Flutrhythmus mit dem Mondumlauf zusammenhängen, was für die Arbeit der Bauern und Fischer bedeutsam war und ist. Aus der Stellung des Mondes und der Gestirne entwickelten die Inkas ihren Kalender und schufen gleichzeitig damit einen zeitlichen Rah­men für die Bodennutzung im Jahresablauf. Weil Ernte und Missernten im Landbau bei den Inkas über Leben oder Hunger und Tod entschieden, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Urvölker an mythische Vorstellungen klammerten. Göttliche Kräfte sollen die Nährpflanzen geschaffen haben, und göttliche Kräfte sollen der Sonne, dem Wasser und der Erde innewohnen.

Überlieferungen

Noch in jüngerer Zeit haben christliche Missionare Indianergeschichten aufgezeichnet. Gemäß Pater Garcia (1936) berichteten Machiguenga—Indianer, die in den Urwäldern des Departements Cuzco wohnten bzw. wohnen, folgende Legende: 


Zitat
Einst gab es keine Pflanzen, die heute angebaut werden. Die Machiguenga aßen die rote Erde, gleich der, die man benutzt, um daraus Töpfe zu machen. Da kam ein weißlicher Mann, von größerer Statur als üblich. Der Fremde war Koshiri, so nannte man den Mond. Koshiri bot einer jungen Machiguenga einige Stücke Yuca an und lehrte sie, wie man sie isst. Der Mond heiratete das Mädchen, und er bekam vier Söhne von ihr. Daraufhin brachte er den Samen von Yuca, Mais, Bananen und den übrigen essbaren Pflanzen auf die Erde, die jetzt von den Machiguenga angebaut werden.

Pachamacamaj[1]wurde im Hochland als göttlicher Schöpfer der fruchtbaren Erde verehrt; sein Pendant war die göttliche Erdmutter Pachamama. Fol­gende Legende ist uns überliefert:
 

Zitat
Der Gott Pachamacamaj säte die Zähne seines Halbbrüderchens aus, den er im Anfall von Eifersucht getötet hatte; so entstand der Mais [2], dessen Samen Zähnen gleichen. Dann säte er die Rippen und andere Knochen aus, und so entstanden Yuca und andere Wurzelfrüchte. Aus dem Fleisch gingen Pepinos, Pacayes und die übrigen Früchte und Bäume hervor, und seitdem kennen die Menschen weder Hunger, noch leiden sie anderen Mangel.



Hinweise

  1. Pachamacamaj ist ein Indianerwort und setzt sich zusammen aus Pachama um Camaj = Schöpfer
  2. Im deutschen Sprachgebrauch "Zahnmais" genannt.



Litatur

Auszüge aus:

Horkheimer , Hans, Nahrung und Nahrungsgewinnung im vorspanischen Peru
Bibliotheca Ibero—Americana
Colloquium Verlag
Berlin 1960 Seite 33 ff

Litereraturhinweise/Quellen Anita Baumann/ Indianerwelt


Die Siedlungsgebiete der Machiguenga

Die Siedlungsgebiete der Machiguenga befinden sich in den peruanischen Provinzen Calca (Departement Cusco), La Convención (Departement Cusco) und Manú (Departement Madre de Dios), und war an den Flüssen Urubamba, Camisea, Picha, Manú, Timpia, Tigompinia, Kompiroshiato und Mishagua.

Die Sprache der Machiguenga, die von etwa 10.000 Menschen gesprochen wird, gehört zu den Arawak-Sprachen und ist am nächsten mit den Sprachen der Nomatsiguenga sowie der Asháninka verwandt.

Die Machiguenga leben von Brandrodungsbau, Jagd und Fischerei. Ihre Hauptanbaupflanzen sind: Maniok (yuca), Sachapapa (eine Art Knollenfrucht), Pituca, Süßkartoffel (camote), Erdnuss, Mais und Bananen. In neuerer Zeit werden für die Vermarktung unter anderem Kaffee und Kakao angebaut.


Machiguenga

Siedlungsgebiete der Machiguenga-Indianer

Siedlungsgebiete der Machiguenga-Indianer




Erde als Nahrung

Schlechte Ernährungsbedingungen mit ihren Mangelerkrankungen bringen Menschen dazu, rohe Erde zu essen (Fachbegriff: Geophagie). Schon Alexander von Humboldt berichtete im 19. Jahrhundert über die Sitte der Andenvölker, Erde zu essen. In Peru soll die gegessene Kreide von heller Farbe gewesen sein, die mit Salz vermengt und dann mit Kartoffeln oder anderen Knollenfrüchten verspeist wurde. Instinktiv haben die Menschen Erde gesessen und dadurch insbesondere Calzium und Eisen aufgenommen. Auch soll eine gewisse Heilwirkung gegen Darmparasiten vorhanden gewesen sein.