Reisen

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Werbeanzeige der Koffermanufaktur Moritz Mädler, Leipzig 1910

Einstimmung

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen. [...]

Und fand es überall wie hier,
Fand überall ’n Sparren,
Die Menschen gradeso wie wir,
Und eben solche Narren.

Matthias Claudius
„Urians Reise um die Welt" (1787)

Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Joseph von Eichendorff
„Aus dem Leben eines Taugenichts"


Reisen ist tödlich für Vorurteile.

Mark Twain

Denkanstöße - Vorarbeiten

Aufgaben

1. Reisen wird im allgemeinen als etwas Positives gesehen: Es soll bilden, es soll entspannen, neue (Selbst-)Erfahrungen bringen usw. Meistens wird dabei davon ausgegangen, dass man wieder zurückkehrt.

Das war und ist aber nicht immer und überall so! Findet Anlässe zum Reisen, bei denen dies nicht der Fall ist und war.

2. In dem Begriff „Reise(n)“ sind sehr verschiedene Arten der Fortbewegung und des Ortswechsels enthalten, z.B. Ausflug, Abstecher,... Zeitreise.

Findet weitere und versucht Kurzdefinitionen.

3. In den Untersuchungen eines berühmten Soziologen heißt es (sinngemäß):

Der Fremde ist nicht der Wanderer, der kommt und wieder geht, sondern der Wanderer der kommt und bleibt.
→ Geschichte des Reisens
Wenn dies stimmt, was bedeutet dies dann für den Unterschied zwischen dem Fremden und dem Gast?

4. Mit dem Wortstamm >fremd< gibt es viele Zusammensetzungen wie z.B. Fremdenverkehr, Fremdenzimmer, Fremdsprache - neuerdings auch fremdschämen oder fremdgehen ...

Sammelt weitere Wörter (Nomen, Adjektive, Verben) und überlegt
a) ob es dafür eventuell passendere oder neutralere Begriffe gibt
b) ob sich Bedeutungs- oder auch Einstellungsänderungen erkennen lassen.

5. Im Englischen gibt es den ‚foreigner‘, den ‚stranger‘, auch den ‚alien‘ und sogar den ‚outlander‘; damit sind feine Bedeutungsunterscheidungen ermöglicht.

Wie sieht das im Deutschen und in anderen euch bekannten Sprachen aus?

Reisen als Thema im Deutsch-Unterricht

DPAG 2010 33 Postkutsche

Für junge Adlige und Fürsten bedeutete eine Reise durch Europa im 17./18. Jahrhundert den üblichen Abschluss ihres BildungsgangsWikipedia-logo.png. Der erste für die Kunstgeschichte wesentliche deutsche Reisende ist WinckelmannWikipedia-logo.png, der berühmteste ist J.W. Goethe, aber um diese Zeit reiste dort auch Karl Philipp Moritz (vgl. seine Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788).

Sehr bekannt wurde der Reisebericht Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 schon vor dem Erscheinen von Goethes Italienischer Reise.

Eine Sonderstellung nimmt der Bericht Heinrich Heines in seinen Reisebildern ein. Für ihn wird sein Bericht über Italien Anlass, sehr allgemeine Anschauungen auszudrücken.

Italienreisen blieben bis in unsere Zeit für Deutsche ein wichtiges Bildungserlebnis. (vgl. ItaliensehnsuchtWikipedia-logo.png).

Dennoch haben bis heute die Reiseberichte Seumes und Goethes eine Sonderstellung behalten.

Reise und Literatur

Zum Nachschlagen und Nachlesen und Referieren:

Klassische Reiseberichte

Romane vom Reisen

Jugend/Adoleszenz-Roman

Reise-Lyrik

  Aufbruch - Abschiede - Unterwegssein - Ankunft - Heimkehr
  In der Fremde - Auf der Flucht - Sehnsuchtsorte - Lebensreise
  • Reiselyrik - "Formen des Unterwegsseins. Ein literaturgeschichtlicher Gang durch die Reiselyrik von der Goethezeit bis zur Gegenwart". U. Vormbaum stellt Gedichte nach diesen Oberbegriffen zusammen:
  1. Einstieg: Mit Goethe und all den anderen über die Alpen
  2. Zu Fuß, mit Kutsche und Kahn durch die Landschaft
  3. Reisen im Eisenbahnzeitalter
  4. Zwischen innerweltlichem und technomanischem Reisen
  5. Ausblick auf das Reisen heute
  6. Schluss: Die Alpen werden geschlossen

Wandern/Fußreisen

Philomag Wandern.jpg
"Wer geht, sieht mehr, lebt länger – und denkt besser. Einsichten, die schon antike Philosophen mit heutigen Hirnforschern teilen. Tatsächlich ziehen sich das Denken im Gehen und das Nachdenken über das Gehen wie feine rote Fäden durch die Geschichte der Philosophie und der Literatur. Ob als Spaziergänger, Flaneure, Wanderer oder geistige Entdeckungsreisende – viele große Dichter und Denker schätzen das tägliche Gehen in Wäldern oder Städten, um auf neue Gedanken zu kommen. Die aktuelle Sondernummer des Philosophie Magazins begleitet sie auf ihren Gedankenreisen." (philomag.de)

Textsorte und Schreibanlässe

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Warum einen Reisebericht schreiben und wie ?

Schreibanlässe

Arbeitsauftrag: "Wählen Sie ein Reiseziel aus und schreiben Sie eine erlebte oder erfundene Geschichte!"
  • Ein Stadtporträt verfassen, in dem deine / eure Stadt als attraktives Reiseziel dargestellt wird (Aufgabenvorschläge):
→ Stadtporträt
  • Vom Reisebericht zur Abenteuergeschichte (Aufgabenvorschläge):
→ Deutsch/Reisebericht
  • Vom Reisetagebuch zum Reisebericht (Aufgabenvorschläge):
→ Deutsch/Reisetagebuch
  • Fantasiegeschichte: Erzählkern und sprachliche Ausgestaltung:
Aufgabe

In Peter Härtlings Geschichte vom Gummi-Frosch wird dieser Gummifrosch von der Strömung unerreichbar weit ins Meer hinausgetrieben. Das dreijährige Kind fragt den Vater: "Wohin schwimmt der Frosch denn nun?" ( Klett-Lesebuch "Unterwegs 6", S. 150/51) Und der Vater denkt sich Geschichten aus, die dem Frosch auf seiner Reise übers Meer zugestoßen sein könnten.

Denke Dir auch eine solche Reisegeschichte aus. Entwerfe zunächst einen Erzählkern, im Präsens und noch ohne wörtliche Rede. Gestalte diesen dann unter Verwendung von Spannungselementen, wörtlicher Rede, Adverbien und Adjektiven zu einer Erzählung aus. Das Ende darf ein Gutes sein.


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