Benutzerin:Sabine Häcker/Sprachbildung/Methodenrepertoire

Methodische Ideen für die sprachbildende und sprachfördernde Arbeit im Fachunterricht
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Die Planung des methodischen Vorgehens ist der Schritt bei der letzte Planung einer Unterrichtsstunde. Zuvor muss man sich Klarheit über die verwendeten sprachlichen Mittel verschaffen, ihr sprachliches Anspruchsniveau mit den Ausgangslagen der Lernenden abgleichen und sprachliche Zielsetzungen festlegen.[2]
Sammlung von methodischen Vorgehensweisen
Die folgenden Listen sollen Anregungen geben. Selbstverständlich gibt es Überschneidungen und noch sehr viel mehr methodische Möglichkeiten!
Sprachbildung vorbereitend
- Aktivierung des Vorwissens zum Thema
- brainstorming
- über ausgewählte Elemente eines Themas (evtl. aus dem folgenden Text) sprechen
- anhand von Bildern über Thema sprechen oder Inhalte spekulieren
- Wort- und Satzspeicher (relevante Begriffe sowie standardisierte Wendungen der Fachsprache hängen gut sichtbar aus oder sind einsehbar, im Laufe der Einheit wächst der Speicher mit; Nomen werden mit Artikel notiert. Wichtig: Speicher wird gemeinsam erstellt - dann sind die Schüler orientiert.)
- Textvorentlastung durch Unterrichtsgespräch (zentrale Begriffe oder Wendungen werden vor dem Lesen geklärt, möglichst im Zusammenhang)
- Wortfelder (Assoziogram) gemeinsam erstellen (mit Fachbegriffen und Satzbruchstücken, nach bestimmten Kriterien oder Oberbegriffen)
- Mindmap zum Thema
- Gefühle zum Thema in Worte fassen (Z. B. indem die Lehrperson fragt: "Was verbindest du mit dem Begriff ...?")
- Randglossar bzw. Fußnoten (ggfs. schwierige Begriffe werden erklärt und der Text wird nicht umgeschrieben)
- Wortschatzvorentlastung (Z. B. die Hälfte der Klasse bekommt ein neues Wort auf einem blauen Kärtchen, die anderen Hälfte bekommt die Def. auf einem roten Kärtchen. Nun müssen die Schüler herumgehen und die Karten der anderen lesen, bis die Paare sich finden. Dann werden die Wörter vorgestellt und notiert.)
- Sprachregister besprechen
- potentielle grammatikalische Lesebremsen im Vorfeld aufgreifen
- ...
Sprachbildung während des Lesens
- zu Beginn des Lesens eines schwierig wirkenden Textes bewusst eine angemessen wirkende Lesestrategie auswählen und während des Lesens bewusst anwenden und überwachen
- zu Beginn des Lesens Vorhersagen über den Text äußern
- gezieltes, suchendes Lesen und farbiges Markieren (zu bestimmten Fragestellungen/ Kategorien im Text markieren, z. B. Personen gelb, Handlungen rot etc.)[3]
- nach Schlüsselwörtern suchen
- Text-Bild-Zuordnungen[4]
- Visualisierungen (Begriffe oder Textaussagen werden durch Visualisierungen unterstützt)[5]
- Überschriften zuordnen oder selbst formulieren
- Informationen herausschreiben
- Mindmap (den Inhalt eines Textes in einer Mindmap festhalten und sich selbst verfügbar machen)[6]
- Emotionen und eigene Positionen zum Text notieren
- nachschlagen, unbekannte Worte klären
- DaZ-Lernende dürfen eine Übersetzungsprogramm nutzen
- eigenes Glossar (individuell angelegtes Verzeichnis von sprachl. Mitteln, die neu sind; mit Erklärung und Beispielsatz)
- vorbereitete Darstellungsformen ausfüllen
- Begriffe zuordnen
- ...

Sprachbildung nach dem Lesen
- Begriffe klären[7]
- Sprechblasen (die zentralen Aussagen herausfiltern)[8]
- Textinhalt visualisieren bzw. in eine andere Darstellungsform übertragen (in einem Schaubild, Struktur- oder Flussdiagramm, Zeitstrahl, Steckbrief, ...)[9]
- Textinformationen mit Abb., Tabellen, Karten, Diagrammen, Visualisierungen etc. in Beziehung bringen
- Fragen an den Text stellen
- Fragen zum Text beantworten[10]
- Text strukturieren / Textstruktur darstellen
- Text zusammenfassen
- verschiedene Texte vergleichen
- Schlüsse ziehen
- Dialog: fachlichen Sachverhalt in Gesprächsform darstellen
- Texte abschreiben
- Text zusammenfassen
- Informationen aus dem Text in Tabelle oder Schaubild einfügen
- komplexe Sätze aufschlüsseln
- Text und Bild/Grafik/Tabelle/... vergleichen
- Prüfen von Richtig-/Falschantworten
- einfache Sätze oder Zusammenfassungen an der passenden Stelle im Originaltext zuordnen
- Text expandieren (einen sehr verdichteten Textinhalt durch Beispiele und Erläuterungen ergänzen)
- Abgleich des erworbenen Wissens mit dem Vorwissen
- eigene Meinung / Kommentar formulieren, Stellung beziehen (Textinhalt mit eigenen Positionen in Beziehung setzen)
- Leseprozess reflektieren (sprachliche Schwierigkeiten und Lesebremsen benennen und analysieren, angewandte Lesestrategie reflektieren)
- ...
Sprachbildung vor dem Schreiben
- Operatorenkarte (Nachschlagemöglichkeit zu den Operatoren: Was genau wird verlangt und mit welchen sprachlichen Mitteln kann das ausgedrückt werden?)
- Schreibgerüst (Gliederung mit Leitfragen, nach einem Mustertext schreiben, ...)
- Musterlösung analysieren (ein gelungenes Ergebnis wird gemeinsam kriteriengeleitet untersucht anhand, bevor die Lernenden selbst schreiben)
- mündliche Probe (Was geschrieben werden soll, wird vorher mündlich formuliert, so dass Formulierungsprobleme besprochen werden können.)
- eine visuelle Darstellung versprachlichen (eine Skizze, Tabelle oder technische Zeichnung wird in Sätze gefasst, evtl. mit Hilfe vorgegebener sprachl. Mittel)
- Lückentext ausfüllen (um die fachsprachlichen Begriffe und Redemittel "passiv" zu üben, bevor sie aktiv verwendet werden)
- ...
Sprachbildung während des Schreibens
- Satzanfänge ergänzen (Vorformulierte Satzanfänge können helfen, auch als Impuls; Bsp.: "Das liegt daran, dass ... ." / Je ..., desto ... ." / Allerdings ... ." / "Dafür spricht, dass ... .")
- Wortgeländer (Gerüst aus ungeordnet vorgegebenen Wörtern oder Satzmuster mit Lücken)
- Strukturgeländer (mit einer vorgegebenen Gliederung schreiben)
- Sprechblasen (Zusatzmaterial zu Texten, Bildern, Formeln, ... in Form von Sprechblasen)
- Darstellungsformen vertexten
- Text mit (evtl. größeren) Lücken ergänzen
- Textpuzzle (ungeordnet vorgegebene Sätze, satzteile oder Einzelwörter zu einem stimmigen Text kombinieren)
- Schreibkonferenz (Die Schüler tauschen ihre Texte aus und geben nach festen Kriterien Rückmeldung bzw. überarbeiten sie.)
- Checkliste am Ende des Schreibens (feste - ggfs. individualisierend, differenzierend festgelegte - Fragen an den Text: Habe ich fachsprachlich geschrieben? Sind Sätze miteinander verbunden? ...)
- Eigenen Schreibprozess am Ende des Schreibens reflektieren
- ...
Sprachliche Mittel üben und sichern
- Digitale Aufgaben (wie Lückentext, Zuordnungen, Paare bilden, Reihenfolgen legen. Vorteil: Sofortige Rückmeldung, beliebig häufige Versuch. Vorschlag: z. B. mit https://learningapps.org/)[11]
- Begriffsnetze (Wichtige sprachliche Mittel zum Thema werden notiert und verbunden, und es wird beschriftet, wie sie zusammenhängen.)
- Satzhälften zusammenfügen[12]
- Texte in eine andere Darstellungsform überführen (Brief, Paralleltext, einen eigenen Schluss, eine Fortsetzung, Gedicht, ...)
- Ein Text wird vorgelesen (evtl. auch mitgelesen), dabei werden wichtige Wörter - evtl. an der Tafel - mitgeschrieben; dann wird mit Hilfe dieser Wörter ein eigener Text formuliert.
- Aufgaben für Mitschülerinnen und Mitschüler erstellen[13]
- ...
Aufgabe für Referendarinnen und Referendare
Bitte erstelle zu einem Thema deines Unterricht zwei Aufgaben, die die Sprachbildung und/oder Sprachförderung in deiner Lerngruppe unterstützen!
(Denke dabei daran, dir vorher über deinen sprachlichen Erwartungshorizont in der Stunde klar zu werden: Welches sind die für die Sprachhandlung notwendigen sprachlichen Mittel? Analysiere sie auf der Wort-, Satz- und Textebene! Dann schätze die individuellen sprachlichen Ausgangslagen der Schülerinnen und Schüler ein (→ Diagnose der Ausgangskompetenzen), um danach im Abgleich damit die - ggfs. zieldifferenten - sprachlichen Ziele festzulegen (→ Zielkompetenzen).[14] Dann erst beginne mit der methodischen Planung, zu der die Auswahl und konkrete Erstellung von Aufgaben gehört.)
Unterscheide und entscheide: Handelt es sich um Sprachbildung hinsichtlich der Fachsprache/Bildungssprache für alle oder um Sprachförderung für einzelne Schülerinnen und Schüler? Ist in der Lerngruppe eine Differenzierung der Aufgaben notwendig? Auf welcher sprachlichen Ebene? Welche Aufgaben könnten das leisten? ...
Literatur
- Beckmann, Ruth: Handreichung zum Sprachbildungskonzept Bremen (Sek 1). 2013.
- Leisen, Josef: Handbuch Sprachföderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis. 2016.
- Weber, Melanie (Hrsg.: SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik gGmbH): Vorentlastungsübungen. (o. J.)
- Schmiedebach, Mario u. a.: Die Biene und ihre Nahrung. Texte knacken im NaWi-Unterricht. In: DaZ Sekundarstufe 2018, S. 13 ff.
Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache
Ich verwende zumeist die Variante des sog. generischen Maskulinums in ihrer genderneutralen Definition, weil sie mir aus mehreren Gründen als die beste Annäherung an eine Entgenderung von Sprache erscheint. Dass die grammatikalischen Geschlechter von Sprache dabei keinesfalls mit den Geschlechtern - biologisch oder sozial - von Menschen gleichzusetzen sind, sei trotzdem ausdrücklich erwähnt. Wer sich mit dem Thema näher auseinandersetzen möchte: Die Diskriminierungsdilemmata des Sprachgerechtigkeitswunsches.
Anmerkungen
- ↑ Leisen, 2016, S. 3.
- ↑ Vgl.: Planung von Sprachbildung auf der Wort-, Satz- und Textebene am Beispiel eines Telefongesprächs -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Sprachbildung/Unterrichtsplanung/BeruflicheBildung/Telefongespr%C3%A4ch.
- ↑ Beispiel in einem Material zu der Frage, warum es immer erst nach Weihnachten Ferien gibt (s. "Textarbeit")-> https://unterrichten.zum.de/wiki/Benutzerin:Sabine_H%C3%A4cker/Weihnachtswissen/Traditionen/Weihnachtsferien#Textarbeit.
- ↑ Ein schlichtes, digitales Beispiel aus dem Bereich ökologische Bildung: Baumkunde einheimischer Holzarten -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Nachhaltigkeitsbildung/Warum_kaufen_wir_kein_Tropenholz_f%C3%BCr_die_Holzwerkstatt#Zusatzaufgaben
- ↑ Bsp. aus dem Bereich ökologische Bildung: Warum kann Regenwald, wenn er einmal zerstört ist, nicht wieder aufgeforstet werden? -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Nachhaltigkeitsbildung/Warum_kaufen_wir_kein_Tropenholz_f%C3%BCr_die_Holzwerkstatt#Warum_kann_Regenwald,_wenn_er_einmal_zerst%C3%B6rt_ist,_nicht_wieder_aufgeforstet_werden?
- ↑ Beispiel aus dem religionskundlichen Bereich: Was sagt die Bibel zum Thema Homosexualität? Arbeitsblatt mindmap) -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Religionswissen/Was_sagt_die_Bibel_zum_Thema_Homosexualit%C3%A4t%3F.
- ↑ Beispiel für zwei digitale Angebote zur Begriffsklärung in diesem Material zur Geschichte der Weihnachtsferien -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Benutzerin:Sabine_H%C3%A4cker/Weihnachtswissen/Traditionen/Weihnachtsferien#Aufgabenangebot.
- ↑ Beispiel aus dem Bereich Religionskunde: Warum wurde die biblische Maria als Jungfrau schwanger? -> Arbeitsblatt "Zentrale Aussagen" -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Weihnachtwissen/Bibel/Marias_jungfr%C3%A4uliche_Schwangerschaft.
- ↑ Einfaches Beispiel aus dem Bereich Religionskunde: Die Entstehung des Islam - Informationen aus einem Text als Lebenslauf notieren -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Islam/Entstehung#Lebenslauf.
- ↑ Einfaches Beispiel aus dem Bereich Religionskunde: Die Entstehung des Islam -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Islam/Entstehung#Fragen_zum_Text.
- ↑ Beispiele aus dem Themenbereich berufliche Bildung: Gesellen auf Wanderschaft -> Berufliche Bildung/Gesellen auf Wanderschaft.
- ↑ Beispiel aus dem Bereich kulturelle Bildung: Glück wünschen - Wie sagt man das? -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Weihnachtswissen/Traditionen/Gl%C3%BCckssymbol/Schwein#Satzebene:_Worauf_beim_Gl%C3%BCck_W%C3%BCnschen_zu_achten_ist.
- ↑ Verschiedene digitale Beispiele finden sich in diesem religionskundlichen Material (Jhg. 5/6): Die Entstehung des Islam -> https://unterrichten.zum.de/wiki/Islam/Entstehung.
- ↑ Die folgende Seite erläutert diese Planungsschritte: https://unterrichten.zum.de/wiki/Sprachbildung/Unterrichtsplanung/BeruflicheBildung/Telefongespr%C3%A4ch.
