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Weihnachtwissen/Bibel/Marias jungfräuliche Schwangerschaft

Aus ZUM-Unterrichten
Die Verkündigung Mariae (Abb. von 1788). Die Erzählung, dass Maria als Jungfrau schwanger geworden sein soll, geht auf eine falsche Übersetzung in der Antike zurück.[1] Ob das ein Fehler aus Unkenntnis oder mit Absicht war, kann man heute nur noch spekulieren ...

Warum wurde die biblische Maria als Jungfrau schwanger? (für Jhg. 8-11)

Autorin: Sabine Häcker[2]

In der Bibel (und auch im Koran) wird erzählt, dass Maria mit Jesus schwanger wurde, ohne je mit einem Mann zusammen gewesen zu sein. Diese Geschichte erzählt von einem göttlichen Wunder, das biologisch unmöglich ist. Was steckt dahinter?

Was erzählt die Bibel über Marias Schwangerschaft?

  • Wer war Maria? Wie wurde sie laut Bibel schwanger?
  • Wie entsteht eine Schwangerschaft biologisch?
Gedicht und Abb. von 1648 - Der Zeichner im 17. Jhd. stellte sich Maria offenbar als junge Adelige in einem deutschen Schloss vor.[3] / Kannst du den Text entziffern?[4]

Die Erzählung, wie Maria schwanger wurde, findet sich in zwei der vier Evangelien im Neuen Testament.

Matthäusevangelium 1, 18–23

Als (…) Maria mit Josef verlobt war, stellte sich heraus, (…) dass sie schwanger war vom heiligen Geist. Ihr Mann Josef (…) wollte (…) sich heimlich (…) trennen. (…) Da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das hat sie vom heiligen Geist empfangen. Und sie wird einen Sohn gebären, den sollst du Jesus nennen, denn er wird sein Volk von seinen Sünden retten. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat (Jesaja 7, 14): „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und sie werden ihn Immanuel nennen, das bedeutet: Gott mit uns.“ Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Aber er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er nannte ihn Jesus.
  • Was bedeutet der Begriff "Jungfrau"?
  • Unterstreiche das, was der Engel sagt, mit blau. (Achtung - die wörtliche Rede ist nicht durch Anführungsstriche gekennzeichnet!)
  • Es gibt zwei Sätze, die stehen in Anführungsstrichen, obwohl sie keine wörtliche Rede enthalten. Warum?
  • Was passiert, nachdem Josef erfährt, dass seine Verlobte Maria schwanger ist? Erzähle nach!
  • Was ist gemeint mit „Josef, du Sohn Davids“?
  • Was ist ein Prophet?
  • Wo sind die Schriften des Propheten Jesaja zu finden, der hier zitiert wird?

Lukasevangelium 1, 26-38

Ein halbes Jahr später sandte Gott den Engel Gabriel (…) nach Nazareth, zu einem Mädchen, das mit einem Mann aus dem Stamm Davids verlobt war. Das Mädchen hieß Maria. Der Engel kam in ihr Haus (…): Sei gegrüßt, du Gesegnete, der Herr ist mit dir. Sie aber erschrak, als sie die Stimme hörte (…). Der Engel fuhr fort: Fürchte dich nicht! (…) Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben (...) und man wird ihn „Gottes Sohn“ nennen. (…) Da sprach Maria: Wie kann das geschehen? Ich bin mit keinem Mann zusammen gewesen! Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen, und die schaffende Kraft des Höchsten wird wie ein Schatten über dir sein. Darum wird dein Kind „heilig“ heißen. (…) Denn es gibt nichts, das bei Gott unmöglich wäre.

  • Arbeitsblatt: Zentrale Aussagen
    Unterstreiche das, was der Engel sagt, mit blau und das, was Maria sagt, mit gelb.
  • Fasse den Text in drei Sätzen zusammen.
  • Was bedeutet, dass Maria „mit einem Mann aus dem Stamm Davids“ verlobt war?
  • Was meint Maria, als sie sagt, dass sie „mit keinem Mann zusammen gewesen sei“?
  • Vergleiche die Erzählung von Lukas mit der von Matthäus: Was sind Unterschiede und Gemeinsamkeiten?

Jungfräulichkeit hatte früher einen hohen Stellenwert. Warum?

Arbeitsauftrag: Sexuell übertragbare Krankheiten sind auch heute noch ein Problem - doch Aufklärung, Schutz und ein medizinischer Umgang sind wirksamer als Sexverbote.

In früheren Zeiten war es in vielen Kulturen sehr wichtig, dass eine Braut als Jungfrau in die Ehe ging. Sex vor der Ehe zu haben, war verpönt und galt als Sünde. Im Alten Testament - vor über 2000 Jahren - galt es sogar als schwere Straftat; im 5. Buch Mose 22, 20-21 steht: "Ist (...) das Mädchen nicht mehr Jungfrau (...), so soll man sie (...) steinigen, (...)."

Das hatte einfache Gründe: Für viele Krankheiten hatte man früher keine Erklärung (geschweige denn Medizin). Es war aber aufgefallen, dass Menschen, die enthaltsam lebten, weniger oft von Geschlechtskrankheiten betroffen waren als diejenigen, die häufig Sex mit vielen verschiedenen Menschen hatten. Deshalb war der einzige sichere Schutz vor Geschlechtskrankheiten, bis zur Ehe auf Sex zur verzichten und nur mit einem Menschen Sex zu haben, nämlich der/dem Ehepartner/in. Erst im 20. Jahrhundert wurden endlich Antibiotika und andere Medikamente entwickelt, mit denen viele Krankheiten heilbar oder eindämmbar wurden, deshalb verlor die Tradition der Jungfräulichkeit nun an Bedeutung.

Außerdem hatten Männer Angst, dass die Braut schwanger mit dem Kind eines anderen Mannes in die Ehe kommen könnte, und dann das Erbe an ein Kind, das nicht das leibliche Kind des Familienvaters ist, gehen könnte.

  • Was sind heutige durch Sex übertragbare Krankheiten? Wie sind die Übertragungswege? Welche Krankheiten kommen wie häufig vor? Welche Symptome und Gefahren ? Welche durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten sind inzwischen heilbar und welche nicht? Und wie kann und sollte man sich heute schützen?
  • Mehr zu den Hintergründen der Geburtsgeschichten von Jesus und wie die Bibel eigentlich entstanden ist, könnt ihr in diesem Büchlein oder im Hörbuch (Gesamtlänge: 102 min) erfahren[5] - es wurde für die Arbeit im Unterricht konzipiert.
    Warum galt das Verbot von Sex vor der Ehe früher vor allem für junge Frauen - und weniger für junge Männer?

Wie kam es zu der Jungfräulichkeitserzählung im Neuen Testament?

  • Die Geschichte von Marias Schwangerschaft berichtet von einem Wunder. Kennt ihr noch andere Wunder?
  • Was ist ein Wunder? Wie kann man den Begriff "Wunder" definieren?
  • Warum glaubten die Menschen früher an Wunder?

Früher, in der Antike, waren Wundergeschichten üblich. Wunder gehörten zu jeder guten Heldensage – nicht nur in der Bibel. Auch die Biografien bedeutender Menschen wie Julius Caesar wurden mit Wundergeschichten ausgeschmückt und diese in der damaligen Zeit gerne geglaubt. Die Zuhörer in der Antike wunderten sich deshalb nicht über das biologische Wunder von Marias jungfräulicher Schwangerschaft, für sie war es ein gewöhnliches Erzählmittel, das die besondere Stellung von Jesus veranschaulichen sollte.

Die Symbolik einer jungfräulichen Mutter als göttliches Merkmal gab es übrigens in der damaligen Zeit auch in anderen Religionen: In den religiösen Erzählungen der Alten Ägypter z. B. war der Horus-Knabe von seiner Mutter Isis jungfräulich geboren worden.[6] Und auch einen Gott als Vater gab es bereits in anderen Erzählungen, so wurde z. B. über Alexander den Großen erzählt, er würde von Zeus abstammen.[7]

Das Neue Testament wurde geschrieben, um Jesus Christus als Gottes Sohn und als den von den Juden erwarteten Messias vorzustellen. Die Autoren wollten andere Menschen mit einer guten Geschichte überzeugen. Es ging Jesu Anhängern nicht darum, eine historisch korrekte Biografie vorzustellen, sondern seine Bedeutung zu veranschaulichen.

Um Jesus Christus als den Messias zu autorisieren, nutzen die Autoren der Evangelien vor allem zwei Mittel:

Sie erzählten a) von Wundern und beriefen sich b) auf die alten Schriften und stellten dar, wie sich deren Prophezeiungen durch Jesus erfüllten.

  • Wo finden sich diese beiden Erzählmittel konkret in der Geschichte von Marias Schwangerschaft wieder? a) Welches Wunder geschieht und b) welche Prophezeiung erfüllt sich dadurch?

Interessant ist übrigens, dass man heute weiß, dass Matthäus und Lukas mit einer fehlerhaften Übersetzung arbeiteten. Die Prophezeiung von Jesaja war in althebräischer Sprache geschrieben, und dort stand an dieser Stelle „junge Frau“. Doch das wurde auf Altgriechisch mit „Jungfrau“ übersetzt. Und diese altgriechische Übersetzung war der Text, die Matthäus und Lukas kannten und als Vorlage für ihre eigenen Texte nutzten. Und so wurde der Übersetzungsfehler in der alten Übersetzung (dem auf altgriechisch übersetzten Alten Testament) in die neuen Schriften (das Neue Testament) transportiert.[8]

  • Visualisiere diese Information über den Übersetzungsfehler in einem Schaubild!

Begriffe klären

Klärt diese Begriffe:

  • das Evangelium (PLURAL: die Evangelien; Bsp.: Im Neuen Testament sind vier Evangelien enthalten. Das erste Evangelium ist das von Matthäus.)
  • der Evangelist (Bsp: Die Autoren Lukas und Matthäus sind Evangelisten.)
  • der Protestant (Bsp: Laut Wikipedia gibt es 900 Millionen Protestanten auf der Welt, davon sind 300 Mio evangelisch und 600 Mio evangelikal.)
  • evangelisch (Bsp.: Die meisten evangelischen Christen verstehen die Bibel im Kontext ihrer Entstehungszeit und lehnen ein fundamentalistisches Religionsverständnis ab. In Deutschland ist die Mehrheit der Protestanten evangelisch, aber in anderen Ländern ist das anders.)
  • evangelikal (Bsp.: Viele evangelikale Christen meinen, dass die Bibel wortwörtlich zu verstehen sei. Sie haben teilweise radikal-konservative Haltungen, die sie als angeblich alternativlos mit Bibelaussagen begründen. Sie unterstützen eine wissenschaftsfeindliche und menschenverachtende Politik, z. B. werden Maßnahmen gegen den Klimawandel abgelehnt oder die Todesstrafe befürwortet. Besonders sichtbar werden solche evangelikalen politischen Positionen zur Zeit in den USA.)

Wiederholung

Das Spiel ist ein Gesprächsanlass, um evtl. verbliebene Fragen gemeinsam im Plenum zu klären.



Weshalb und wie erzählt auch der Koran davon?

Es gibt eine Legende, dass Maria in diesem Haus in der Nähe von Ephesus (damals griechisch, heute in der Türkei) ihre letzten Jahre verbracht haben soll. Das Meryem ana evi ist ein Pilgerort für Christen und Muslime.

Im Islam gilt Jesus Christus nicht als Gottes Sohn, sondern als Prophet. Der Prophet Mohammed, auf den der Koran zurückgeht, sah im Islam eine Weiterführung und Vervollkommnung der jüdischen und christlichen Religionen. Deswegen wurden viele Erzählungen aus den jüdischen und christlichen Schriften auch im Koran aufgegriffen.[9]

Koran, Sure 3, Vers 42, 45–48:

Und (Gedenke), da die Engel sprachen: „O Maria, siehe, Allah hat dich auserwählt (…). (Gedenke,) da die Engel sprachen: „O Maria, siehe, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm, sein Name ist der Messias Jesus, der Sohn der Maria, angesehen hernieden und im Jenseits (...).“ Sie sprach: „Mein Herr, woher soll mir ein Sohn werden, wo mich kein Mann berührte?“ Er sprach: „Also schafft Allah, was Er will; wenn Er ein Ding beschlossen hat, sprich Er nur zu ihm ‚Sei!‘ und es ist.“ Und Er wird ihn lehren das Buch und die Weisheit und die Tora und das Evangelium. Und wird ihn entsenden zu den Kindern Israel. (...)
  • Unterstreiche das, was Maria sagt, mit gelb.
  • Wer ist mit „Messias“ gemeint?
  • Was bedeutet „angesehen hernieden und im Jenseits“?
  • Was ist ein „rechtschaffener“ Mensch?
  • Was ist "die Tora"?
  • Die beiden Evangelien von Matthäus und Lukas wurden ungefähr 90 n. Chr. geschrieben (etwa 60 Jahre nach dem Tod Jesu). Wann entstand der Koran?[10]

Vergleich der Texte


  • Wie schätzt du die Unterschiede ein? Groß, klein, minimal?

Zusammenfassung

Beantworte die Frage Warum wurde die biblische Maria als Jungfrau schwanger? und wähle dafür eine dieser Varianten:

  • Erstelle eine Aufgabe bei LearningApps.org für deine Mitschüler/innen.
  • Erstellt zu zweit ein Podcastinterview (Audio), das per Interview mit seinen Fragen und Antworten den Zuhörern die Frage „Warum wurde die biblische Maria als Jungfrau schwanger?“ erklärt.
  • Schreibe einen Text, in dem du erklärst, warum die biblische Maria als Jungfrau schwanger wurde.
  • ...

Für Lehrer/innen

Ziel und Bildungswert dieser kleinen Sequenz

Martin Luther dichtete 1540: Vom Himmel hoch, da komm ich her. Ich bring’ euch gute neue Mär. Der guten Mär bring ich so viel, davon ich sing’n und sagen will: Euch ist ein Kindlein heut’ geborn, von einer Jungfrau auserkorn. Ein Kindelein, so zart und fein, das soll euer Freud und Wonne sein. (Abb. von 1833)

Ziel: Die Schüler/innen setzen sich mit religiösen Schriften, ihren Interpretationen und deren gesellschaftlichen Konsequenzen aus historisch-kritischer Perspektive auseinander. Sie können erklären, warum es den neutestamentlichen Autoren wichtig war, Maria als Jungfrau vorzustellen, wie patriarchale Denkmuster die Entstehung und Auslegung der Schriften geprägt hat und warum das Konzept Jungfräulichkeit früher einen hohen Stellenwert hatte, heute jedoch weniger.

Bildungswert: Zur religiösen und politischen Bildung sollte Schule eine wissenschaftlich orientierte Auseinandersetzung mit religiösen Schriften ermöglichen und so ein liberales Religionsverständnis vorstellen.[11] Denn allzu oft werden die Schriften inzwischen von extremistischen religiösen Gruppen ideologisiert, es werden bedenkliche (weil menschen- und wissenschaftsfeindliche) Theorien über den Glauben und politische Positionen entwickelt – und mit dem Etikett „schrifttreu“ als vermeintlich alternativlos begründet. Wenn jedoch religiöse Gemeinschaften biblisch begründet Evolution und Klimawandel leugnen sowie Homosexualität und Abtreibungen bekämpfen, ist das lediglich eine äußerst spezielle Interpretation, bei der die Bibel dazu benutzt wird, eine bestimmte politische Meinung zu untermauern. Doch die Bibel (und ebenso der Koran) ist viel zu widersprüchlich, um eine eindeutige politische Richtschnur sein zu können, schon gar nicht für die heutige Zeit.[12] Die jungfräuliche Schwangerschaft Marias kann eine Gelegenheit sein, mit den Schülern zu besprechen, auf welchen Grundlagen Werte- und Meinungsbildung geschehen kann (Universalismus, Menschenrechte, Wissenschaft, ...). Den Entstehungskontext der biblischen Geschichten zu kennen ist ein Puzzleteilchen, um einer fundamentalistischen Auslegung entgegenzuwirken, welche zu religiösem Extremismus führen kann.

mehr zum Thema der Jungfräulichkeit Marias

Im Stammbaum Jesu wird Josef als Vater genannt, obwohl er nicht der leibliche Vater sein soll. - Diskutiert den Kommentar der Autorin (in blauer Schrift): Was meint sie damit?

Manche Theologen frag(t)en sich, ob mit der Jungfräulichkeit vielleicht die Tatsache umgedeutet werden sollte, dass Jesus ein uneheliches Kind war. [13] Das war schon in frühchristlichen Zeiten ein Makel und wurde versucht zu vertuschen: Im Markusevangelium, dem ältesten der vier Evangelien, wird erzählt, dass Jesus eine Predigt hielt und die Anwesenden verwundert fragen: Ist er nicht der Sohn der Maria? (Markus, 6, 3). So wurde nur nach jemandem gefragt, dessen Vater unbekannt ist. Als Matthäus und Lukas diese Geschichte später bei Markus abschrieben, formulierten sie deshalb die Frage anders: Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? (Matthäus, 13, 55) bzw. Ist das nicht Josephs Sohn? (Lukas 4, 22).

Sowohl Matthäus als auch Lukas reihen Jesus in einen Stammbaum ein, in dem er über Josef als Vater bis auf Abraham (Matthäus 1, 1-17) bzw. bei Lukas sogar noch weiter und bis auf Adam und Gott zurückgeht (Lukas 3, 23–38). Die beiden Stammbäume weisen jedoch Unterschiede auf.[14]

Nachdenkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, warum diese Geschichte nie zum Wohle unehelicher Kinder bzw. ihrer Mütter gedeutet wurde ... Doch das Verständnis der Bibel war und ist stets von den Werten und Normen ihrer jeweiligen Leser und Interpreten geprägt. Jede Bibeldeutung ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Gegenwart![15]

Die biologische Unmöglichkeit der Jungfräulichkeit erkennen die Kirchen bis heute nicht an. Sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche wird die Jungfrauengeburt betont, z. B. im apostolischen Glaubensbekenntnis: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, (…). Allerdings spielt die Marienverehrung im protestantischen Glauben keine Rolle und die Jungfrauengeburt ist deshalb nur ein Wunder von vielen. In der katholischen Kirche darf die Jungfrauengeburt nicht in Frage gestellt werden.[16]

Dass Sex vor der Ehe vor allem für Frauen und nicht für Männer galt, lag am Patriarchat - die Regeln wurden von Männern für Männer gemacht.[17]

Die Jungfräulichkeitserzählung aus dem Neuen Testament wurde im Koran aufgegriffen, jedoch wird Jesus im Koran niemals Gottes Sohn genannt. Dass Jesus am Kreuz gestorben sein soll, bestreitet der Koran (Sure 4, 157). Maria ist die einzige Frau, die namentlich im Koran erwähnt wird und Sure 19 trägt ihren Namen.[18]

→ Unterrichtsmaterial zur Entstehung der Bibel (für Jhg. 8-12)

Zur Sprache: Das Verb gebären ist veraltet. (PRÄSENS: Sie gebärt einen Sohn. / PRÄTERITUM: Sie gebar einen Sohn. / PERFEKT: Sie hat einen Sohn geboren.) Heute wird das Verb i. d. R. im Passiv benutzt. (Er wurde in Bethlehem von Maria geboren.)

Literatur

  • Sabine Häcker: Wie wurde Weihnachten erfunden? - Die Bibel, die Kirche und der Geburtstag. 2025.[19]
  • Diese beiden Bücher sind die Grundlage für die religionsgeschichtlichen Unterrichtsmaterialien in Weihnachtswissen von der Autorin. Das hellblaue Büchlein ist eine für den Einsatz im Unterricht (für Jhg. 8-12) gekürzte und vereinfachte Version des roten Buches.[20]
    Sabine Häcker: Warum die Weihnachtsgeschichte uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist. 2026. [21]
  • Sabine Häcker: Die Entstehung des Islam und gemeinsame Erzählungen der Buchreligionen. Religionskundliches Unterrichtsmaterial. 2025.[22]
  • Werner Dahlheim: Die Welt zur Zeit Jesu. 2017.
  • Hans Förster: Weihnachten. Eine Spurensuche. 2003.
  • Martin Koschorke: Jesus war nie in Bethlehem. 2008.
  • Karl-Josef Kuschel: Weihnachten und der Koran. 2008.
  • Sabine Rückert und Prof. Johanna Haberer: Unter Pfarrerstöchtern. Podcast der ZEIT; Folge vom 29.12.2023: Ein Schweifkomet erscheint.
  • Carel van Schaik und Kai Michel: Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät. 2016.
  • Konrad Schmid und Jens Schröter: Die Entstehung der Bibel. 2020.

Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache: Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!

Anmerkungen

  1. Der Theologe Martin Korschorke beschreibt den Übersetzungsfehler: "Von einer Jungfrau steht übrigens nichts im ursprünglichen Jesajabuch. Der hebräische Text spricht von einer "jungen Frau". Die griechische Bibelübersetzung der Septuaginta gibt das Wort mit "Jungfrau" wieder - und verschiebt damit die Bedeutung: ein Übersetzungsschnitzer mit erheblichen bewusstseinsgeschichtlichen Folgen." (Koschorke, 2008, S. 83)
  2. Sabine Häcker ist Fachleiterin in Bremen und hat zwei Bücher zu den religiösen und kulturellen Hintergründen von Weihnachten geschrieben: https://shop.tredition.com/search/U2FiaW5lIEjDpGNrZXI= Zu ihren Intentionen: https://shop.tredition.com/author/sabine-h%C3%A4cker
  3. Das liegt am damaligen Bibelverständnis. Erst mit Beginn der Aufklärung fing man an, die Bibel wissenschaftlich zu betrachten und das Leben von Jesus als historischer Person zu erforschen.
  4. Der Engel Gabriel vom Himmel kommt gegangen/Und sagt: Maria sol das Heyl der Welt empfangen/Sie/voller Gnad und Geist/der Jungfern Zier und Kron/Soll zu bestimter Zeit geberen Gottes Sohn.
  5. Das Büchlein (https://buchshop.bod.de/warum-die-weihnachtsgeschichten-uns-lehren-dass-die-bibel-nicht-wortwoertlich-zu-nehmen-ist-sabine-haecker-9783695745876) und das Hörbuch (Gesamtlänge: 102 min) ist für den Einsatz im Unterricht konzipiert und wird ab August 2026 bei allen bekannten Streamingdiensten zu finden sein.
  6. Vgl. Förster, 2003, S. 116; Hans Förster ist Kirchenhistoriker in Wien.
  7. "Göttersöhne gab es viele im Altertum.", schreibt Koschorke, 2008, S. 64. Vgl. auch Dahlheim, 2017, S. 58. Ebenso schreiben van Schaik und Michel (2016, S. 93), dass Götter, die sich mit Menschen einlassen, bereits aus dem mesopotamischen Gilgamesch-Eos oder in vielfältiger Variante aus dem griechischen Pantheon bekannt waren. Allerdings war die Zeugung Jesu spirituell, nicht sexuell (vgl. Kuschel, 2008, S. 84).
  8. van Schaik und Michel, 2016, S. 387. Vgl. auch Koschorke, 2008, S. 83.
  9. Koranübersetzung von Max Henning. 1991. / Weitere Geschichten aus der Bibel, die im Koran vorkommen, sind zum Beispiel https://unterrichten.zum.de/wiki/Abraham/Ibrahim_in_Bibel_und_Koran oder https://unterrichten.zum.de/wiki/David_und_Goliath_in_Bibel_und_Koran.
  10. Das kann hier nachgelesen werden: Islam: Entstehung (Unterrichtsmaterial für Jhg. 5/6)
  11. Grundlage dafür ist, die heiligen Schriften im Kontext ihrer Entstehung zu sehen - das historisch-kritische Schriftverständnis (wobei "kritisch" nicht ablehnend bedeutet, sondern "mit wissenschaftlichen Methoden"). Was damit konkret gemeint ist, erklärt Sabine Häcker in ihrem Buch "Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist!", S. 59 ff. (oder im Hörbuch: ab 1:16:59 min).
  12. Vgl.: Konrad Schmid und Jens Schröter: Die Entstehung der Bibel. 2020.
  13. Vgl. Carel van Schaik und Kai Michel, 2016, S. 388.
  14. Martin Koschorke (2008, S. 44 f.) schreibt dazu: "Um einen korrekten Abstammungsnachweis Jesu bemühen sich später Lukas und Matthäus. Sie leben in einer anderen Zeit. Der Streit zwischen Juden und Chriten ist voll entbrannt. Die Vertreter des jüdischen Glaubens bezweifeln energisch, wovon die Christen sie zu überzeugen versuchen: Jesus von Nazareth ist der lang ersehnte Messias. (...) Um diese Behauptung zu untermauern, liefern uns die Autoren des Lukas- und Matthäusevangeliums einen ordentlichen Stammbaum Jesu - nur bringt jeder einen anderen. (...) Jesu Stammbäume sind Ausdruck einer gläubigen Gelehrsamkeit, die nach den Geheimnissen und dem tieferen Sinn göttlicher Planung fahndet."
  15. Vg. Häcker, 2026, S. 59 ff. (im Hörbuch: ab 1:16:59)
  16. Vgl. Häcker, 2026, S. 44. Der Professorin Uta Ranke-Heinemann wurde von der katholischen Kirche die Lehrbefugnis entzogen, als sie 1987 im Fernsehen die Jungfrauengeburt in Frage stellte.
  17. Vgl. van Schaik und Michel, 2016, S. 453.
  18. Karl-Josef Kuschel: Weihnachten und der Koran. 2008, S. 88.
  19. Sabine Häcker: Wie wurde Weihnachten erfunden? - Die Bibel, die Kirche und der Geburtstag. 2025. https://shop.tredition.com/booktitle/Wie_wurde_Weihnachten_erfunden/W-695-484-617
  20. Sabine Häcker: Warum die Weihnachtsgeschichten uns lehren, dass die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen ist! (2026). Das Büchlein (78 Seiten, 15 Abb.) kostet in gedruckter Version 7,99 und als E-Book 3,49 Euro. https://buchshop.bod.de/warum-die-weihnachtsgeschichten-uns-lehren-dass-die-bibel-nicht-wortwoertlich-zu-nehmen-ist-sabine-haecker-9783695745876 Ab August 2026 ist es auch als Hörbuch zu finden.
  21. https://buchshop.bod.de/warum-die-weihnachtsgeschichten-uns-lehren-dass-die-bibel-nicht-wortwoertlich-zu-nehmen-ist-sabine-haecker-9783695745876
  22. Sabine Häcker: Die Entstehung des Islam und gemeinsame Erzählungen der Buchreligionen. 2025. https://www.grin.com/document/1563601 (open-access-Veröffentlichung)