Spivak
Gayatri Chakravorty Spivak ist eine indisch-amerikanische Philosophin, die sich unter anderem mit Fragen der globalen Gerechtigkeit, mit Ausgrenzungen des Feminismus und mit Menschenrechten beschäftigt hat. Sie zwingt uns zu einer kritischen Haltung unsern Privilegien und unseren Perspektiven gegenüber.
Zur Person
Gayatri Chaktravorty Spivak wurde 1942 in Kalkutta geboren, 5 Jahre vor der Unabhängigkeit Indiens. Sie ist aufgewachsen in einer gebildeten Mittelschichtfamilie, besuchte eine (von englischen Missionarinnen gegründete) Mädchenschule und später das angesehene Presidency College (heute: Presidency University of Kalkotta). 1959 – im Alter von 17 Jahren – erwarb sie dort ihren Bachelor als Jahrgangsbeste in Englischer Literatur und erhielt Ehrungen in den Fächern Englische und Bengalische Literatur. Sie ging in die USA um ihren Master in Anglistik zu erwerben. Um ein Vollstipendium zu erlangen, lernte sie Französisch. 1976 übersetzte sie Derridas „Grammatologie“ ins Englische und versah es mit einem 80seitigen Vorwort, was ihr und auch Derridas Werk (und damit auch seiner Dekonstruktion) sehr viel Aufmerksamkeit in der angelsächsischen Wissenschaftscommunity verschaffte.
Sie promovierte 1974 bei Paul de Man in vergleichender Literaturwissenschaft.Sie lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten, bevor sie 1991 an die Columbia University berufen wurde. Sie hat damit den höchsten Rang amerikanischer Universitäten erreicht. In dieser Universität, bereits 1754 gegründet, ist Spivak ein der wenigen Woman of Color, der diese Ehre zu Teil wurde.
Ihr Aufsatz „can the subaltern speak?“ gilt zusammen mit Edward Saids Orientalism als Gründungsdokument postkolonialer Studien. Sie gründete außerdem eine non-profit-organisation, die qualitativ hochwertige Bildung für subalterne Kinder in Westbengalen anbietet. Darin werden ihre beiden Rollen sichtbar: sie hat großen Einfluss einerseits auf verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, andererseits auf viele Aktivist*innen weltweit. Von sich selbst spricht sie als „ethischer Philosophin“ (was im Grunde ebenfalls beide Richtungen beinhaltet). Sie erhielt zahlreiche Preise, Ehrendoktorwürden und Ehrungen – sowohl in Indien als auch in den USA.
Sie lehnt es ab, unter einer theoretischen Schule subsummiert zu werden, statt dessen bedient sie sich des Eklektizismus – sie nutzt verschiedene Denkrichtungen, denkt sie weiter, zeigt Lücken und Grenzen auf oder setzt sich sehr kritisch mit ihnen auseinander. Als Einfluss seien hier Karl Marx, Michel Foucault und Jacques Derrida genannt. Außerdem ist ihre Arbeit stark von der South Asian Subaltern Studies Group, einem Zusammenschluss indischer Historiograph*innen, inspiriert. Dabei hält sie auch eigene Widersprüche aus, sie wird als selbstkritischste Theoretikerin, die auf einem sehr hohen akademischen Niveau denkt und schreibt, wahrgenommen. Sie wird aber auch als menschlich umstrittene Person (insbesondere gegenüber ihren Studierenden) beschrieben. Aus der Doppelrolle – Theorie und Aktivismus wächst Spivaks Misstrauen gegen Reinheitsansprüche: Wir handeln immer schon verstrickt.
Globale Gerechtigkeit - Can the subaltern speak?
Spivak stellt die arbeitende Frau aus dem globalen Süden in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Aus ihrer Perspektive sollen globale Warenströme, Arbeitsbedingungen, Machtpositionen.
Zur Begründung, Fragen zum Text und in Auszügen verwendbare Texte --> Can the subaltern speak?
Feminismus
- Lies den Text zu Gayatri Spivak.
- Fasse Spivaks Kritik am Feminismus des Nordens in eigenen Worten zusammen.
- Erläutere, was sie mit "Komplizenschaft" meint. Nenne konkrete Beispiele.
- Erarbeitet zu zweit Kriterien für mögliche Auswege.
- Textgrundlage nach Gayatri Spivak
Gesprächsimpulse
- Lies alle Gesprächsimpulse, die im Raum verteilt sind.
- Stelle dich dann zu einem der Blätter, über das du gern sprechen möchtest.
- Diskutiere mit anderen, die dort stehen.
- Wiederhole 2 und 3 mehrfach.
- Besprecht im Plenum: welche Aspekte / Fragen waren neu, interessant, perspektivwechselnd? Welche weiteren Gedanken willst du zu den Themen noch ansprechen?
- „Wir müssen daher stets skrupellos wachsam sein gegenüber unserer eigenen Komplizenschaft.“
- Selbstverständlich ist die Armutsbekämpfung notwendig. Sie stellt jedoch weder Gerechtigkeit noch Gleichheit her. Spivak, 2008
- Talkshow ohne Betroffene
- Wer sitzt am Tisch – wer fehlt?
- Wo passiert Darstellung (über) statt Vertretung (für)?
- Welche Kompetenz gilt als „expertig“ – Erfahrungswissen auch?
- Leitartikel über eine „Krise“.
- Wer wird zitiert, wer paraphrasiert, wer gar nicht erwähnt?
- Welche Wörter rahmen das Thema (z.B. „Welle“, „Flut“)? Was bewirken sie?
- Foto und Bildunterschrift
- Wer macht das Foto, wer ist Objekt des Blicks?
- Welche Alternativ-Perspektive wäre möglich?
- Klassiker neu lesen
- In Ihrem Lieblingsklassiker: Wer ermöglicht wessen Emanzipation?
- Welche Figur bleibt stumm – warum?
- Leselisten und Lehrpläne
- Wer steht drauf – wer nicht? Ist die Erweiterung substantiv oder symbolisch?
- Wo hilft „strategischer Essentialismus“ – wo wird er Alibi?
- Adaptationen
- Wenn ein Stoff neu verfilmt wird: Wer entscheidet über Perspektive und Besetzung?
- Welche Stimmen beraten – oder eben nicht?
- Prüfsteine für Texte
- Wer spricht?
- Für wen wird gesprochen?
- Wer bleibt ungehört?
- Stadtplan und Straßennamen
- Welche Namen ehren wen – und wessen Geschichte fehlt im Stadtbild?
- Wie könnte Beteiligung von Betroffenen aussehen?
- Bürgerversammlung, Stadtrat
- Uhrzeit, Sprache, Ort: Wer kann realistisch teilnehmen – wer nicht?
- Welche Übersetzungen (sprachlich/kulturell) wären nötig?
- Paraphrasieren vor Antworten
- Probieren Sie es aus: Erst wiedergeben („Ich höre …“), dann reagieren.
- Was ändert sich in der Dynamik?
- Wer erzählt? Wer fragt?
- Wer stellt im Gespräch die Fragen? Wer erzählt seine Geschichte?
- Was passiert, wenn wir die Rollen tauschen?
- Schweigen dechiffrieren
- Ist Schweigen hier Zustimmung, Schutz, Protest – oder Ausschluss?
- Welche Bedingungen bräuchte es, damit Sprechen möglich wird?
- Humor und Ironie
- Auf wessen Kosten gehen Witze/Anspielungen?
- Welche Themen werden damit entpolitisiert?
- Tempo und Geduld
- Wer bestimmt das Tempo des Gesprächs?
- Was ermöglicht langsames Zuhören?
