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Was sagt der Koran zum Thema Homosexualität?

Aus ZUM-Unterrichten
Homosexualität ist auch in muslimischen Gemeinschaften ein viel diskutiertes Thema. Manche Muslime lehnen gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität ab und berufen sich auf den Koran, andere Muslime widersprechen und berufen sich ebenfalls auf den Koran. Letztere Position wird in diesem Unterrichtsmaterial vorgestellt. (Die Abbildung ist nicht historisch, sondern wurde mit KI generiert - sie ist also keine Quelle, sondern Dekoration.)

FRAGE: Was sagt der Koran nach historischer Auslegung zum Thema Homosexualität?

Es gibt einige Verse im Koran sowie Hadithe[1], die traditionell als klare Ablehnung von Homosexualität verstanden werden. Doch sind die Quellen wirklich so eindeutig?

▶ Wie versteht die islamische Theologie, die dem Ansatz der historischen Deutung folgt, den Koran in Bezug auf Homosexualität?

Die Ausführungen in diesem religionskundlichem Lernpfad stützen sich auf die Hermeneutik, die z. B. Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (Universität Münster) und Prof. Dr. Ali Ghandour (Universität Hamburg) vertreten.

ARBEITSBLATT: Fasse die Informationen, die du in diesem Lernpfad erhälst, in einer Mindmap zusammen!
  • Hinweis: Zum Verständnis der Geschichte von Lot[2] und den Lebensverhältnissen in der damaligen Zeit kann es hilfreich sein, zuvor Was sagt die Bibel zum Thema Homosexualität? im Unterricht zu behandeln.
  • Info: Der Koran wurde nach islamischem Glauben von Gott durch den Engel Gabriel über einen Zeitraum von 23 Jahren (610-632 n. Chr.) auf den Propheten Mohammed hinabgesandt. Mohammed wurde 570 n. Chr. geboren. Er lebte bis 622 n. Chr. in Mekka und dann in Medina. Im Jahr 632 n. Chr. starb er.[3] Der Koran wurde stückweise offenbart.[4] Aufgeschrieben wurde der Koran erst nach dem Tod des Propheten. Die Suren im Koran sind nicht thematisch oder chronologisch, sondern der Länge nach geordnet. Der Islam versteht sich als Teil einer längeren Geschichte, und auch die Botschaften früherer Propheten, wie Mose oder Jesus, gehören zur Tradition.[5] Im Koran werden viele Erzählungen und Gestalten aus der jüdischen und christlichen Bibel aufgegriffen.
  • Zur Einordnung: Eine Ablehnung von Homosexualität aufgrund religiöser Schriften ist eine religiös begründete Bewertung. Inwieweit ein Mensch in religiösen Kategorien denken und sich nach ihnen richten möchte, kann und muss jede/r allein für sich selbst und das eigene Leben entscheiden. Die Frage, ob Homosexualität von anderen, also in unserer Gesellschaft erlaubt ist, ist hingegen eine juristische - und dafür ist nicht der Koran, sondern das Grundgesetz maßgeblich. Im Grundgesetz gilt der Grundsatz der sexuellen Freiheit: Wenn sexuelle Handlungen einvernehmlich und unter Erwachsenen geschehen, gelten sie als Privatsache. (Artikel 1, Absatz 1 im Grundgesetz besagt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dazu gehört der Schutz des ganz persönlichen und privaten Lebens, einschließlich Liebe und Sexualität. Artikel 2, Absatz 1 im Grundgesetz schützt die freie Entfaltung der Persönlichkeit: Jeder Mensch darf sein Leben so leben, wie er möchte - solange er die Rechte anderer nicht verletzt.)

Aufgabe

→ Erstelle eine Mindmap mit der Frage der Stunde oder verwende das eingestellte Arbeitsblatt. Im Folgenden bekommst du verschiedene Informationen zum Koran und seiner Auslegung. Erarbeite dir diese Informationen und notiere sie zusammengefasst in deiner Mindmap, so dass du am Ende eine gute Übersicht hast und die Frage beantworten kannst![6]

Wie ist der Koran zu verstehen?

Historische oder ahistorische Deutung?

Die islamische Theologie unterscheidet zwischen einem historischen und ahistorischen Verständnis des Korans.

▶ Ein ahistorisches (d. h. ein der eigenen Geschichte nicht bewusstes) Verstehen des Islam nimmt den Koran wörtlich. Dieses Verständnis findet man z. B. im Salafismus. Salafisten "sehen in der Gesellschaftsordnung von Medina des siebten Jahrhunderts (als der Prophet Mohammed dort lebte und wirkte; d. V.) eine ahistorische Gesellschaftsordnung, die die Menschheit überall und zu jeder Zeit anstreben soll."[7] Das ahistorische Verständnis geht davon aus, dass das, was zu Zeiten des Propheten Mohammed galt, unverändert für alle Zeiten gelten soll.

▶ Das historische Verständnis geht davon aus, dass der Koran - und insbesondere seine Gesetze - im Kontext der damaligen Zeit verstanden werden muss. Das soll im folgenden erläutert werden:

Der Prophet Mohammed hatte im Laufe seines Leben verschiedene Rollen. Zunächst, in Mekka, wirkte er als Gesandter. Später, in Medina, wurde er beauftragt, eine Gemeinschaft zu gründen und zu leiten.

  • Als Gesandter in Mekka verkündete er eine Botschaft. Er verkündete den Monotheismus und allgemeine Prinzipien wie Gerechtigkeit, Unantastbarkeit der menschlichen Würde, Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie die Verantwortung gegenüber den Mitmenschen.
  • Als Leiter der Gemeinschaft in Medina (ab 622 n. Chr.) war er bemüht, ein Rechtssystem einzuführen und die verkündeten Prinzipien umzusetzen.[8]

Die historische Sichtweise auf den Koran geht davon aus, dass die allgemeinen Prinzipen zur Vervollkommnung des Menschen, die Mohammed als Gesandter verkündete, für alle Menschen und alle Zeiten gelten - doch die Umsetzung dieser Prinzipien als Gesetze müsse auf die heutige Zeit übertragen werden.[9]

Das heißt, um den Koran zu verstehen, muss man erkennen, welche ethischen (moralischen) Prinzipien in ihm verborgen sind. Dazu entwickelte die islamische Theologie folgendes Vorgehen: Im 1. Schritt untersucht man eine Aussage des Korans daraufhin, wie die Gefährten des Propheten (die Erstadressaten) sie verstanden haben. (Weshalb wurde sie verkündet? Was war das Problem, was brachte die Neuerung? etc.) Dann können als 2. Schritt die darin enthaltenen allgemeinen ethischen Prinzipien abgeleitet werden. Und diese werden dann im 3. Schritt auf die heutige Situation angewendet.[10]

Ein Beispiel, wie diese Lesart die Haltung verändert, ist das Thema Sklaven. Der Koran setzt - wie in der Zeit seiner Entstehung üblich - die Sklaverei als selbstverständlich voraus.[11] An mehreren Stellen im Koran werden Sklaven erwähnt.[12] Nach ahistorischer Deutung bedeutet das, dass Sklavenhaltung normal ist - und sie war im islamischen Recht lange erlaubt. Doch es gibt auch Sure 24:33, in der die Gläubigen aufgefordert werden, ihren Sklaven eine Freilassungsurkunde auszustellen, wenn diese das möchten. Die historische Deutung fragt sich: Wie hat diese Aussage auf die Menschen, die Sklaven hatten, damals gewirkt und welche Veränderung sollte diese Offenbarung bewirken? Welches allgemeingültige Prinzip lässt sich daraus ableiten? Und was bedeutet das für das heutige Leben? Als Ergebnis wurde die Frage der Sklaverei neu bewertet und die meisten Muslime lehnen Sklaverei heute ab.[13]

Auch der Koran selbst fordert zum Nachdenken über seine Inhalte auf: "Wollen sie denn nicht den Koran studieren, oder sind vor ihren Herzen Schlösser?" (Sure 47:24)[14]

Wenn es um die Frage geht, ob im Islam Homosexualität erlaubt oder verboten sei, wird häufig auf die Verse mit den Ermahnungen des Propheten Lot verwiesen.

(Weibliche gleichgeschlechtliche Sexualität wird übrigens im Koran mit keinem Wort erwähnt.[15] )

Lot ermahnt sein Volk

Im Koran ist zu lesen:

◆ Und Lot entsandten Wir, da er zu seinem Volke sprach: "Wollt ihr Schandbarkeiten begehen, wie keins der Geschöpfe sie zuvor beging? Wahrlich, ihr kommt zu den Männern im Gelüst anstatt zu den Weibern! Ja, ihr seid ein ausschweifend Volk!" (Sure 7, Vers 80+81)

◆ (Lot sprach:) "Geht ihr zu den Männern aller Welt und lasset dahinten, was euch euer Herr an Weibern erschaffen? Ja, ihr seid ein übertretend Volk" (Sure 26, Vers 165+166)

◆ Und gedenke Lots, da er zu seinem Volke sprach: "Tretet ihr an die Schandbarkeit mit sehenden Augen heran? Ist's, dass ihr euch in Lüsten den Männern naht anstatt der Weiber? Ja, ihr seid ein töricht Volk." Und die Antwort seines Volkes war nur die, dass sie sprachen: "Vertreibt Lots Familie aus eurer Stadt; siehe, es sind Leute, die sich für rein halten." Und Wir retteten ihn und sein Volk mit Ausnahme seiner Frau[16] (...)." (Sure 27, Vers 54-57)

◆ Und Lot entsandten Wir, da er zu seinem Volke sprach: "Siehe, ihr begeht Schandbares, in dem euch niemand von aller Welt zuvorkam. Ist's, dass ihr euch Männern naht und auf dem Wege lauert und in eurer Versammlung Abscheuliches treibt?" (Sure 29, Vers 28+29)

◆ (Lot sprach:) "(...) und bringt nicht Schande über mich vor meinen Gästen. (...)." (Sure 11, Vers 78)
Wer ist Lot? Was erzählt die Bibel über Lot?[17]


(1. Mose 19,4-7 + 9-11)[18]

Lot ermahnt sein Volk - historische Auslegung

Prof. Dr. Mouhanad Korchide schreibt: "Die Geschichte Lots im Koran handelt nicht von Homosexualität im modernen Sinn. Sie kennt weder eine Kategorie sexueller Identität noch eine Beschreibung gleichgeschlechtlicher, wechselseitiger, verantwortlicher Beziehungen. Es gibt in der Erzählung keine Liebe, keine Intimität, keine Partnerschaft, keine Ethik gegenseitiger Bindung zwischen Männern. Was der Koran beschreibt, ist etwas anderes: eine entgrenzte, gewaltförmige Männlichkeit. Die Männer des Volkes Lots treten nicht als Liebende auf, sondern als kollektiv organisierte Gruppe, die ihre Macht sexualisiert. Sie bedrängen Gäste, verletzen das Gastrecht, überschreiten systematisch soziale und moralische Grenzen und versuchen, Lot selbst öffentlich zu demütigen. Sexualität wird hier nicht als Beziehung inszeniert, sondern als Instrument der Erniedrigung. Der Kontext macht dies unübersehbar. (...) Es geht um Gewalt, um soziale Enthemmung, um kollektive Grenzüberschreitung. Die Erzählung kritisiert ein Millieu, in dem Macht, Sexualität und Erniedrigung miteinander verschränkt sind."[19]

Prof. Dr. Ali Ghandour meint ebenfalls: In der Geschichte von Lot geht es nicht um Homosexualität, denn es geht nicht um Einvernehmlichkeit und nicht um Liebe und Beziehung, sondern um einen Mob[20], der Reisende überfallen und Gäste vergewaltigen will. Es geht um Gewalt. Wer daraus ein Verbot von Homosexualität ableitet, vergleicht diese gewaltbereiten Menschen mit Menschen, die niemandem etwas tun.

"Bringt keine Schande über mich vor meinen Gästen!" (Sure 11:78) zeigt, dass Lot nicht über Sexualethik sprach, sondern seine Gäste beschützen wollte. Die Verse sind ein Vorwurf an Gewalttätige, die sich an Wehrlosen vergreifen wollten.[21]

Der Vers "Wollt ihr Schandbarkeiten begehen, wie keins der Geschöpfe sie zuvor beging?" (Sure 7:80), so schreibt Ali Ghandour, kann weder von Geschlechtsverkehr zwischen Männern noch von Homosexualität handeln, denn "zuvor" bezieht sich auf die gesamte Menschheitsgeschichte - und das ist nicht haltbar. "Homosexualität ist keine kulturelle Erfindung und keine frei gewählte Entscheidung. (...) Als menschliche Veranlagung ist sie so alt wie der Mensch selbst. Es gibt keine Epoche, in der sie nicht vorkam. (...) Es ging (in der Geschichte von Lot; d. V.) um die Erniedrigung wehrloser Menschen. Und das ist die Abscheulichkeit, die vor ihnen niemand auf diese Weise beging."[22]

→ Analysiert selbst die Ermahnungen von Lot nach den oben beschriebenen 3 Schritten:[23]

  1. Wie haben die Gefährten des Propheten im Arabien des 7. Jahrhunderts diese Verse vermutlich verstanden?
  2. Welche darin enthaltenen allgemeinen ethischen (moralischen) Prinzipien können abgeleitet werden?
  3. Was bedeuten diese Prinzipien für die Gegenwart?

→ Könnt ihr die Auslegung der Theologen nachvollziehen? Diskutiert und begründet!

Ist gleichgeschlechtliche Liebe ein "Import"?

Wie im Alten Griechenland (aus dieser Epoche stammt diese Schale[24]) war es auch in den islamischen Kulturen rund um das Mittelmeer und im Nahen Osten üblich, dass ein älterer (verheirateter) Mann einen Jüngling als Geliebten hatte.[25] Status und Macht machten es möglich. Als Widerspruch wurde das nicht gesehen, denn es wurde damals nicht in Konzepten von Hetero- und Homosexualität gedacht.

Homosexualität wird manchmal als "westlich" bezeichnet. Ali Ghandour widerspricht und zeigt auf, dass sie über Jahrhunderte Teil der muslimischen Geschichte war: Sechs muslimische schwule Liebespaare[26] Man sprach allerdings nicht von "Homosexualität" und hatte einen weniger engen Blick darauf als heute:

Prof. Dr. Thomas Bauer (Universität Münster) schreibt, dass das Konzept von Homo- und Heterosexualität Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa entstand und es erst seit dieser Zeit eine Identität im Sinne von "Ich bin heterosexuell." bzw. "Ich bin homosexuell." gibt.[27] Zuvor war Liebe und Sexualität fließend und nicht eindeutig, und in den antik-islamischen Vorstellungen galten sowohl junge Frauen als auch junge Männer als anziehend. Es erschien Männern natürlich, sich sowohl in "Mädchen als auch (...) Jünglinge zu verlieben" und es war auch "nicht verboten, auf junge Männer Liebesgedichte zu verfassen" und "Zärtlichkeiten auszutauschen".[28] Nach islamischen Recht war der Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht seine Ehefrau oder Sklavin war, sowie zwischen zwei Männern zwar verboten - gleichzeitig musste die Tat für eine rechtliche Verurteilung jedoch von vier Zeugen beobachtet worden sein. Und das kam einer Tolerierung gleich, denn es machte die Durchsetzung des Verbots praktisch unmöglich.[29] [30]

Ergebnis und ANTWORT

Was sagt der Koran - nach historischer Auslegung - zum Thema Homosexualität?

→ Du hast nun in deiner Mindmap viele Informationen zusammen getragen. Beantworte jetzt zusammenfassend die Frage der Stunde! (In welcher Form das geschehen soll, muss mit deinem Lehrer abgesprochen werden.)

Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer

Begründung und Bildungswert des Themas

Die traditionellen, konservativen (und ablehnenden) religiösen Perspektiven auf das Thema Homosexualität werden in diesem Material nicht vorgestellt, weil sie in der Regel bekannt sind und vielfach kommuniziert werden. Beispielsweise vertritt der Vorsitzende des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland e. V., Burhan Kesici: "Der Islam akzeptiert Homosexualität nicht."[31] Solche Positionen sind auf der Grundlage des Grundgesetzes der BRD und der Menschenrechte sowie vor dem Hintergrund von islamistischen Anschlägen wie Ende Juli 2026 auf den CSD in Berlin jedoch problematisch.

Prävention von religiösem Extremismus muss neben der personalen und sozialen Ebene[32] auch die theologische Ebene (religionskundliches Wissen, Reflexion von Werten und Haltungen uvm.) umfassen. Jede/r Schüler/in sollte unterschiedliche theologische Perspektiven und Optionen kennenlernen. Auch M. Korchide begründet die Notwendigkeit, die theologische Ebene in die Präventionsarbeit aufzunehmen: "Religiöse Begriffe werden so ausgelegt, dass sie bestehende Machtverhältnisse stabilisieren, statt sie zu hinterfragen. Gerade das macht die Sache schwierig. Wer hier widerspricht, widerspricht nicht nur einer sozialen Norm, sondern scheinbar auch einer religiösen Ordnung. Und genau deshalb reicht es nicht aus, dieses Problem nur sozial oder psychologisch zu behandeln." [33]

Literatur & mehr

  • Bauer, Thomas: Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams. Berlin 2021.[34]
  • Ghandour, Ali: Liebe, Sex und Allah: Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime. 2019.
  • Ghandour, Ali: https://diesseitig.de/ und https://www.instagram.com/diesseitig.de/
  • Häcker, Sabine: Die Entstehung des Islam und gemeinsame Erzählungen der Buchreligionen. Religionskundliches Unterrichtsmaterial für Klasse 5/6. München 2025 (open access).
  • Khorchide, Mouhanad: Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion. Freiburg im Breisgau 2012.
  • Khorchide, Mouhanad: Jenseits der Härte. Warum der Koran keine Machos kennt. Freiburg im Breisgau 2026.
  • Koran. Übersetzung von Max Henning. Stuttgart 1991.

WEITERE UNTERRICHTSMATERIALIEN, die verdeutlichen, dass sowohl die Bibel als auch der Koran im jeweiligen geschichtlichen Kontext verstanden werden sollten:

Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache

Es wird zumeist die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische "Geschlecht" von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen! Mehr dazu: Das Dilemma des Sprachgerechtigkeitswunsches.

Anmerkungen

  1. ↑ Ein Hadith (arabisch für Bericht oder Gespräch) bezeichnet im Islam eine überlieferte Nachricht über die Aussprüche, Handlungen und stillschweigenden Billigungen des Propheten Mohammed. Nach dem Koran bilden die Hadithe die zweitwichtigste religiöse Grundlage für die Muslime. Ein einzelner Hadith setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Isnа̄d (die Überlieferungskette, die lückenlos aufzeigen soll, wer die Informationen weitergegeben hat) und Matn (der eigentliche Inhalt der Überlieferung).
  2. ↑ Auch die Erstadressaten des Korans - die Menschen, zu denen der Prophet Mohammed sprach - kannten die biblische Geschichte von Lot, zumindest in Ansätzen.
  3. ↑ Vgl. Häcker, 2025, S. 5-17. Die für Kinder geschriebene Biografie des Propheten schildert mit einfachen Worten das Leben Mohammeds und die Entstehung des Islam.
  4. ↑ Khorchide, 2012, S. 159.
  5. ↑ Ghandour (02.12.2025): https://diesseitig.de/texte/das-alte-testament-in-muslimischen-quellen/ Sure 3, 84 verdeutlicht das: Sag: Wir glauben an Gott, an das, was auf uns, auf Abraham, Isamel, Isaak, Jakob und die Stämme herabgesandt und was Mose, Jesus und den Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Wir sind ihm (Gott) ergeben.
  6. ↑ Hinweis zum methodischen Vorgehen: Dieses Unterrichtsmaterial kann gemeinsam in der Klasse, aber auch eigenverantwortlich in Gruppen-, Partner- oder Einzelarbeit erarbeitet werden.
  7. ↑ Khorchide, 2012, S. 123. Der Verfassungsschutz Bremen beschreibt 2025 wie folgt: "Salafist:innen (...) idealisieren die frühislamische Zeit. Die Anhänger:innen dieser Ideologie sind der Überzeugung, dass Probleme der Gegenwart durch die Rückbesinnung auf den vermeintlich 'wahren ur-Islam' gelöst werden können. Anpassungen der Islamauslegung an veränderte gesellschaftliche und politische Gegebenheiten werden als 'unislamisch' kategorisch abgelehnt und führen – so die salafistische Vorstellung – zwangsläufig zum 'Unglauben'." Aus: https://www.verfassungsschutz.bremen.de/sixcms/media.php/13/Verfassungsschutzbericht_2025_bf_V2.pdf, S. 141.
  8. ↑ Korchide, 2012, S. 129 ff. Ebenda S. 134 f.: "Die Aufgabe des Gesandten ist nur zu verkünden, keineswegs jedoch, die Menschen dazu zu zwingen, sie anzunehmen: Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Gott, doch wer ihm den Rücken kehrt, so ist es seine Sache (Sure 4:80), denn der Gesandte hat lediglich zu verkünden (Sure 5:99). Mohammed als Staatsoberhaupt (...) handelte (...) nicht als Gesandter. Der Koran sagt nichts darüber, ob man Mohammed als Staatsoberhaupt gehorchen müsse, denn dies ist eine rein irdische Angelegenheit, die die Menschen untereinander ausmachen müssen."
  9. ↑ Khorchide, 2012, S. 148. Beispielsweise "diente die soziale Pflichtabgabe damals der Umverteilung in der Gesellschaft und war auch die Haupteinnahmequelle des Staates in Medina. Dies ist auch die Funktion der Steuern im modernen Staat. Daher diskutieren muslimische Gelehrte heute darüber, ob in den Ländern, in denen (...) Steuern erhoben werden, diese nicht für die Muslime zugleich als Erfüllung der sozialen Pflichtabgabe (zakat) gelten sollen (ebd., S. 149).
  10. ↑ Dieses dreistufige Modell geht auf die Ankaraner Schule und den pakistanischen Denker Fazlur Rahman (1911-1988) zurück. Es kann bei Versen angewandt werden, die juristische Fragen behandeln - nicht jedoch z. B. bei Fragen zum Gottesbild. Vgl. Khorchide 2012, S. 163 ff.
  11. ↑ Zum Stellenwert der Sklaverei in der Geschichte des Islam gibt der Wikipedia-Artikel einen guten Überblick: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam
  12. ↑ Z. B. in Sure 70:30.
  13. ↑ Vgl. Ghandour am 28.07.2026 auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DbWiUtPDQ39/?img_index=1.
  14. ↑ Khorchide, 2026, S. 121.
  15. ↑ Ghandour auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DbfTxFjjScp/?img_index=6 (01.08.2026)
  16. ↑ In der Bibel wird erzählt, dass Lots Frau zur Salzsäule erstarrte - sie hatte hinter sich geschaut, obwohl Gott es verboten hatte (1. Mose 19, 17 und 26).
  17. ↑ Die Bibel wird hier zitiert, um Lot einzuordnen und vorzustellen. Der Koran bezieht sich häufig auf biblische Figuren und Erzählungen - dennoch gibt es Unterschiede und sie sind nicht 1:1 übertragbar.
  18. ↑ Der in der Mitte ausgelassene Vers ist 1. Mose 19,8: Lot (...) sprach: "Ach liebe Brüder, tut nicht so übel! Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich euch herausgeben, und dann tut mit ihnen, was euch gefällt; aber diesen Männern tut nichts, denn darum sind sie unter den Schatten meines Dachs gekommen. Thorsten Dietz kommentiert diese Stelle in seinem Vortrag mit diesen Worten: "Und dann sagt Lot: 'Ich habe noch zwei Töchter, die sind Jungfrauen, die könnt ihr haben.' Das ist ja auch auch sehr komisch, sehr, sehr komisch. Also jeder Vater, der nicht weiß, dass er in so einer Situation bloß einen Job hat, nämlich zu sagen: 'Nur über meine Leiche', ist aus heutiger Sicht ein ganz komischer Vater." (Dietz, Thorsten (Hrsg.: Worthaus): Homosexualität und die Bibel. Am 27.03.2022 in https://worthaus.org/mediathek/homosexualitaet-und-die-bibel-12-4-1/ 2022, S. 5. Aus: https://unterrichten.zum.de/wiki/Religionswissen/Was_sagt_die_Bibel_zum_Thema_Homosexualit%C3%A4t%3F; Übersetzung: Lutherbibel (https://www.bibleserver.com/LUT/1.Mose19%2C4-5.) Ghandour ergänzt, dass dies im Koran anders und unkonkreter formuliert wird, es wird nur allgemeiner von Töchtern gesprochen. Die klassischen islamischen Kommentare kennen zwei Deutungen, was mit "Töchtern" (Sure 11:78 sowie 15:71) gemeint sei: Entweder Lots leibliche Töchter oder die Frauen seines Volkes (denn jeder Prophet versteht sich als Vater seiner Gemeinschaft). "Nach dieser zweiten Deutung forderte Lot sie auf, sich mit ihren eigenen Frauen zu begnügen. (...) Lot bot Frauen an. Das ergibt nur Sinn, wenn er davon ausgeht, dass Frauen für diese Männer eine echte Möglichkeit sind. Ein Angebot, von dem man weiß, dass es niemanden interessiert, macht niemand. Wenn man sagt, hier gehe es um Homosexualität, dann müsste man sagen: Er wusste eben nicht, dass Begehren keine Entscheidung ist. Dann stand ein Prophet vor einer Gruppe homosexueller Männer und bot ihnen Frauen an. Dann hatte ein Prophet Gottes keine Vorstellung davon, wie das Begehren der Menschen funktioniert, mit denen er gerade sprach. Das ist ein schwerwiegender Vorwurf gegen einen Propheten. (...) Heute ist aus der Genetik, der Neurobiologie, der Entwicklungspsychologie und anderen Wissenschaften gut belegt, dass sexuelle Orientierung keine frei gewählte Entscheidung ist. (...) Liest man Homosexualität in diese Geschichte hinein, bleiben nur drei Möglichkeiten: Entweder wusste der Prophet nicht, was heute gut erforscht ist. Oder Gott selbst wüsste es nicht, erhaben ist Er darüber. Oder der Vers handelt gar nicht von Homosexualität." Ghandour auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DbsPO3pDbBo/?img_index=1 (06.08.2026)
  19. ↑ Khorchide, 2026, S. 110 f.
  20. ↑ Mob bezeichnet eine unkontrollierte und oft gewalttätige Menschenmenge, die sich zu einem bestimmten Zweck zusammengefunden hat, oft mit der Absicht, Unruhe zu stiften oder Schaden anzurichten (sowohl als chaotische Gruppe als auch als organisierte Kriminalität) https://www.wortbedeutung.info/Mob/.
  21. ↑ Ghandour (13.08.2026) https://diesseitig.de/predigten/gaylaxien/ und Ghandour auf Instagram https://www.instagram.com/p/DbfTxFjjScp/?img_index=6 (01.08.2026) Er ergänzt, dass im Koran z. B. auch Sabbatbrecher bestraft werden sollen (Sure 2:65), und trotzdem niemand daraus ein Gesetz für Muslime macht (ebd.).
  22. ↑ Ghandour am Instagram: https://www.instagram.com/p/Dbm-bwNDcND/?img_index=1 (04.08.2026)
  23. ↑ Es handelt sich hier, das ist der Autorin bewusst, um eine starke didaktische Reduzierung einer komplexen theologischen Angelegenheit. Doch sie bietet sich an, damit Schülerinnen und Schüler sich in die historische Lesart hineindenken können - und das ist das Thema und Ziel dieser Unterrichtssequenz.
  24. ↑ "Knabenliebe" im Alten Griechenland: Ein Junge und ein Mann beim Vorspiel zum Liebesakt. Wikimedia: CC BY-SA 4.0. Dieses Bild ist ein Ausschnitt, das komplette Vasenbild ist hier zu sehen: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Type_B_cup%2C_AM_Oxford%2C_Inv.Nr._1967.304#/media/File:Brygos_Painter_-_ARV_378_137_-_man_courting_youth_-_Oxford_AM_1967-304_-_02.jpg Der Junge hält eine Tasche gefüllt mit Nüssen, wohl ein Werbungsgeschenk des Mannes. An der Wand ein Schwamm. Etwa 470 v. Chr.; Ashmolean Museum, Oxford. Der Link zum Museum: https://www.ashmolean.org/collections-online#/item/ash-object-386788
  25. ↑ Bauer, 2021, S. 287.
  26. ↑ Ghandour auf Istagram: https://www.instagram.com/p/DbaR4o5DTpT/?img_index=1 (30.07.2026) Vgl. dazu auch Ghandours Buch "Liebe, Sex und Allah: Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime."
  27. ↑ Bauer, 2021, S. 276. Der Begriff Homosexualität entstand 1864, der Begriff Heterosexualität 1880. (Bauer, 2021, S. 421; er bezieht sich auf Rüdiger Lautmann (Hrsg.): Homosexualität. Handbuch der Theorie- und Froschungsgeschichte, 1993.).
  28. ↑ Bauer, 2021, S. 290.
  29. ↑ Bauer, 2021, S. 280.
  30. ↑ Große Bedeutung zwischen dem 8. und dem 19. Jahrhundert hatte die Liebesdichtung (Bauer, 2021, S. 285). In der islamischen Welt wurden Tausende von Liebesgedichten auf Arabisch, Persisch, Urdu und anderen Sprachen geschrieben. Ein Teil davon richtet sich nicht an Frauen, sondern an Männer (vgl. Bauer, 2021, S. 286 f.). "Heute erscheint es vielen Muslimen als schwer erträglich, dass etwa der größte Hadithgelehrte der nachformativen Epoche, Ibn Hadjar al-Asqalānῑ, homoerotische Verse gedichtet hat. Ibn Hadjar selbst hätte solche eine Ablehnung seiner Lebensweise überhaupt nicht verstanden. Ihm erschien es - wie generell im vorkolonialen Nahen Osten - als selbstverständlich, dass schöne junge Männer begehrenswert sind und dass ein Mann sich ebenso in junge Männer wie in junge Frauen verlieben kann." (Bauer, 2021, S. 286 f.) Knifflig wurde es, wenn der Jüngling einen Bart bekam, denn diese Beziehungen waren von einer Hierarchie geprägt: Der ältere, überlegende Mann war der Liebende, der Jüngling war in der Rolle des Geliebten. Mit dem Bartwuchs wurde der Jüngling ein Mann, und eigentlich "müsste die Liebesbeziehung jetzt beendet werden (...). Weil solche Liebesbeziehungen aber tief emotional waren, ist dies leichter gesagt als getan." (Bauer, 2021, S. 288). Aus diesem Dilemma entstand die Gedichtesorte Bartwuchsepigramm. Ein Beispiel: "Sie sagten, als sie sahen, wen ich liebe: Dass ihm der Bart wächst, will's dich nicht verdrießen? Sie sind ja blind! Wenn sie die Sache recht besäh'n, wie schnell sie ihren Tadel ließen! Denn wer in kahler Gegend Heimat fand, der zieht nicht fort, wenn Frühlingsblumen sprießen!" Hier wird der Bartwuchs mit Pflanzenwuchs gleichgesetzt, und Blumen gelten als gut, also ist auch der Bart gut (Bauer, 2021, S. 289). Auch von den Bartwuchsepigrammen entstanden in den 1000 Jahren zwischen 800 und 1800 Tausende, und das zeigt, so meint Bauer, dass es sich um ein Alltagsphänomen handelte (Bauer, 2021, S. 289 f.).
  31. ↑ Dlf Archiv: Burhan Kesici (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Burhan_Kesici ) im Gespräch mit Tobias Armbrüster am 18.04.2016 ( https://www.deutschlandfunk.de/islamrats-vorsitzender-der-islam-ist-selbstverstaendlich-100.html ), diese Position hat Kesici in den vergangenen Jahren wiederholt bekräftigt. Die Haltung der IGMG- und DITIB-Moscheen beschrieb Murat Kaymann (2014-2017 Justiziar beim DITIB-Bundesverband, heute ein Kritiker der Islamverbände) in seinem blog: "Ich habe in all den Jahren in muslimischen Strukturen kein einziges Mal erlebt, dass eine Gemeinde oder ein Dachverband von sich aus, ohne äußeren Anlass, über diese Frage (der Homosexualität; d. V.) gesprochen hätte. Queere Muslime werden in ihren Gemeinden nur unter der stillschweigenden Bedingung geduldet, dass sie unsichtbar bleiben." Am Freitag nach dem Anschlag auf dem CDS in Berlin, so Kayman, gab es in den zentral erstellten Freitagspredigten der IGMG- und DITIB-Moscheen kein einziges Wort dazu. Die Erklärung der DITIB vom 27.07., in der der Anschlag verurteilt wurde, wurde nur auf deutsch verfasst. Auf Türkisch, der Arbeitssprache des Verbandes, wurde sie (jedenfalls bis zum Veröffentlichen des blogs am 01.08.2026) nicht veröffentlicht (vgl. Murat Kayman: Doppelte Botschaften – Über den Irrtum, der unsere Debatten bestimmt. https://murat-kayman.de/2026/08/01/doppelte-botschaften-ueber-den-irrtum-der-unsere-debatten-bestimmt/). Weitere Beispiele für die extreme Ablehnung von Homosexualität sind Salafisten, die die Todesstrafe fordern (vgl.: SPIEGEL am 26.07.2026: https://www.instagram.com/p/DbQIBKLjs3Q/?img_index=1 ; oder Pierre Vogel und Dr. Bilal Philips in: https://www.youtube.com/watch?v=VyGjp0Mu53w ). Als ein weiteres Beispiel für muslimische Extremisten, die Homosexualtät, Gleichberechtigung, Demokratie und vieles mehr ablehnen, sei die Muslimbrüderschaft genannt, die auch in Deutschland aktiv ist (vgl. Michael Kreutz: Die Muslimbruderschaft. Am 19.02.2019 in: https://www.bpb.de/themen/islamismus/dossier-islamismus/286322/die-muslimbruderschaft/ (31.08.2025)).
  32. ↑ Dazu gehören Persönlichkeitsentwicklung, die Stärkung von sozialen und personalen Kompetenzen, insbesondere Reflexion von Identität, Zugehörigkeit, Männlichkeit (vgl. Korchide 2026), Diskriminierungserfahrungen und Peerbeziehungen sowie Ambiguitätstoleranz, Selbstwirksamkeit, Empowerment und Kommunikations- und Medienkompetenz uvm. (Vgl. dazu El Mafaalani u. a.: Ansätze und Erfahrungen der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit. 2016.)
  33. ↑ Khorchide, 2026, S. 118. Diese Begründung gilt genauso für das Material Was sagt die Bibel zum Thema Homosexualität?. Und auch Pädagogen sollten - selbst wenn sie nicht Religion als Fach unterrichten - über die unterschiedlichen Ansätze informiert sein, denn sie sind Gesprächspartner von Jugendlichen. Darum ist dieses Material nicht nur für den Unterricht, sondern auch für die Lehrerbildung relevant.
  34. ↑ Das Buch des Arabisten und Islamwissenschaftlers Thomas Bauer wurde mir von einem islamischen Theologen empfohlen. Dieses Buch möchte ich in meiner Literaturliste allerdings nicht unkommentiert lassen, denn aus meiner Sicht vertritt Bauer eine Perspektive auf die Epoche der Aufklärung und "den Westen", die tendenziös und wissenschaftlich unlauter ist. Er beschreibt die Aufklärung in reduzierter Einseitigkeit als Ideologie der Eindeutigkeit (vgl. z. B. S. 191) und unterschlägt dabei die Ziele dieser Epoche, nämlich die modernen Wissenschaften und den Universalismus. Das naturwissenschaftliche Denken der Aufklärung befreite die Menschen von vielen unsinnigen religiösen und abergläubischen Praktiken, mit denen sie sich bis dahin vor Unglück zu schützen versucht hatten. (Ich jedenfalls begrüße es, dass der Blitzableiter erfunden wurde und nicht mehr eine geweihte schwarze Kerze als Schutz vor Blitzeinschlag gilt! Vgl. https://bistum-regensburg.de/news/brauchtum-und-geschichte-vom-glauben-und-aberglauben-bei-unwettern-und-vom-gefaehrlichen-wetterlaeuten.) Problematisch ist aus meiner Sicht Bauers Vorgehen, in Bezug auf die Aufklärung und "den Westen" mit unbelegten Behauptungen Falschinformationen zu verbreiten (Beispielsweise behauptet er, dass im Westen "homosexuelles Begehren als erblich bedingte Anomalie verstanden wird" (S. 292) - eine Meinung, die weder gesellschaftlich akzeptiert ist noch überhaupt diskutiert wird. Einen Beleg bleibt er schuldig.) und sein Aufstellen von Behauptungen, als deren Beleg er einen Kommentar im Internet gelten lässt. (Beispielsweise behauptet er, dass es den "westlichen Vorwurf" gäbe, "der Islam sei prüde und sexualfeindlich" (S. 302). Und diese generelle Unterstellung gegenüber "dem Westen" leitet Bauer aus einer einzelnen Buchbesprechung bei Amazon ab.) Auch wenn Bauers Buch wissenswerte Informationen zur Geschichte der Sexualethik enthält (und ich deshalb daraus zitiere), finde ich seine Argumentation in Teilen fragwürdig. Richtig hingegen ist, dass "es sich beim Islamismus unserer Tage um keine restaurative, geschweige den traditionalistische Bewegung handelt" (S. 387). "Vielmehr ist der Islamismus ein Phänomen der Modernisierung des Islams, der sich (...) nicht auf den klassischen Islam (...) berufen kann und will (...)" (ebd.).