Sprachbildung/Sprachwissen/Komposita: Unterschied zwischen den Versionen
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▶▶ Überlege, welche dieser Komposita du in deiner Lerngruppe erklären müsstest und warum. Markiere diese Komposita mit rot! | ▶▶ Überlege, welche dieser Komposita du in deiner Lerngruppe erklären müsstest und warum. Markiere diese Komposita mit rot! | ||
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''Hinweis z'''um Anliegen der geschlechtergerechten Sprache''': Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!'' | |||
Version vom 23. Februar 2026, 09:06 Uhr
Komposita: Zusammengesetzte Wörter
Die Zusammensetzung von Nomen, eine Besonderheit der deutschen Sprache, folgt keinen logischen Mustern und birgt deshalb manche Schwierigkeit. Gleichzeitig kommen Komposita so häufig vor, dass es sich zum sicheren Sprachgebrauch lohnt, einiges darüber zu wissen!
ZIEL: Dieses Arbeitsmaterial soll das Phänomen Komposita mit seinen Eigenheiten als auch das Umgehen damit im Unterricht erläutern.
Ein Seminarmaterial für die Lehrerausbildung im Referendariat von © Sabine Häcker.
Komposita in der Sprachförderung: So bitte nicht!
Bei der letzten Bürgerschaftswahl in Bremen wurden die Informationen für die Wähler konsequent im Bindestrichstil wir folgt pseudovereinfacht:
- Wahl-lokal / Stimmen-abgabe / Bürgerschafts-wahl-termin
Im Text sah das so aus: Für die Stimmen-abgabe gehen Sie am Bürgerschafts-wahl-termin ins Wahl-lokal in Ihrem Stadt-teil.
Ich habe das eben “pseudovereinfacht” genannt, weil dieses Vorgehen die Sprache nicht wirklich vereinfacht, sondern nach einer nicht existierenden Regel verfremdet – und damit u. U. erschwert.
Für Menschen, die Deutsch als Zweitsprache lernen, ist es viel schwerer, zu verstehen, dass Lokal in Wahllokal nicht wie sonst Gaststätte, sondern Ort bedeutet, als das Prinzip des Aneinanderhängens von mehreren Nomen nachzuvollziehen. Komposita kommen im Deutschen so häufig vor, dass man dieses Prinzip sehr früh lernt (lernen muss) - daran führt überhaupt kein Weg vorbei! Deshalb ist solch eine Pseudovereinfachung Unsinn. Denn Sprachbildung und Sprachförderung bedeutet, unsere Schüler:innen sprachlich fit zu machen für ihr Leben – es bedeutet nicht, Schüler:innen durch eine künstlich vereinfachte Sprache im Schutzraum Schule sprachlich dumm zu halten und ihnen so langfristig den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe zu verwehren…!
Wörter zusammensetzen
Man kann im Deutschen mehrere Nomen wie Dominosteine aneinanderlegen. Z. B.:
- Ein Buch für die Schule ist ein Schulbuch.
- Ein Verlag, der Bücher für Schulen herausgibt, ist ein Schulbuchverlag.
- Ein Lektor, der dort arbeitet, ist ein Schulbuchverlagslektor.
Wissen muss man dazu:
- Die Reihenfolge ist nicht beliebig! (Haustier ≠ Tierhaus)
- Muttersprachler verstehen zusammengesetzte Nomen i. d. R. intuitiv sofort, für DaZ- und DaF-Lerner können sie irritierend sein.
- Komposita werden oft in der Fachsprache genutzt (Busfahrerkabine, Steigbügel, Pferdebox)
- Häufig werden Nomen zusammengefügt, es können aber auch andere Wortarten kombiniert werden. Bildungsmuster sind:
- Nomen + Nomen (Bandscheinbenvorfall)
- Adjektiv + Nomen (Hochhaus, Altglas)
- Adjektiv + Nominalisierung (Schwarzfahren)
- Nomen + Nominalisierung (Bergsteigen)
- Adjektiv + Partizip (weichgekocht)
- Adjektiv + Verb (schwarzfahren, schönreden)
- Adjektiv + Adjektiv (dünnhäutig)
- Nomen + Partizipt I (musikliebend)
- Nomen + Partizip II (sprachgeschult)
- Nomen + Adjektiv (sprachsensibel)
- Adjektiv + Nomen + Nomen (Kurzstreckentarif)
Aufgabe 1: Komposita erkennen
▶ Markiere in dem Text (eingestellte PDF rechts) alle Komposita!
Ziel: Kompositasensibiliät entwickeln
Aufgabe 2: Bildungsmuster erkennen
▶ Bitte ordne die markierten Komposita in die Tabelle ein!
Ziel: Bildungsmuster erkennen und benennen können
Aufgabe 3: Fugenzeichen
Die größte Schwierigkeit bei den Komposita ist, dass sie manchmal ein Fugenzeichen zwischen den Wörtern haben. Beispiele:
- Arbeitsmarkt → mit -s- als Fugenzeichen
- Wochenmarkt → mit -n- als Fugenzeichen
- Arbeit/geber → ohne Fugenzeichen!
- Bilderrahmen → mit -er- als Fugenzeichen
Leider gibt es keine Regel, wann welches Fugenzeichen eingesetzt werden muss!
Wenn man das nicht per Sprach/gefühl entscheiden kann, muss man es auswendig lernen… Deshalb ist es sinnvoll, Deutsch als Zweit/sprache Lernende auf Fugenzeichen hinzuweisen.
▶ Bitte schaue dir die Komposita in dem Text über Ostern noch einmal an: Welche Komposita haben welches Fugenzeichen? Markiere sie mit blau!
Ziel: Sensibel für Fugenzeichen werden.
Welches Nomen gibt den Artikel vor?
Wenn man mehrere Nomen hat, ist natürlich die Frage, von welchem Nomen der Artikel abhängt. Dafür gibt es zum Glück eine einfache Regel: Der Artikel richtet sich immer nach dem letzten Nomen! Beispiel:
- die Sonne + der Schein = der Sonnenschein
- die Herkunft + das Land = das Herkunftsland
- der Lohn + das Niveau = das Lohn/niveau
▶ Welche Artikel haben diese zusammengesetzten Nomen?
... Frühlingsfest / ... Vollmond / ... Frühlingsanfang / ... Himmelsrichtung / ... Osterei / ... Osterhase
Was heißt das für den Unterricht?
- Überfrachtung vermeiden bzw. die sprachlichen Mittel passend zur Lerngruppe auswählen
- auf Komposita eingehen und sie erklären:
- ihre Bedeutung
- ihre Bildung
- den Artikel
- das Fugenzeichen markieren
Aufgabe 4: Komposita in deinem eigenen Unterricht
Nimm dir einen Text, den du in deinem eigenen Unterricht verwendet hast oder verwenden willst, oder nimm einen Text aus einem Schulbuch deiner Lerngruppe:
▶ Markiere alle Komposita mit gelb!
▶ Markiere die Fugenzeichen mit blau!
▶ Wie wurden die Komposita gebildet? Sortiere: a) Nomen + Nomen (bzw. Nominalisierungen) b) andere
▶ Bedeutung: Überlege, ob sie schwierig zu verstehen sein könnten.
▶▶ Überlege, welche dieser Komposita du in deiner Lerngruppe erklären müsstest und warum. Markiere diese Komposita mit rot!
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Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache: Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!
