Schildern

Aus ZUM-Unterrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schreiben-wordle2.jpg

Basiswissen

Bei einer Schilderung

geht es darum, Stimmungsbilder zu vermitteln. Nicht-alltägliche Situationen sollen so dargestellt werden, wie sie auf den Beobachter wirken. Dieser Beobachter steht jedoch nicht außerhalb der Ereignisse, sondern mittendrin. Er erlebt und empfindet diese Situation selbst. Darum sind Schilderungen im Allgemeinen in der Ich-Perspektive verfasst.

Die Darstellungsweise ist also subjektiv und zielt darauf ab, bei Lesern oder Hörern jene Empfindungen und Gefühle auszulösen, die der Ich-Erzähler selbst erlebt oder schon einmal erlebt hat.

Das ist nicht einfach! Es erfordert Beobachtungsgabe, Einfühlungsvermögen und einen geübten Umgang mit Sprache.

Einige Beispiele für solche Schilderungen:

- die Stimmung in der Klasse vor einer wichtigen Klassenarbeit
- die Vorfreude auf den eigenen Geburtstag
- die Hoffnungen und Befürchtungen vor einem Fußball-Spiel
- ein Gewitter liegt in der Luft
- vor und während dem ersten Flug

Diese Beispiele zeigen, dass Stimmungen dann besonders intensiv sind, wenn ein wichtiges Ereignis zwar noch nicht eingetreten ist, aber kurz bevor steht.

Zwischen "schildern", "beschreiben" und "berichten" besteht also ein wichtiger Unterschied:

Wenn z.B. ein Polizist einen Zeugen auffordert, einen Tathergang zu "schildern", dann meint er eigentlich: Schildern Sie Ihre Eindrücke von der Situation oder von dem Verhalten einer Person. Demgegenüber werden Sachverhalte und Vorgänge "beschrieben" oder von ihnen wird "berichtet".

Übungen

Sammeln und ordnen

Zum Beispiel "Vor dem großen Auftritt":

 1. die Situation: Noch zehn Minuten, bis ..., alles ist gerichtet/aufgestellt/in Erwartung ..., es fehlt nur ...
 2. die allgemeine Stimmung: alles ist nervös, läuft durcheinander, übt noch einmal, manche geben sich gelassen
 3. meine Stimmungen: 
    - Körpergefühl: feuchte Finger, Beklemmung, 
    - Ängste: Was passiert wenn ..., wie kommt das bei ... an ... , wieso habe ich ...
            das mache ich nie wieder, hoffentlich bald vorbei
    - Hoffnungen: ich bin gut vorbereitet, wir haben viel geprobt, wenn's gut geht, dann ... , 
 4. Das Ereignis: es ist so weit, jetzt muss ich / darf ich endlich ...
 5. Der Schlusssatz

Wortschatz

Vorbereitung einer Schilderung durch eine Wortsammlung am Beispiel "Am MEER bei Tag/Nacht/Sturm":

Substantive       Verben       Adjektive         Wortverbindungen
-------------------------------------------------------------------
Wogen             schäumen     blau/grün/braun   Möven kreischen
Gischt            brausen      ohrenbetäubend    schäumende Gischt
Brandung          tosen        atemberaubend     Wellen brechen sich
Wolkenfetzen      jagen        schimmernd        Wolken türmen sich
Schaum            spritzen     heulend           ...
Horizont          kräuseln     sanft
Wellenkamm

Zur sprachlichen Gestaltung

Hier einige Vorschläge:

  • die Ich-Perspektive wählen und durchhalten
  • anschauliche Adjektive verwenden - aber nicht zu viele auf einmal!
  • ausdrucksstarke Verben verwenden - nicht: machen, gehen, kriegen, sagen, haben, sein ...
  • bildhaft sprechen mit Metaphern und Vergleichen:
  • -- Aufgepasst bei Vergleichen, sie sollen nicht allzu abgegriffen sein! Findet originelle Fortsetzungen zu
   etwas glänzt wie ...
   hart wie ...
   groß wie ...
   schimpfen wie ...
   zittern wie ...
   dünn/schnell/flink/weich wie ...
   der Nebel ... wie ... 
   eine Spannung wie / also ob ...
   das Herz klopft, als ob ...
   ein Gefühl, als ob ...
   es fühlt sich an, als ob
   gespannt wie ...
  • -- Metaphern sind Vergleiche ohne "wie" oder "als ob", z.B. Schmetterlinge im Bauch. Meistens ausdrucksstärker als Vergleiche, aber auch schwieriger auszudenken.
  • 'dramatisches Präsens' verwenden: Ein vergangenes Ereignis wird so genau erinnert, als ereigne es sich im Hier und Jetzt.
  • Satzbau: Kurze, auch grammatikalisch unvollständige Sätze können zur Stimmung beitragen: Was ist das? Und jetzt? Wohin? Jetzt, endlich!

Weitere Situationen

Übungen im Schildern von Wahrnehmungen und Stimmungen
  1. Stelle dir vor, du stehst am Fenster, auf dem Balkon oder auf einer Wiese und hast das Gefühl: Es wird bald Frühling. Schildere die Situation, deine Eindrücke und Gefühle.
  2. Du bist im Fußballstadion und in Kürze wird ein Spiel stattfinden, auf das du dich sehr gefreut hast. Schildere die Situation, deine Eindrücke und Gefühle.
  3. Die Geburtstagsparty geht bald los, die Gäste sind noch nicht da, aber alles ist fertig für den Ansturm. Schildere die Situation, deine Eindrücke und Gefühle.
  4. Schau dir dieses Bild an (z.B. von Caspar David Friedrich: "Die Frau am Fenster" oder "Der Mönch am Meer" oder "Der Wanderer über dem Nebel"). Versetze dich in die Figur und schildere ihre Eindrücke und Gefühle in dieser Situation aus der Ich-Perspektive.
  5. Oder dieses Bild von Georges Seurat "Ein Sonntagnachmittag auf der Insel ...". Versetze dich in eine der Figuren darin und schildere ihre Eindrücke und Gefühle in dieser Situation aus der Ich-Perspektive.

Siehe auch