Generatives Schreiben

Aus ZUM-Unterrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schreiben-wordle1.jpg

Grundidee

Was ist das und wozu?
Schreiben lernt man durch Schreiben.
Texte entstehen aus Texten. 

Grundlage des generativen Schreibens ist ein vorgegebener literarischer Text, der als Anregung für das eigene Schreiben der Schüler/innen dient. Produktionsorientiertes Schreiben nach literarischen Vorbildern kann auch im DaF/DaZ-Unterricht effektiv eingesetzt werden, indem einzelne Elemente, z.B. Wörter, Satzglieder und Strukturen, herausgehoben und dann variiert werden.

Geeignet sind kürzere Texte mit begrenztem Wortschatz und wiederkehrenden Strukturen.

Beispiel 1: Dialog

Auf welche Weise sprachliches und literarisches Handeln verknüpft werden und die Schüler/innen motivieren kann, kann am Beispiel eines Textes „Der Löwe“ von Günther Anders durchgespielt werden.

    Als die Mücke zum ersten Mal den Löwen brüllen hörte, da sprach sie zur Henne: 
    „Der summt aber komisch.“
    „Summen ist gut“, fand die Henne. 
    „Sondern?“, fragte die Mücke. 
    „Er gackert“, antwortete die Henne.
    „Aber das tut er allerdings komisch.“

Mit Hilfe gezielter lexikalischer und grammatischer Informationen werden die Voraussetzungen für einen eigenen Text der Schüler/innen erarbeitet:

1. WER hört WEN brüllen? Wer spricht zu WEM?

2. Wortschatzarbeit: Wähle andere Tiere. Welche Geräusche machen sie?

  Tiere: der Bär (-en, -en), der Hahn (-s, ”-e), das Pferd (-es, -e), das Schaf (-es, -e) ...
  Geräusche: bellen, knurren, miauen, blöken, wiehern ...
  Redeeinleitungen: sagen, meinen, erwidern, sich wundern ...

3. Schreibauftrag:

Wähle Deine Tiere und lasse sie auch ein solches Gespräch führen! Das darf auch noch etwas länger sein.
Verwende statt Präteritum (Vergangenheitsform) das Präsens. Wie verändert sich der erste Satz?
Bereite mit Deinem Partner den Vortrag vor.
Weiterführung

Ein berühmter deutscher Philosoph hat geschrieben:

„Wenn ein Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen.“
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Frankfurt 1999, S.568 oder §242 ff

Überlege, ob Du dieser Aussage zustimmen kannst oder nicht.

Schreibe dann Deine Gründe in einem zusammenhängenden Text auf. Beginne z.B. so:

- Ich bin der Meinung, dass ...
- Mit der Meinung dieses Philosophen bin ich nicht/ nur zum Teil / einverstanden, weil ...
- Diese Aussage von Ludwig Wittgenstein finde ich einleuchtend / übertrieben / falsch, denn ...

Beispiel 2: Rollengedicht

PLASTIKTÜTENGEDICHT

Ich bin eine Plastiktüte.
Du meine Güte:
Ich bin voller Falten,
neuen und alten,
und habe schon bessere Zeiten gesehen.
Beim Kaufmann Müller
war ich der Knüller.
Mit Wurst und Tomaten
und frischen Salaten,
mit Käse und Bohnen und Honigmelonen
hat mich Herr Müller gefüllt. [...]
Nun lieg ich mit 17 anderen Schwestern
seit gestern
in dieser abscheulichen Abfallkist‘,
Mist!

aus: Walther Hohenester (Text) / Friedrich Kohlsaat (Bilder): Knülle knalle knüll - wohin mit dem Müll. Sachbilderbuch. Verlag: Ellermann (1993)


Gebrauchsanweisung
Denke dir ein Ding aus und stelle dir vor, du wärest es:
Ich bin ein „Kühlschrank“, eine “Waschmaschine“, ein „Fahrrad“, ein „Wirbelwind“, ein Handy ...
Versetze dich in dessen Lage und verdichte deine Erfahrungen und Gefühle in ein Kühlschrank-, Waschmaschinen-, Handy- ... Fahrradgedicht.
Die Zeilen müssen keinen regelmäßigen Rhythmus haben, aber reimen sollten sie sich ab und zu schon.

Siehe auch