Investiturstreit

Aus ZUM-Unterrichten
Version vom 23. April 2022, 09:50 Uhr von Matthias Scharwies (Diskussion | Beiträge) (+kat)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Sachanalyse

Ereignisgeschichtlicher Hintergrund

Reichskirchensystem seit Otto d. Großen Reaktion auf das Versagen der weltlichen Kronvasallen führt zum machtpolitischen Bund mit der Kirche (den unmittelbaren Reichskirchen):

  • Investitur der Bischöfe durch den Kaiser – staatliche Hoheitsrechte an Geistliche
  • Zerfallserscheinungen beim Mönchtum: Äbte übernehmen mehr und mehr politische Aufgaben
  • Adlige Mönchen mit zunehmenden Privilegien
  • Reichtum der Klöster durch Schenkungen
  • Klöster als Versorgungsanstalt des Adels (zumeist für die nachgeborenen Söhne)

&rarr,Folge: Entfremdung und Verweltlichung der Klöster

Ideengeschichtlicher Hintergrund

Voraussetzungen: Unterscheidung in weltlichen und geistlichen Bereich resultiert aus dem 5. Jh. (Papst Gelasius = Zweigewaltenlehre)

Der weltliche Herrscher ist nicht mehr König und Geistlicher zugleich, sondern nur noch Laie.

Problem: Reichskirche nimmt weltliche und geistliche Aufgaben wahr und sieht durch die geistliche Sphäre des König/Kaiser darin keinen Widerspruch

Verschärfung durch Dictatus Papae (1075 n.Chr.) legt Primat der römischen Kirche und ihres Vorstehers Gewalt fest; Papst beansprucht, den Kaiser ggf. abzusetzen.

Gegenmaßnahmen:

Klosterreform: Freiheit der Kirche (Exemtion; direkte Unterstellung unter Rom) – Wichtige Reformklöster waren Cluny (bei Mâcon) Citeaux (in Burgund) und Gorze (bei Metz), später auch das Kloster Hirsau im Schwarzwald:

  • Rückbesinnung auf monastisches Leben; direkte Unterstellung unter Rom => Freiheit der Kirche

Reformpapstum: Ausgehend von Lateransynode 1059: Papstwahldekret;

  • Verbot der Laieninvestitur in den Niederkirchen;
  • Kampf und Verkauf geistlicher Ämter wird verboten (Simonie)
  • Durchsetzung des Zölibats

Konflikt zwischen Papst und Kaiser

Verlauf: Auseinandersetzung um die Neubesetzung des Mailänder Erzbistums (seit 1073);

Heinrich IV. setzt einen Mailänder Kleriker gegen den Willen des Papstes ein

Dictatus Papae (1075 n.Chr.);

Heinrich lässt Papst auf Wormser Synode (1076) absetzen;

Bann durch Papst = Aufflammen der Opposition im Reich bringt König Heinrich zum Einlenken

Gang nach Canossa

Ergebnis und Folgen: Kompromiss: Wormser Konkordat 1122;

Folgen: Verselbständigung der geistlichen Gewalt; Reichskirchensystem als machtpolitische Grundlage unbrauchbar – Stammesfürsten und später Landesfürsten dominieren => Weg in die Vielstaatlichkeit

nach: Monastisches Leben - Weltflucht und Weltgestaltung