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Benutzerin:Sabine Häcker/Weihnachtswissen/Traditionen/Wichtel

Aus ZUM-Unterrichten

Wie haben sich die Wichtel in die Weihnachtstraditionen geschlichen? (für Jhg. 5)

Wichtel haben mit dem christlichen Feiern von Jesu Geburt nichts zu tun, sie gehen auf vorchristliche skandinavische Vorstellungen zurück – und stellen ein Beispiel dafür dar, wie Traditionen unterschiedlichster Herkunft zu Weihnachten miteinander verbunden werden.

Dass Wichtel zu Weihnachten als Deko auftauchen, die herzig, drollig oder schrullig wirken, ist bei uns in Deutschland ein sehr junger Brauch. Erst Ende des 20. Jahrhunderts sind diese Figuren zu Weihnachten bei uns aufgetaucht, weil die Kinder sie aus den Büchern (und Filmen) von vor allem schwedischen Autoren kannten und liebten. Neuerdings ziehen bei Familien mit Kindern Wichtel in der Vorweihnachtszeit ins Wohnzimmer ein, sie haben über der Fußleiste eine magische Wichteltür. Die Wichtel können nachts heimlich in die Wohnung kommen und im Sinne eines interaktiven Adventskalenders Geschenke bringen, Briefe hinterlassen, Aufgaben verteilen oder Streiche spielen. Diese Idee ist um 2020 entstanden und wird durch das Internet derzeit immer bekannter und beliebter.

Zeit: 90 min

Was sind Wichtel?

  • Sind euch Wichtel bekannt? Woher? Was wisst ihr über Wichtel?

Die Wichtelvorstellungen kommen aus Skandinavien. In Schweden haben die Illustrationen von Jenny Nyström (1854-1946), die die Wichtel hundertfach für Karten, Zeitschriften, Kalender u. v. m. gezeichnet hat, das Bild von Wichteln stark geprägt.


  • Wie kann man die Wichtel, wie Jenny Nyström sie dargestellt hat, beschreiben? Such aus den folgenden Eigenschaften die passenden aus: fürsorglich - gemein - geradlinig - hilfsbereit - heimtückisch - böse - hinterhältig - sorgend - ehrlich - fleißig - faul - munter - gut - traurig

Tomte Tummetott: Bilderbuchkino

Auf Schwedisch heißt Wichtel “Tomte” und der Weihnachtswichtel ist der “Jultomte” oder der “Tomtennisse”. In manchen Familien bringt er die Weihnachtsgeschenke (und nicht der Weihnachtsmann).

Wichtelsagen gab es zwar auch in Deutschland, doch die weihnachtlichen Wichtelideen sind aus Skandinavien übernommen worden. Die traditionelle Wichtelerzählung in Skandinavien ist, dass Wichtel auf jedem Hof und in jedem Haus wohnen. Sie sind gut zu den Menschen, beschützen sie und helfen ihnen - aber nur, wenn man es ihnen dankt. Sonst treiben sie Schabernack. Zum Weihnachtsfest wird ihnen deshalb ein Schälchen mit Milchbrei oder Hafergrütze hingestellt.

-> Tomte Tummetott" oder "Tomte und der Fuchs" von Astrid Lindgren als Bilderbuchkino zeigen (im Internet zu finden) und besprechen

Tomte: Ein Gedicht von Viktor Rydberg

Das Gedicht "Tomte" von Viktor Rydberg (aus dem Jahr 1881) war die Vorlage für “Tomte Tummetott” von Astrid Lindgren.

Das Gedicht "Tomte" war 1960 mit Illustrationen von Harald Wiberg als Kinderbuch in Schweden erschienen und wurde ein Erfolg. Um das Buch auch auf den internationalen Markt zu bringen, hätte das Gedicht übersetzt werden müssen, was aber als zu schwierig eingeschätzt wurde. So schrieb Astrid Lindgren einen neuen Text zu Wibergs Bildern; das Buch wurde international ein Erfolg und machte Tomte auch in Deutschland bekannt.

Tomte (= Der Wichtel) gehört in Schweden zu den Gedichteklassikern, die jeder kennt.

Der Wichtel (von Viktor Rydberg, Übersetzung: Lukas W. Börner)

1. Die Winternacht ist kalt und hart. / Die Sterne glitzern, funkeln.

Zu dieser Stund ruht alles zart / im stillen Hof im Dunkeln.

Der Mond geht seine leise Bahn. / Der Schnee glänzt weiß auf dunklem Tann.

Der Schnee glänzt weiß am Dache. / Der Wichtel hält hier Wache.

(...) 4. Vorm Schuppen und Geräteraum, / da prüft er alle Schlösser.

Am Krippchen einen Sommertraum / erträumen Küh und Rösser.

Vergessen Zug und Peitschenknall / träumt Pålle tief in ihrem Stall

mit Speichel auf den Lippen / von kleegefüllten Krippen.

5. Er geht zum Stall von Lamm und Schaf, / die träumen auch schon lange.

Im Hühnerstall schläft alles brav, / der Hahn auf höchster Stange.

Der Karo in dem Hundehaus / schläft sich im warmen Strohbett aus.

Der Wichtel mag ihn leiden – / Vertraute sind die beiden.

6. Dann stapft er still zum Bauernhaus. / Er lässt sich’s nicht verwehren

und schaut auch nach den Menschen aus, / die allesamt ihn ehren.

Zum Kinderzimmer schleicht entzückt / der Wichtel stumm und still beglückt

und stellt sich auf die Zehen, / die Kinderlein zu sehen.

(...) 11. Die Winternacht ist kalt und hart. / Die Sterne glitzern, funkeln.

Am Morgen noch ruht alles zart / im stillen Hof im Dunkeln.

Der Mond geht seine leise Bahn. / Der Schnee glänzt weiß auf dunklem Tann.

Der Schnee glänzt weiß am Dache. / Der Wichtel hält hier Wache.

Das Gedicht ist gekürzt. Hier findest du die vollständige Fassung: https://www.boerner-literatur.de/%C3%BCbersetzungen/der-wichtel/

  • Welche Worte sind euch unbekannt?
  • Wie kannst du den Wichtel aus dem Gedicht beschreiben?
  • Lest euch das Gedicht laut vor. Besprecht die Betonung: Worauf müsst ihr achten, damit die Zuhörerinnen und Zuhörer gut folgen können?

Über Reime nachdenken


  • Markiere in der ersten Strophe die Reimwörter!
  • Das Reimschema ist: ababccdd. Was könnte damit gemeint sein?
  • Welche Funktionen haben Reime? Lies diese Variante der ersten Strophe, die umgeschrieben wurde:

Die Winternacht ist kalt und hart. /Die Sterne glitzern, leuchten.

Zu dieser Stund ruht alles ruhig / im stillen Hof im Dunkeln.

Der Mond geht seine leise Bahn. / Der Schnee glänzt weiß auf dunklen Tannen.

Der Schnee glänzt weiß am Dache. / Der Wichtel passt hier auf.

  • Was ist anders? Und wie wirkt der Text auf dich mit und ohne Reime?
  • Bevor das Radio, das Fernsehen und das Internet erfunden wurde, waren Gedichte eine beliebte Textsorte. In Zeitungen und Zeitschriften gab es oft neue Gedichte. Manche "gingen viral", wie man heute sagen würde - z. B. das Gedicht von Viktor Rydberg. Warum waren Gedichte früher so beliebt?

Fazit

  • Was hast du über Wichtel und den Hintergrund der weihnachtlichen Wichtel gelernt?
  • Traditionen verändern sich. Wie haben sich die Wichtel in die Weihnachtstraditionen geschlichen bzw. wie wurden sie zu den Weihnachtstraditionen hinzugefügt?
  • Wie sind die neuen Wichtelbräuche aus kultureller und religiöser Sicht einzuordnen?

Literatur

Für Kinder:

Sven Nordquist: Das Geheimnis der Weihnachtswichtel.

Quellen:

Lukas Wolfgang Börner: Das Christkindl im Walde. Ahrensburg 2023.

Sabine Häcker: Woher kommt Weihnachten und wem gehört das Fest? (Geplante Veröffentlichung 2025)