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Benutzerin:Sabine Häcker/Weihnachtswissen/Traditionen/Wie katholisch ist der skandinavische Luciabrauch?
In Skandinavien ist der Luciabrauch am 13. Dezember sehr beliebt. Diese Tradition begann im 18. Jahrhundert in Westschweden und ist seit rund 100 Jahren in ganz Schweden sehr bekannt. Inzwischen feiern die anderen skandinavischen Länder ebenfalls die Lucia und auch in Norddeutschland gibt es erste Luciafeiern.
In Internetartikeln wird diese Tradition meist auf eine katholische Heilige namens Lucia zurückgeführt, auch die katholiche Kirche tut das. Doch wie kann im protestantischen Schweden ein Brauch entstanden sein, der eine katholische Heilige ehrt? Hat dieser Brauch wirklich einen katholischen Hintergrund?
Der folgende GEO-Artikel beschreibt den Luciabrauch. Er bietet eine Beschreibung, wie man sie vielfach im Internet oder Zeitungen findet; er wurde ausgesucht, weil die Darstellung des Luciafestes repräsentativ ist. Außerdem ist GEO eine bekannte und seriöse Zeitung.
https://www.geo.de/reisen/reisewissen/luciafest--schweden-feiert-das-lichterfest-31414080.html (letzter Zugriff: 20.03.2025)
13. Dezember - Schwedisches Luciafest: Mitten im Winter erhellt ein Lichterfest das Land (erschienen am 13.12.2023, von Solvejg Hoffmann)
Mitten im dunklen Winter ist das alljährliche Luciafest am 13. Dezember in Schweden ein willkommener Lichtblick. Der jahrhundertealte Brauch findet zu Ehren der Heiligen Lucia statt und bildet einen der Höhepunkte des schwedischen Weihnachtsfests
Während es in der Sommerzeit in Schweden nördlich des Polarkreises durchgehend hell ist, verhält es sich im Winter genau andersherum. Der Dezember ist in Schweden der dunkelste Monat, in Nordschweden bekommt man die Sonne an manchen Tagen gar nicht zu Gesicht. An anderen Tagen schafft es die Sonne kaum über den Horizont, ehe sie auch schon wieder untergeht und sich alles in Dunkelheit hüllt. In dieser Zeit soll das traditionelle Luciafest den Menschen das Licht zurückbringen und die Dunkelheit erhellen, weshalb es auch auch Lichterfest betitelt wird. (…)
Die Historie des Luciafests lässt sich bis in das 4. Jahrhundert zurückverfolgen. Der christliche Festtag erinnert an die Märtyrerin Lucia von Syrakus, die der Sage nach den Armen und Kranken Essen brachte, die sich in den Katakomben der Stadt versteckten. Um in der Dunkelheit sehen zu können und gleichzeitig die Hände frei zu haben, setzte sich die selbstbewusste Wohltäterin einen Kranz aus Kerzen auf den Kopf.
Traditionell verkörpert die älteste Tochter einer Familie die heilige Heilige Lucia. Sie trägt ein weißes Gewand mit einem roten Band sowie einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf. In manchen Familien bereitet die Tochter am Luciatag das Frühstück zu, andere pflegen die Tradition, indem sie von Tür zu Tür gehen und das Licht und etwas zu Essen in die Nachbarschaft bringen. Wenn es nach den kleinen Mädchen in Schweden geht, darf aber jede an diesem Tag eine Lucia sein.
Licht zieht sich als zentrales Element überall im Land durch den ganzen Tag, der in Schweden kein gesetzlicher Feiertag ist. In Kindergärten und Schulen, in Büros und Ämtern sowie an öffentlichen Plätzen und in den Kirchen werden Kerzen entzündet und der Heiligen Lucia gedacht. In manchen Städten finden große Umzüge und Konzerte statt, teilweise werden diese im schwedischen Fernsehen übertragen.
Singende Prozessionen in weißen Roben, angeführt von der Heiligen Lucia als Lichterkönigin, ziehen durch die Straßen, gefolgt von Publikum und flimmerndem Kerzenschein. Kleine Kinder verkleiden sich gern als Weihnachtswichtel und begleiten den Umzug, Jungen geben sich als Sternenknaben – mit spitz zulaufenden Hüten und mit Sternen verzierten Stäben.
In manchen Orten zieht die Lichterkönigin mit ihrer Prozession – angelehnt an die Legende der Lucia von Syrakus – auch singend durch Altenheime, Krankenhäuser und Hospize, um den Alten und Kranken das Licht zu bringen.
Doch nicht nur Licht, auch Gebäck ist oft Teil der Gaben, die Lucia zu den Menschen bringt. In Schweden sind das vor allem knusprige Pfefferkuchen und Lussekatter, weiches Hefegebäck mit Safran und Rosinen. Die Lussekatter haben in Schweden den gleichen Kultstatus wie die berühmten Zimtschnecken.
Einen wichtigen Unterschied gibt es jedoch: Lussekatter werden nur im Dezember gebacken und nur zwischem dem Luciatag und Weihnachten gegessen. Viele Schwedinnen und Schweden würden es nämlich als pure Blasphemie empfinden, das süße Hefegebäck vor dem Luciafest oder nach Weihnachten zu essen. Zum Gebäck wird gewöhnlich Glühwein ("Glögg") oder Kaffee gereicht.
Was ursprünglich als Heiligenfest begann, ist heute eher ein kultureller Brauch. Viele Orte und Gemeinden wählen mittlerweile jedes Jahr ihre eigene Lucia, meist ein Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren, die diese Rolle dann bis Mittsommer verkörpert. Auch eine offizielle Lucia wird in Schweden jedes Jahr bei einem Wettbewerb ermittelt. Die Krönung der "Lucia von Schweden" findet im Freilichtmuseum Skansen in Stockholm statt.
Die schwedische Variante des Luciafests erfreut sich auch über die Landesgrenzen hinaus wachsender Beliebtheit. In Norwegen feiert man den Luciadagen, mit Bräuchen und Traditionen, die den schwedischen nicht unähnlich sind. Auch das Gebäck Lussekatt ist fester Bestandteil. In Finnland feiern die Menschen Lucian päivä und in Dänemark fand 1944 erstmalig die Lucia-Feier statt.
Aufgaben:
- Lest den Artikel und kopiert ihn in ein eigenes Dokument auf eurem Computer.
- Stöbert im Internet nach Bildern des Luciafestes und fügt sie dem Dokument hinzu, so dass der Artikel bebildert wird.
- Dann tragt im Plenum mündlich zusammen, was ihr über das Luciafest erfahren habt.
Wie erklärt die katholische Kirche den Brauch?
Die Kerzenkrone, so steht in dem Artikel, soll auf die Heilige Lucia von Syrakus (ein Ort im Süden von Italien) zurückgehen. Sie habe Menschen geholfen, die sich in den Katakomben versteckt hätten, und ihnen nachts heimlich Essen gebracht. Damit Lucia in der Dunkelheit sehen konnte, hätte sie sich einen Kranz mit Kerzen auf den Kopf gesetzt, heißt es.
Wenn man allerdings weiß, dass Schweden und auch die anderen skandinavischen Länder seit der Reformation vor mehr als 500 Jahren mehrheitlich protestantisch sind, ist man ausgesprochen verblüfft, dass hier in eine Tradition zu Ehren einer katholischen Heiligen entstanden sein soll. Grund genug, der Sache nachzugehen!
Was schreibt die katholische Kirche über den Luciabrauch und seine Herkunft?
Auf katholisch.de, dem offiziellen internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, findet sich ein Artikel über die Luciatradition am 13. Dezember: https://www.katholisch.de/artikel/163-sagenumwobene-lucia (von Angelika Slagmann, erschienen am 13.12.2018 auf katholisch.de; letzter Zugriff am 16.03.2025)
TEXTAUSSCHNITT: Gedenktag: 13. Dezember. Sagenumworbene Lucia (von Angelika Slagmann, Hrsg.: Kath. Kirche in Deutschland)
(...) "In Schweden feiert man doch jeden Winter das Lucia-Fest. Die Mädchen tragen Kerzen auf dem Kopf und lange weiße Kleider": Was Passanten auf der Straße mit Lucia verbinden, zeigt, welch mediale Präsenz sie bis heute hat. In der Vorstellung Vieler sind Bilder junger blonder Mädchen, weißgekleidet mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf. Ausgehend von der Bedeutung des Namens Lucia lässt der Kranz die Umgebung tatsächlich hell erleuchten und kündigt so die Ankunft Jesu auf Erden an. In den schwedischen Familien ist es Brauch, dass die älteste Tochter als "Lucienbraut" Kerzen auf einem grünen Kranz trägt und die schlafenden Eltern und Geschwister mit dem ersten Weihnachtsgebäck weckt. Der Brauch des Kerzenkranzes hat seinen Ursprung ebenfalls in Überlieferungen: Um verfolgten Christen in ihren Verstecken in dunklen Gängen unter der Stadt zu helfen und sie mit Essen und Trinken zu versorgen, brauchte Lucia beide Hände und trug deshalb die Kerzen wie eine leuchtende Krone auf dem Kopf. (...)
Aufgaben:
- Was erfährst du über die katholische Heilige namens Lucia? Vervollständige diesen Satz und notiere ihn unter deinem Lucia-Dokument: Die heilige Lucia von Syrakus lebte (wann?) ….. (wo?) ….. . Sie wurde heilig gesprochen, weil …
- Erfährst du etwas Neues über den skandinavischen Luciabrauch? Falls ja, ergänze es in deinem Dokument!
... Interessant ist jedoch, dass Wissenschaftler den Brauch ganz anders erklären!
Wie erklären Wissenschaftler den Brauch?
Kulturhistoriker und Ethonologen wie Carl Wilhelm von Sydow (ab 1938 Professor in Lund) führen den Brauch auf einen alten deutschen Christkindbrauch der Protestanten zurück.
Diesen Christkindbauch, der heute längst vergessen ist, hat Alexander Tille, ein deutscher Weihnachtsforscher, 1891 in einer Zeitschrift namens „Die Gartenlaube“ vorgestellt (Heft 50, S. 848-851). Link: https://de.wikisource.org/wiki/Mummenschanz_der_deutschen_Weihnacht
TEXTAUSSCHNITT: (…) Im Elsass geht das Christkind herum und kündigt seine Gegenwart schon von weitem durch den Klang einer Glocke an. Es wird meist durch ein erwachsenes Mädchen dargestellt, das in langem weißem Gewande und wallendem blondem Haar auftritt. Das Gesicht ist weiß geschminkt, und auf dem Kopfe trägt es eine goldene Krone, auf der mehrere Wachslichter brennen. Es hat einen Korb mit Zuckerwerk am Arme, in der andern Hand die erwähnte Glocke.
Freundlich spricht es die Kinder an, und schon kommen, gelockt von den süßen Gaben, die Kleinen herbei, die sich erst vor Verlegenheit hinter der Mutter zu verbergen suchten – da tönt vor dem Fenster Kettengerassel, die Fensterflügel tun sich auf, und herein steigt die bis über die Ohren vermummte Gestalt des „Hans Trapp“. Er ist in ein Bärenfell gehüllt, hat das Gesicht mit Ruß geschwärzt und trägt einen langen schwarzen Bart, der ihm bis auf den Gürtel niederwallt. In der Hand führt er ein Gerät, das mehr einem Besen als einer Rute ähnelt.
Mit diesem droht er der Kinderschar, die sich ängstlich verkrochen hat. Mit Grabesstimme fragt er, wer nicht artig gewesen sei, und geht auf die Unartigen los, die zitternd und zagend in den Rockfalten der Mutter ihre Zuflucht suchen. Doch das Christkind bittet für sie: die Kinder versprechen Besserung und erhalten aus dem Korbe Zuckerwerk zum Geschenke. (…)
Literatur
Carl W. v. Sydow: Lucia und Christkindlein. In: Volkskundliche Studien. 1930, S. 71–76. Digitalisiert von: Virtuelle Fachbibliothek der ethnologischen Fächer, Humboldt-Universität zu Berlin (evifa.de). (zuletzt am 20.05.2024)