Lerntagebuch

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Definitionen

"WAS - Lerntagebücher dienen der schriftlichen, chronologischen Dokumentation von Gelerntem, Erfahrungen oder typischen Anwendungsfällen für Gelerntes.
WARUM - Ziel dieser Methode ist es, Wissen in Form von Erfahrungen, Meinungen von Mitarbeitern im Rahmen ihrer Arbeitserledigung zu erfassen, um sie nachträglich aufarbeiten zu können. Einerseits kann so der Mitarbeiter jederzeit aus seinem dokumentierten Wissen lernen. Andererseits können die Erfahrungen mehrerer Mitarbeiter leichter zusammengeführt werden und so das (fachliche) Wissen einer Gruppe erweitert und verallgemeinert werden. Die Gruppe kann aus den Erfahrungen der einzelnen Gruppenmitglieder lernen bzw. diese zu Rate ziehen, wenn es um die Lösung von Problemen bei der Arbeitserledigung geht.
WIE - Jeder Mitarbeiter wird dazu angehalten und motiviert, in einem definierten Zeitraum (z.B. einmal wöchentlich) seine Erfahrungen bei der täglichen Arbeitserledigung, bei der Lösung von Problemen usw. elektronisch zu dokumentieren. Dazu kann moderne Textverarbeitungssoftware oder auch Kommunikationssoftware verwendet werden."
www.artm-friends.at: Lerntagebuch

Konkretisierungen

"Ausgehend von der Beobachtung, dass der Lernerfolg oft gering bleibt, wenn den Lernenden fertige Lehrgebäude vorgesetzt werden, die ohne Rücksicht auf die individuellen Unterschiede in Bezug auf Vorwissen, Lerntempo und Lerntyp entworfen wurden, entwickelten die Schweizer Didaktiker Urs Ruf und Peter Gallin gemeinsam ein Konzept für ein „Lernen auf eigenen Wegen“, das versucht, allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, sich individuell mit einem Stoff auseinanderzusetzen, über dabei entdeckte Zusammenhänge in einen Dialog einzutreten und so schließlich zu einem wirklichen Können und nicht nur zu einem Anwenden von unverstandenen Algorithmen zu gelangen."
"Wann habe ich Freude am Lernen? Wann habe ich Erfolg und wann weniger? Was beeinflusst, ob ich Erfolg habe? Kann ich Einfluss nehmen?
Ein Lerntagebuch kann helfen, Antworten auf diese und ähnliche Fragen zu erhalten. Durch systematische und regelmäßige Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernverhalten kann es für Schüler möglich werden, das eigene Lernen langfristig selbst zu steuern. Ein Lerntagebuch ist für den Schüler ein sehr individuelles Medium zur Kommunikation mit sich selbst oder mit einer am Lernprozess beteiligten Person seines Vertrauens.
Beteiligte lernen den Schüler sehr individuell kennen, können auf die Notizen, Fragen oder Skizzen im Buch reagieren. Das individuelle Lernverhalten des Schülers wird nachvollziehbar." (Bildungsserver Berlin-Brandenburg)
"Das Verfassen von Lerntagebüchern ist eine Methode aus der Aktionsforschung, die die Handelnden dazu anhalten soll, die eigene Praxis zu erkunden, zu überprüfen und möglicherweise zu verändern.
Lerntagebücher werden im Verlauf von Lehrveranstaltungen eingesetzt, um die persönliche Auseinandersetzung der Studierenden mit Lehrinhalten und Lehrzielen zu dokumentieren und zu reflektieren. Diese Methode ist für Lehrveranstaltungen wie diese besonders geeignet, da es in weiten Teilen darum geht, eigene Erfahrungen und Einstellungen zu aktualisieren und sich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen. Auch lassen sich die kognitiven Ziele der Lehrveranstaltung wesentlich stärker "personenbezogen" gestalten.
Wie empirische Untersuchungen gezeigt haben, fördert das Lerntagebuch im Gegensatz zum traditionellen "Prüfungslernen" das langfristige Behalten von Inhalten, also das eher bedeutsame und anwendungsorientierte Lernen (nach Mayr 1997, S. 234)." (paedpsych.jk.uni-linz.ac.at)
  • Examensarbeit (pdf) zum Thema: Inwiefern ist das Lerntagebuch dazu geeignet, die Selbstwahrnehmung und Reflexionsfähigkeit der Kinder im Hinblick auf Lernstand und Lernweg zu fördern?

Beispiele

Hier wird für Lesetagebuch der Begriff Reisetagebuch verwendet
"Der treue Partner, der dich dabei begleitet, ist das Reisetagebuch. Das Reisetagebuch ist ein großes Heft, in dem du alle Stationen deines Lernens der Reihe nach aufzeichnest. Zuerst kommen immer das Datum und der Auftrag, damit auch deine Leserinnen und Leser wissen, worum es geht. Dann kommen alle Spuren deiner Arbeit: alles, was du beim Problemlösen unternimmst, überlegst und heraus findest und was dir dabei passiert und begegnet. Wege und Irrwege deiner Nachforschungen, Vorläufiges und Gelungenes, Braves und Freches, Überlegungen, Hoffnungen, Zweifel, Fragen und Einfälle: Alles bleibt im Reisetagebuch stehen, nichts wird getilgt." (Zitiert aus dem Vorwort des Schulbuchs "ich du wir 4 5 6. Sprache und Mathematik, 4.-6. Schuljahr“ (Gallin/Ruf 1999)
Das Lerntagebuch hat die Auszubildenden und Gesellin während des Modellversuches begleitet. Montags kam per Post eine Aufgabe, die uns aufforderte, über etwas Bestimmtes nachzudenken oder zu beobachten. Für diese und andere Gedanken zum Aufschreiben hatten wir jeder ein Tagebuch in einem Seminar selbst gebunden und gestaltet. Zusätzlich kam ein Antwortbogen an die Seminarleitung, der etwas distanzierter formuliert um eine Antwort bat. Die ausgefüllten Bogen konnten ein bisschen die allgemeine Stimmungslage signalisieren und zum Entwickeln einiger Seminar- und Aufgabeninhalte anregen.
Nach einigen Wochen kam die Bitte, sich selbst zwei Aufgaben auszudenken, die dann allen in den darauf folgenden Wochen gestellt wurden. Besonders einige diese Aufgaben stellten sich später als beliebt und "sinnvoll" heraus.
Um auch anderen -nicht nur in der Ausbildung- die Erfahrung mit unserem Lerntagebuch anzubieten, gibt es das flexibel-Lerntagebuch hier im Netz!" (www.hwk.de/flexibel/Lerntagebuch.htm)
  • blikk.it Bildungsserver Südtirol - Lerntagebuch in Naturwissenschaft und Mathematik
- Lerntagebuch - Formular mit Anregungen
- Muster für ein Lerntagebuch mit Ideen für mögliche konkrete Eintragungen
- Energie"hunger": Stillbar mit welchen Kosten und Folgen - Formular zur Selbstorganisation des Lernens
- fast food - big body! Oder: Gibt es Alternativen? - Beispiel eines Lerntagebuches aus der Projektzeit


Idee
  • Als Plattform im Unterricht sind Weblogs ideal. Hier sind die verschiedenen Einträge gleich chronologisch geordnet, lassen sich gegebenenfalls kommentieren usw. Zudem lassen sich Einsichtseinschränkungen einrichten, sodass die Tagebücher nicht von Jedermann gelesen, aber trotzdem immer vom Lehrer eingesehen werden können.
  • Eine weitere Möglichkeit wären Foren. Hier ist jedoch die Leseeinschränkung nicht ohne weiteres möglich, da in einem Forum jedes Mitglied einer Community automatisch alle Beiträge einsehen kann.

Materialien

  • Lerntagbuch (docx) - Arbeitsblatt aus dem DAPF/IFS-Werkzeugkasten, Institut für Schulentwicklungsforschung, Universität Dortmund)

Siehe auch