Kriminalliteratur

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Der Kriminalroman gehört zu einem literarischen Genre, das ein Verbrechen im Hinblick auf Motiv, Ausführung, Täter sowie Aufdeckung und Aburteilung eines Täters behandelt.

Genre-Beschreibung

Kriminalroman

erzählende Prosagattung, die in unterschiedlicher Akzentuierung von Verbrechen und ihrer Aufklärung handelt und dabei an standardisierte Erzählmuster gebunden ist. Ihr Reiz liegt nicht zuletzt gerade in der Variation dieser Muster und Strukturen. Die gewaltige Ausweitung der Produktion in der Gegenwart, die auch die audiovisuellen Formen betrifft, führt häufig zu Verbindungen mit verwandten Genres wie der Abenteuer-, Agenten- und Spionagegeschichte und verstärkt den Zug zur Trivialisierung eines wachsenden Segments der Gattung. Zugleich hat der K. mit Schauplätzen im alten Ägypten oder Rom, im Mittelalter oder im 19. und frühen 20. Jh. die historische Dimension entdeckt.

Grundsätzlich lassen sich zwei Typen des K.s unterscheiden: der analytische Detektivroman und der K. im engeren Sinn. Beim Detektivroman steht das Verbrechen (in der Regel ein oder mehrere Morde) am Anfang, die Rekonstruktion des Tathergangs und die Überführung des Täters / der Täterin erfolgt im Verlauf des Erzählens. Eine herausgehobene Rolle kommt dabei der Gestalt des Detektivs (Privatdetektiv, intellektuell überlegener Amateur, Polizist) und immer mehr auch der Detektivin zu, die es mit einer sozial meist homogenen Gruppe von Verdächtigen und Zeugen zu tun hat, aus deren Mitte der Täter stammt. Bei dem anderen Typus des K.s sind Täter und Tathergang schon von Anfang an oder jedenfalls bereits recht früh bekannt; er muss seine Wirkung, seinen Spannungsreiz aus anderen Momenten – wie z. B. der Täterpsychologie oder der Aufklärung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Hintergrunds – beziehen. Der erste Typ überwiegt zahlenmäßig und wird mit dem zweiten heute dem Oberbegriff K. subsumiert. [...]

Volker Meid: Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur, Reclam jun. Stuttgart 2000 CD-ROM-Ausgabe S. 592

Charakteristisch für den Krimi als literarische Gattung sind ein begrenzter Personenkreis, eine spezifische Erzählstruktur, sein Realismus in Bezug auf den Handlungsort und die gesellschaftliche Situation, seine Erzählhaltung und seine Leserintention.

Günter Lange u.a.: Textarten - didaktisch, eine Hilfe für den Literaturunterricht, Schneider Verlag 1998 S. 70

Grundbausteine und Strukturen

FRAGE: Was gehört zu einer Kriminalgeschichte unbedingt dazu?

          GRUNDBAUSTEINE DER KRIMINALLITERATUR 

  +-------+-----+-------+-------+ 
  | TÄTER | TAT | OPFER | MOTIV | 
  +-------+-----+-------+-------+ 
          +----------+-------------+------------+---------------+ 
          | DETEKTIV | VERDÄCHTIGE | AUFDECKUNG | VERURTEILUNG  | 
          +----------+-------------+------------+---------------+ 

           DARAUS ERGEBEN SICH ZWEI STRUKTUREN: 
 
  DETEKTIVGESCHICHTE          oder            KRIMINALGESCHICHTE 
  ------------------                          ------------------ 
  - Entdeckung des Verbrechens              im allgemeinen wird der 
  - Auftreten des Detektivs (HELD?!)        Weg des Täters zur Tat 
  - Ermittlung der Verdächtigen                     gezeigt 
  - Suche nach dem Motiv                    Der Leser erfährt die 
  - Überführung des Täters                   Tatmotive und zeigt 
  - Rekonstruktion der Tat                   event. Verständnis 
 
     +-----------------------+               +--------------------+ 
     |    TAT -> TÄTER       |               |   TÄTER -> TAT     | 
     | Protagonist: Detektiv |               | Protagonist: Täter | 
     +-----------------------+               +--------------------+ 
 

Klassisch oder modern

          KLASSISCHER       -       MODERNER Detektivroman'''

Detektiv: 
     betreibt Kriminalistik als            Fälle sind materielle Existenzgrundlage
       Zeitvertreib
     Helfer der Polizei, immer             arbeitet oft gegen die Polizei
      auf Seiten der Staatsmacht
     gesellschaftlich angesehene           oft gesellschaftl. Außenseiter
       Persönlichkeit
     löst seine Fälle durch logisches      Spurenverfolgung (Schnüffeln),
       Denkvermögen und geniale             Informationsbeschaffung, Psychologie
        Intuition

Ort   hermetisch von Außenwelt abge-       meist moderne Großstadt
      schlossener Kreis von Verdächtigen   fast unbegrenzter Kreis von
      (Landhaus, Insel, Zug, Dampfer)         Verdächtigen

Sprache  konventionell -                   der als komplex dargestellten
         keine Experimente                 Wirklichkeit entsprechend

Täter  bestimmte Personen sind             keine Tabus: Sympathisierung meist
      tabuisiert, z.B. kaum Ange-           mit Unter- und Mittelschicht
      hörige der Oberschicht               Träger der Gesellschaft sollen als 
                                            korrupt entlarvt werden
                                           Misstrauen gegenüber den Mächtigen

Intention  Unterhaltung                    Gesellschaftskritik
           Rätsellösen                     Fraglichkeit von Recht und Ordnung

Vertreter 
  Der KLASSISCHE Detektiv: 
  E.A.Poes Dupin, A. C.Doyles Sherlock Holmes
  Agatha Christies Miss Marple und Hercules Poirot 
  D.L.Sayers' Lord Peter Whimsey und Chestertons Father Brown
  G. Simenons Kommissar Maigret

	                                      Der moderne GR0SSSTADTSCHNÜFFLER: 
                                           Raymond Chandlers Phil Marlowe
                                           Dashiell Hammets Sam Spade

(Quelle: deutsch - betrifft uns 4/88) 

Einen Sonderfall des Kriminalromans bildet der UNENTDECKTE Täter:
           z.B.  Patricia Highsmith's Mister Ripley

Der erste Kriminalfall?

Kain und Abel

Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann.

Es begab sich aber nach etlicher Zeit, daß Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett.

Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.

Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.

Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.

Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Laß uns aufs Feld gehen.

Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder und schlug ihn tot.

Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel?

Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?

ER aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Und nun: Verflucht seist du auf der Erde ... Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.


Arbeitsfragen
  1. Woher kennst Du diese Geschichte?
  2. Welche Elemente des literarischen Genres >Kriminalliteratur< findest Du in dieser Geschichte wieder?
  3. Wo siehst Du Unterschiede zu Dir bekannten Kriminalgeschichten?
  4. Verändere die Geschichte so, dass eine Detektivgeschichte daraus wird.

Krimis in der Schule

Zehn Gebote für den Kriminalroman

"Ein Kriminalroman ist ein Spiel. Ein Spiel zwischen den einzelnen Figuren Spiel zwischen Autor und Leser. Auf den ersten Blick scheint der Autor sehr im Vorteil. Er teilt die Karten aus und wacht eifersüchtig darüber, dass sein Partner nur eine ganz bestimmte Auswahl in die Hand bekommt. Aber gerade darum, gerade weil er wie ein lieber Gott die Lose schütteln und austeilen darf, sollte es ihm eine Pflicht sein, seine Leser beim Spiel nicht zu betrügen und gewisse Gesetze einzuhalten, ohne die jeder Kriminalroman zu einem unfairen Schwindel wird. Eine Tafel der Gebote und Verbote habe ich darum zusammengestellt, und ich vertraue sie den Lesern meines neuen Romans hiermit an, damit sie während des Spieles, zu dem wir uns jetzt zusammensetzen, auch prüfen können, ob fair gespielt wir oder nicht."

Zehn Gebote für den Kriminalroman - Zürcher Illustrierte, 5. Februar 1937, Autor: Stefan Brockhoff

"1. Alle rätselhaften Ereignisse, die im Verlauf des Romans geschehen, müssen am Schluss erklärt und aufgelöst werden. [...]

2. Die Ereignisse, die vor dem Leser ausgebreitet werden, dürfen nicht nur dazu erfunden sein, den Leser irrezuführen. [...]

3. Der Erzähler soll nicht um jeden Preis originell sein wollen. [...]

4. Der Täter soll ein Mensch sein, gewiss ein böser Mensch (im allgemeinen), aber immerhin ein Mensch. [...]

5. Auch der Detektiv soll ein Mensch sein, gewiss ein geschickter und findiger Mensch, aber immerhin ein Mensch. [...]

6. Ein Kriminalroman soll den Kampf zwischen den listen Taten eines Verbrechers und den klugen, planmäßigen Überlegungen des Detektivs darstellen, der ihm auf seine Schliche kommt. [...]

7. Der Täter muss in dem Geflecht der Handlungen und Personen an der richtigen Stelle stehen. Der Leser muss ihn kennen, aber er darf ihn nicht er-kennen. [...]

8. Nicht alles, was geschieht, kann in einem Kriminalroman gezeigt werden. [...]

9. Der Autor soll seinen Leser nicht ermüden. [...]

10. Es ist wünschenswert, dass der Leser die entscheidenden Ereignisse wirklich vorgeführt bekommt und miterlebt. [...]"

Vorschlag

Benutzen Sie diese Zehn Gebote als Richtschnur zur Beurteilung von Kriminalliteratur. Gehen Sie kritisch damit um, denn der 5. Februar 1937 liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück. Hier eine Kürzestfassung. Versuchen Sie zunächst mit Ihren Schülern, das mit den Geboten Gemeinte zu konkretisieren, bevor Sie den vollständigen Text einführen.

Übersichten

"In dem vorliegenden Lexikon sind die Lebens und Werkdaten von mehr als 300 deutschsprachigen Kriminalschriftstellern dokumentiert. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den zeitgenössischen Autoren, mit deren Romanen, Hörspielen und Fernsehfilmen der Leser, Hörer und Zuschauer im Zuge der Inflation der Kriminalstoffe täglich Kontakt hat, wenn er sich für das Genre interessiert. [...] Das LEXIKON DER DEUTSCHEN KRIMIAUTOREN schafft hier einen ersten Überblick über die KrimiSchriftsteller/innen im deutschsprachigen Raum. Das BOCHUMER KRIMI ARCHIV hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Daten über KrimiAutoren gesammelt, die nun in Form dieses Internet-Lexikons erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden."
"Im Jahr 1990 hat das Bochumer Krimi-Archiv in einer großen Rundfrage bei Krimi-Kritikern, Krimi-Buchhändlern und Krimi-Autoren nach den ihrer Meinung besten Kriminalromanen gefragt. Das Ergebnis ist die folgende Liste der 119 besten Kriminalromane aller Zeiten."