Half Broke Horses

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Half Broke Horses ist eine "true-life novel " der US-amerikanischen Autorin Jeannette Walls aus dem Jahre 2009. Der Roman ist unter dem Titel "Ein ungezähmtes Leben" auf Deutsch erschienen als Diana-Taschenbuch (2011), 365 Seiten, ISBN 3453355628

Da es sich bei dem Roman um die Abitur-Pflichtlektüre ab 2015 in Baden-Württembergs Gymnasien handelt, wird er von verschiedenen Schulbuchverlagen in verschiedenen annotierten und kommentieren Ausgaben bereitgestellt. Z.B. Cornelsen ISBN 9783060332519, Klett ISBN 9783125798885, Diesterweg ISBN 9783425048031, Reclam ISBN 9783150198667.

Jeannette Walls

  • "Jeannette Walls (born April 21, 1960) is an American writer and journalist widely known as former gossip columnist for MSNBC.com — and author of The Glass Castle, a memoir of the nomadic family life of her childhood, which stayed on the New York Times Best Seller list for 100 weeks." [1]
  • "How Jeannette Walls Spins Good Stories Out of Bad Memories" New York Times, 26.5.2013): Dieser Artikel liefert ein schönes Porträt von Jeannette Walls (auch im Bild zusammen mit ihrer Mutter), ihrer Herkunft, Familiengeschichte und deren Verarbeitung in den Romanen “The Glass Castle” und “Half-Broke Horses".

Worum geht's

Jeannette Walls' Roman mit dem englischen Titel "Half broke horses" erzählt die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Lily Casey in zahlreichen Episoden über mehr als 50 Jahre hinweg. Diese beginnt im Jahre 1901 und reicht bis in die Mitte des Jahrhunderts; US-amerikanische Geschichte spiegelt sich darin in unterschiedlicher Intensität wider, insbesondere die große Depression, der zweite Weltkrieg, die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, der Aufschwung nach dem Krieg ...

Lily Casey wächst auf einer Farm in Texas unter ärmlichen Bedingungen auf, mit 15 Jahren wird sie Lehrerin in verschiedenen "Zwergschulen" auf dem Land, ohne selbst eine abgeschlossene Schulbildung zu haben, drei Jahre später kehren die Männer aus dem Ersten Weltkrieg zurück und Lily muss zurück auf die väterliche Farm. Doch ihre Berufung zur "Teacher Lady" treibt sie voran, bis sie schließlich die Qualifikationen dafür erworben hat. Dazwischen und nebenher aber betreibt sie mit ihrem Mann eine Ranch in Arizona, zieht zwei Kinder groß und bringt es sogar zu einem Piloten-Schein.

Lily selbst ist die Erzählerin, sie schildert die Ereignisse aus ihrer Sicht und vor allem - in ihrer Sprache, die schnörkellos und direkt ist. Die Dialoge sind kurz und enden meist in einer überraschenden Pointe oder einer Lebensweisheit.

Die episodenhafte Struktur des Romans bietet zwar keinen übergreifenden Spannungsbogen, aber die einzelnen Geschichten haben ihre eigene Dramatik und immer will man als Leser wissen, wie die Probleme gelöst werden und das Leben weitergeht. Die Protagonisten, das sind neben Lily auch ihr Mann Jim und die gemeinsamen Kinder Rosemary und Little Jim, sind durchweg sympathisch und zugleich haben sie einige scharfe Ecken und Kanten. Der Titel des Romans deutet dies an: "half broke horses" sind Pferde, die nur halb gezähmt sind, in der Sprache des Romans: nur halb "gebrochen". Als die Familie nach langen Jahren ihre Ranch verlassen muss und in die Stadt Phoenix zieht, finden Sie dort zwar schnell ein komfortables Auskommen und die Bequemlichkeit, die sie sich auf der Ranch erträumt hatten, aber das Leben in der Stadt ist ihnen dann doch zu zivilisiert, zu verbürgerlicht, zu entfremdet, als dass sie dort bleiben wollten. Also geht es wieder zurück aufs Land, ins Offene ... Der Roman endet schließlich mit der Geburt des Enkelkindes Jeannette, welche dann zur Chronistin des Lebens ihrer tatkräftigen Großmutter wird.

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Wer diese Geschichte(n) gelesen hat, hat viel erfahren über US-amerikanische Geschichte und das Leben auf dem Land, im mittleren Westen Amerikas, fernab der großen Städte der Ost- und Westküsten. Und wie der Zufall es will, ist dieser Roman auch die englisch-sprachige Pflichtlektüre für die kommenden Abitursjahrgänge in Baden-Württemberg. Und noch eine Anmerkung für Englisch-Lehrerinnen und -Lehrer: Wer die Wörter Pionier-Geist, Frontier-Spirit und American Dream nicht mehr hören oder lesen mag, der kann diesem Thema mit Hilfe dieses Romanes bestimmt noch etwas abgewinnen. Die Lebenserfahrungen und Lebensweisheiten der Lily Casey sind weitgehend klischeefrei, wobei ich persönlich ihren (zweiten) Ehemann Jim, den "Parachutin' Cowboy'", noch 'cooler' finde.

Klaus Dautel

Bitte ändere den Inhalt dieses Beitrags nicht. Denn er gibt eine persönliche Meinung wieder.

Material

Zwei Leseproben, Kapitel 1: Salt Draw, einmal englisch, einmal deutsch - zum Vergleichen und zum Verbessern: Sind "old cows" einfach nur "alte Kühe"?

* Excerpt Chapter 1 (New York Times, October 7, 2009)
"Those old cows knew trouble was coming before we did.
It was late on an August afternoon, the air hot and heavy like it usually was in the rainy season. Earlier we'd seen some thunderheads near the Burnt Spring Hills, but they'd passed way up to the north. I'd mostly finished my chores for the day and was heading down to the pasture with my brother, Buster, and my sister, Helen, to bring the cows in for their milking. But when we got there, those girls were acting all bothered. Instead of milling around at the gate, like they usually did at milking time, they were standing stiff-legged and straight-tailed, twitching their heads around, listening.
Buster and Helen looked up at me, and without a word, I knelt down and pressed my ear to the hard-packed dirt. There was a rumbling, so faint and low that you felt it more than you heard it. Then I knew what the cows knew — a flash flood was coming.
As I stood up, the cows bolted, heading for the southern fence line, and when they reached the barbed wire, they jumped over it — higher and cleaner than I'd ever seen cows jump — and then they thundered off toward higher ground.
I figured we best bolt, too, so I grabbed Helen and Buster by the hand. By then I could feel the ground rumbling through my shoes. I saw the first water sluicing through the lowest part of the pasture, and I knew we didn't have time to make it to higher ground ourselves. In the middle of the field was an old cottonwood tree, broad-branched and gnarled, and we ran for that."
"Die alten Kühe wussten früher als wir, dass Gefahr in der Luft lag.
Es war ein später Augustnachmittag, die Luft heiß und schwül wie meistens in der Regenzeit. Früher am Tag hatten wir über den Burnt Spring Hills Gewitterwolken gesehen, aber die waren nach Norden abgezogen. Ich hatte meine Arbeiten für den Tag größtenteils erledigt und ging mit meinem Bruder Buster und meiner Schwester Helen runter zur Weide, um die Kühe zum Melken zu holen. Aber als wir dort ankamen, wirkten die Mädels äußerst beunruhigt. Anstatt sich, wie sonst zur Melkzeit, am Gatter zu drängen, standen sie steifbeinig und geradschwänzig da, warfen nervös die Köpfe hin und her und lauschten.
Buster und Helen schauten zu mir hoch, woraufhin ich mich wortlos hinkniete und ein Ohr auf die festgetrampelte Erde legte. Da war ein Grollen, so leise und tief, dass es eher zu spüren als zu hören war. Und plötzlich wusste ich, was die Kühe wussten – der Fluss trat rasend schnell über die Ufer.
Als ich mich aufrichtete, rannten die Kühe davon, auf den südlichen Zaun zu, und als sie den Stacheldraht erreichten, sprangen sie drüber – höher und glatter, als ich je eine Kuh hatte springen sehen –, und dann donnerten sie davon, höherem Gelände entgegen.
Ich fand, dass auch wir uns lieber aus dem Staub machen sollten, also fasste ich Helen und Buster an der Hand. Inzwischen spürte ich den Boden unter meinen Schuhen beben. Ich sah, wie das Wasser den niedrigsten Teil der Weide überflutete, und wusste, dass wir es nicht mehr rechtzeitig auf höheres Gelände schaffen würden. In der Mitte der Wiese stand eine knorrige alte Pappel mit ausladenden Ästen, und auf die rannten wir zu."

Jeannette Walls on YouTube:

Stimmen

  • Untamed Heart By Liesl SCHILLINGER New York Times October 15, 2009
"Jeannette Walls was raised in poverty and hardship by skittish, eccentrically idealistic, profoundly unfit parents. As Rex and Rose Mary Walls caromed between dying mining towns, both of them too willful to hold down a job, their four children slept in cardboard boxes, set themselves on fire, subsisted on margarine and cat food, and, as they grew older, struggled to hide their meager earnings from their father, who cheerfully robbed them to pay for his alcoholic sprees. Anyone who devoured Walls’s incandescent 2005 memoir, “The Glass Castle,” has wondered: How did such untamed characters come to exist in America, in the not-so-distant 1960s and ’70s? Walls’s new book, “Half Broke Horses,” a novelistic re-creation of the life of her maternal grand­mother, Lily Casey Smith, in the first half of the 20th century, told in her grandmother’s voice, gives a partial answer to that perplexing question."
"Ms. Walls chooses to tell Lily’s story in a punchy style, broken up into short chapters and punctuated by abundant cracker-barrel wisdom. Few episodes end without a zinger, aphorism or fortune-cookie one-liner. And those truisms are so relentless that even Rosemary, who was Lily’s daughter and eventually became Ms. Walls’s trouble-plagued mother, gets sick of them."
  • Book reviews Auswahl aus LitLovers, a well-read online community.

The Glass Castle - Schloss aus Glas

"Zu Beginn fährt die Ich-Erzählerin, schön und teuer gekleidet, im Taxi durch Manhattan zu einer Party. Dabei erblickt sie ihre Mutter, eine Obdachlose, die in Abfalleimern wühlt. Wie kann sie, wohl situiert, ihre Mutter auf der Straße leben lassen? Die Reflexion darüber ist der Motor des Debüts der US-amerikanischen Journalistin Jeannette Walls.
"Schloss aus Glas" ist der erste Roman der US-amerikanischen Journalistin Jeannette Walls - ein autobiographischer Roman. Im Gegensatz zu manchem anderen autobiographischen (Erstlings-) Roman indessen handelt es sich nicht (nur) um die drängende Aufarbeitung einer privaten Leidensgeschichte, in der die persönliche Betroffenheit aus jeder Zeile spricht. "Schloss aus Glas" zeichnet sich durch eine glasklare Formulierungskunst aus, durch eine ästhetische Distanz, die die emotionale Wucht dieser Geschichte umso spürbarer macht. ..."

Siehe auch