Digitale Medien im Ethikunterricht/Weblogs

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Allgemein

Weblogs sind eine Art Internettagebücher, bei denen die Beiträge chronologische sortiert auf einer einzigen (oder folgenden) Seite(n) erscheinen. Jeder Beitrag kann kommentiert werden, sodass eine Diskussion mit dem Autor des Beitrages möglich ist.

Weblogs gibt es seit etwa 2000, mit zunehmender Anzahl seit 2008. Seit dieser Zeit ist die Blogsoftware immer intuitiver geworden, sodass das Publizieren mittlerweile recht einfach ist. Sofern man technisches Know How mitbringt kann man ein Blog auf einem eigenen Server selbst hosten. Ansonsten greift man auf Bloganbieter zurück, auf deren Webserver die Blogs gespeichert sind und die die technische Infrastruktur bereit stellen. Solche Anbieter sind beispielsweise wordpress.com oder blogger.com. Ersteres lässt zwar vom Layout schönere Blogs entstehen und die Bedienungsweise ist einfacher, allerdings wird unter einigen Beiträgen Werbung eingeblendet. Als Einstieg eignet es sich einige Weblogs anzuschauen, beispielsweise Weblogs von Kollegen zu lesen.

Weblogs eignen sich für den philosophischen Unterricht sehr gut, da sie sowohl die philosophischen Basiskompetenzen üben als auch philosophische Reflexionsprozesse vertiefen. Die Schüler üben argumentierende Texte zu lesen und sich aktiv mit ihnen auseinander zu setzen. Sie entfalten ihre eigenen Gedanken stringent, abstrahieren eigene Erlebnisse und formulieren sie sprachlich angemessen. In der Auseinandersetzung mit den Gedanken anderer üben sie intellektuelle Schärfe und Kritikfähigkeit sowie die kritische Distanz ihrem eigenen Standpunkt gegenüber. Insbesondere die Urteilskompetenz sowie die Orientierungskompetenz werden in besonderem Maße durch eigenes Weblogschreiben geschult. Nötige Reflexionsprozesse in diesem Kontext sollten von der Lehrperson regelmäßig angeleitet werden.

Rahmenbedingungen

Bevor man startet sollte man sich einige Gedanken um die Nutzung des Weblogs machen:

  • Öffentlichkeit: Bei allen Bloganbietern kann man das Weblog im Lesezugriff einschränken und nur registrierten Benutzern zugänglich machen. Für Schüler der Unter- und Mittelstufe empfiehlt sich ein privates Weblog. Erfahrungsgemäß fällt es den jüngeren Schülern in solch einem geschützten Raum leichter, ihre Gedanken anderen zum Lesen zur Verfügung zu stellen. In der Oberstufe und um das Schreiben in der Öffentlichkeit zu üben sowie für die Potentiale und Gefahren zu sensibilisieren sollte eine Öffnung präferiert werden. Die Vor- und Nachteile sollten mit dem Kurs thematisiert und gemeinsam eine Entscheidung getroffen werden.
  • Rahmenbedingungen: Wenn mit einem öffentlichen Weblog gearbeitet wird, sollte die Schulleitung sowie die Eltern der schreibenden Schüler informiert werden. Letztere können zur Mitarbeit in Form von Kommentaren eingeladen werden.
  • Dauer der Nutzung: Es ist möglich, das Weblog nur für eine Einheit, ein Projekt oder für ein ganzes Schuljahr bzw. für die gesamte Oberstufe zu nutzen.
  • Inhalte: Einer Klasse oder Kurs als Aufgabe zu geben „Schreibt mal was …!“ führt selten zum erwünschten Ziel. Einige Schreibanlässe finden sich im folgenden Abschnitt sowie im Kapitel „Schreiben im Philosophieunterricht“.
  • Rolle der Schüler: Es gibt die Möglichkeit, dass die Lehrperson alle Beiträge verfasst und ansonsten die Schüler nur kommentieren dürfen. Die Schüler können auch selbst zu Autoren werden und eigenverantwortlich Beiträge schreiben. Bei dieser Nutzungsform sollte die Lehrperson in jedem Fall sich alle Beiträge und Kommentare automatisch per Mail zuschicken lassen und diese täglich kursorisch lesen. Eine weitere Frage ist, ob die Schüler sich mit Klarnamen anmelden sollen oder mit Pseudonymen. Dem Stolz auf der einen Seite steht der Wunsch nach Anonymität im öffentlichen Netz (auch lange über die Schulzeit hinaus) gegenüber. Ich handhabe es bisher so, dass die Schüler sich mit einem selbst gewählten Pseudonym anmelden, ich dem Kurs anschließend eine Liste austeile auf der die Klarnamen den Pseudonymen zugeordnet sind. So ist zumindest für die Kursteilnehmer klar, mit wem sie diskutieren.
  • Zeitaufwand für die Weblogbetreuung: Zur Pflege der Kommentare wird täglich einige Zeit nötig sein, ebenfalls um Anregungen zum Schreiben für die Schüler bereit zu stellen. Wichtig ist im Vorfeld die Entscheidung, ob Sie sich als Lehrerperson aktiv in die Diskussionen im Weblog einbinden lassen.
  • Regelung für Kommentare: Machen Sie sich vorher Gedanken über die Einstellungen für Kommentare. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, Kommentare von neuen Nutzern erst nach Kontrolle frei zu schalten. Nicht zu unterschätzen ist jedoch auch die Motivation durch die öffentliche Anerkennung durch Kommentare von außen.
  • Bewertung: Auch dazu im Folgenden einige Anregungen.

Beispiele

  • Unterrichtsblog: ethikblogs
  • Unterrichtsblog: ... (bitte ergänzen)

Beiträge in Weblogs, die von Schülern geschrieben werden sollen, benötigen Aufgabenstellungen oder Anregungen, die sie zum Denken und Argumentieren motivieren. Außerdem hat es sich als hilfreich erwiesen, Aufgaben so zu formulieren, dass zur Beantwortung das verfügbare Internet lediglich Anregungen bieten kann, sodass die Wahrscheinlichkeit von Plagiaten gering gehalten wird.

Eine Möglichkeit ist es, Sätze per Kommentar zu vervollständigen. So bietet der Satz „Es gibt (k)einen Gott, weil ….“ in nur wenigen Zeichen einen anregenden Schreibanlass. Eine weitere Möglichkeit sind Gedankenexperimente , die gemeinsam im Weblog durchgeführt werden.

Anregungen zum Schreiben können außerdem dieselben wie für das Essayschreiben sein. Alle dort angesprochenen Themen und Diskurse können in einem Weblog als Beiträge erscheinen und in den Kommentaren durch Schüler (und evtl. Außenstehende) diskutiert werden. Generell hat es sich als hilfreich erwiesen den Schülern als Tipp zu geben, im Weblog kurze Essay zu verfassen. Diese Textsorte erleichtert das Lesen sowie das Kommentieren. Die Aufgabenstellung sollte so formuliert sein, dass sowohl Beiträge als auch Kommentare eingefordert werden.

Eine mögliche Aufgabenstellung könnte sein:

„Verfasse im Laufe des ersten Halbjahres einen Beitrag, der sich zum diskutieren eignet, zu einem philosophischen oder ethischen Thema. Kommentiere bei fünf Beiträgen deiner Mitschüler indem du argumentierend auf diese eingehst.“ Bei dieser Art der Aufgabenstellung haben die Schüler sehr viel Freiheit in ihrer Themenwahl, was den Schülern sehr viel eigenverantwortliches Lernen abverlangt. Erfahrungsgemäß gehen die Schüler mit dieser Verantwortung, insbesondere bei öffentlichen Weblogs, sehr sorgsam um.

Im Weblog können außerdem Stundenabläufe in Form eines Ergebnisprotokolls dokumentiert werden. Dabei werden die einzelnen Stundenabschnitte kurz dargestellt und deren Ergebnisse (von Standpunkten über Tafelbilder bis hin zu erstellten Plakaten, etc.) im Weblog festgehalten. Diese Aufgabe kann sowohl von Schülern als auch von Lehrern übernommen werden. Schreibt ein Schüler das Protokoll, kann der Lehrer prüfen, was von seinen gewünschten Zielen erreicht wurde und bekommt so unmittelbares Feedback zu seinem Unterricht. Außerdem wird das Weblog somit zur Gedankenstütze vor einer Klausur und zum willkommenen Nachschlagewerk für kranke Schüler.

Einen besonderen Reiz üben Kooperationen mit anderen Klassen oder Kursen aus. Diese können aus derselben Schule stammen, auch jahrgangsübergreifend, oder aus anderen Schulen. So können beispielsweise Schüler aus jüngeren Jahrgängen Beiträge von älteren Schülern kommentieren, wenn sie sich gerade mit diesem Thema im Unterricht beschäftigen. Diese Art der Ergebnissicherung erfordert, dass die Schüler ihren Standpunkt zum Unterrichtsgegenstand präzise argumentieren .

Inspirierend und bereichernd für Schüler wird die Blogdiskussion, wenn einander fremde Schüler mit verschiedenem Umfeld (Stadt - Land, unterschiedliche Bundesländer, unterschiedliche soziale Milieus, etc.) gemeinsam in einem Weblog schreiben. Die betreuenden Lehrpersonen sollten sich ebenfalls über die oben genannten Punkte absprechen und die Betreuung des Weblogs untereinander aufteilen. Es sollten möglichst offene Aufgabenstellungen gefunden werden, zu denen alle Kursteilnehmer etwas beitragen können. Es hat sich als hilfreich erwiesen, wenn die Kursteilnehmer in einer ähnlichen Klassenstufe sind und sich mit ähnlichen Themen im Unterricht beschäftigen. Es ist auch möglich, dass sich die Kurslehrer soweit absprechen, dass sie ähnliche Unterrichtsinhalte am selben Tag oder sogar zur selben Zeit unterrichten und ihre Diskussion ins Weblog verlagern .

In jedem Fall sind Kommentare eine sehr motivierende Form des Feedbacks für eigene Gedanken. Essays oder andere Texte von Schülern liest im Normalfall nur der Lehrer, im Weblog ist das Publikum größer. Die Chance jedoch, dass wirklich außenstehende Personen ein Weblog finden und dann sogar noch kommentieren steigt mit der Vernetzung der Lehrkraft .

Bewertung

Grundsätzlich ist die Entscheidung zu treffen ob und in welcher Form Blogbeiträge bewertet werden und diese transparent zu machen. Die Bewertung von Blogbeiträgen erfolgt nach denselben Richtlinien wie für andere geschriebene Texte auch. Bei den o.g. Vorschlägen können beispielsweise ein Stundenprotokoll, ein etwas längerer Blogbeitrag sowie 5 Kommentare zu einer Note zusammengefasst werden. Ein im Anschluss an Donat Schmidt entwickelter Kriterienbogen erleichtert die Bewertung.

Praxistipps zur Bewertung: Teil 1 und Teil 2


Datei:Weblog-Bewertung.pdf

Hilfreich ist es zudem die Weblogbeiträge einem Plagiatecheck zu unterziehen.

Impressum

Noch eine Anmerkung zum Schluss: ein Impressum ist Pflicht für ein Weblog. Es sollte mindestens den Namen der verantwortlichen Lehrperson und den Namen der Schule enthalten. Ebenso sollte ein Hinweis zur Nutzung der vorhandenen Texte gegeben werden, siehe dazu auch der Abschnitt Urheberrecht und Lizenzen.