Qualität im Deutschunterricht: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 14. Juli 2005, 06:14 Uhr

Rezension

Gerhard Eikenbusch: Qualität im Deutschunterricht der Sekundarstufe I und II 240 Seiten, kartoniert, Cornelsen Scriptor 2001, Euro 16,90

Dieses „Praxishandbuch“ will den Lehrkräften das Rüstzeug an die Hand geben, die Qualität ihres Unterrichts zu evaluieren, zu reflektieren und zu verbessern. Der Autor, Gerhard Eikenbusch, ist in der Lehrerfortbildung tätig und gilt als Experte für die Bereiche Schulentwicklung, Evaluation und Qualitätssicherung des Unterrichts. Einige seiner praktischen Vorschläge zur Qualitätsverbesserung sind auch im Jahresheft 2001 „Evaluation“ des Friedrich Verlages nachzulesen, z.B. „Pfadfinder“, „Lerninventur“ und Kommentarbogen.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste, kürzere Teil liefert eine Einführung in die allgemeine Qualitätsdebatte. Einige Ergebnisse der Qualitätsforschung und Fachdidaktik werden zusammengefasst, hier geht es dann u.a. auch um PISA, allerdings noch nicht um die Ergebnisse der Studie, sondern um eine kritische Bewertung der Aufgabenstellungen, insbesondere im Bereich Lesekompetenz. (S.75)

Was nun den Qualitätsbegriff angeht, so legt sich der Autor auf zwei Merkmale fest. Unterrichtsqualität bedeutet

  1. das Erreichen bzw. Einhalten von Standards und
  2. „empowerment“.

Letzteres muss erklärt werden: Gelungener Unterricht strebt eine Transformation an, einen qualitativen Wandel bei Schülern und Lehrkräften, der ihnen hilft, ihre eigene Arbeit und Entwicklung zu beeinflussen und zu steuern. Und: Am Ende dieses Prozesses der „Ermächtigung“ steht der „genaue, unabhängige und bewusste Leser“, der das Selbstvertrauen gewonnen hat, um sich auch in schwierigen Situationen schriftlich ausdrücken und wirkungsvoll sprechen und zuhören zu können. (88)

Im zweiten, umfangreicheren Teil geht es um Konzepte zur Umsetzung qualitätsfördernder Maßnahmen. Hier wird es dann wirklich praktisch und der aufmerksame Leser erhält eine Fülle von Anregungen. Dabei wird der inhaltliche Aspekt des Deutschunterrichtes, also die Kanon-Frage, kurz gehalten: Der Autor macht kein Geheimnis daraus, dass ihm die umfangreichen, detaillierten Lehrpläne verdächtig sind (136) und er schlanke staatliche Vorgaben im Sinne verbindlicher Standards - „auch als explizite Setzungen“ (139) für sinnvoller hält.

Eikenbusch geht es gemäß seines Qualitätsverständnisses von „empowerment“ viel mehr darum, dass die am Unterricht Beteiligten in die Lage versetzt werden, ihre Lernprozesse und Lernfortschritte zu reflektieren und zu steuern.

Das gilt zunächst für die Lehrkraft selbst. Darum beginnt der Praxisteil mit Vorschlägen zur Selbstbeobachtung. Es wird angeregt, sich mit dem eigenen Unterricht und der eigenen Person zu befassen. Hierfür dienen (Selbst-)Beobachtungs-übungen, Checklisten, Beispiele für schriftliche Befragungen, strukturierte Gespräche, Interviews, Dokumentanalysen sowie expressive und kreative Verfahren. Sie sollen auch helfen, eine neue „Aufgabenkultur“ (204) für den Unterricht zu entwickeln. Zudem werden Perspektiven für gemeinsame Qualitätsarbeit in Fachkonferenzen bzw. in der Klasse aufgezeigt.

Und wie sieht es auf Schülerseite aus? Hier sind meines Erachtens zwei Begriffe hilfreich: „Metakognition" und „kumulatives Lernen" (175):

  • Die Schüler sollen Wissen über ihr eigenes Denken und Lernen erwerben,
  • sie sollen Gelegenheit erhalten, ihren Kompetenzzuwachs zu erkennen,
  • sie sollen schließlich einschätzen lernen, welche Lernstrategien ihnen gemäß sind.

Hierzu bietet das Buch anregende Fragebögen zur Selbsteinschätzung.

Der Autor schließt mit einem Plädoyer für die Einführung von Portfolios im Deutschunterricht.

Es lohnt sich, das Buch - oder zumindest den zweiten Teil - bis zum Ende zu lesen, es hat viele nützliche und sogar einige lustige Seiten.

Klaus Dautel

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