Krisenjahr 1923/innere Krise

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Auf Beschluss des Wiener Kongresses kam das linke Rheinufer 1815 größtenteils an Preußen, wo es in der Rheinprovinz aufging, und als Rheinpfalz an Bayern. Die Eingliederung blieb stets problematisch, da im Rheinland das napoleonische Zivil- und Handelsrecht, den Handelskammern und der Gemeindeverfassung fortgalt. Vor allem aber bestanden gravierende Unterschiede im Hinblick auf Kultur und Mentalität der katholischen Bevölkerungsteile. Virulent blieb so ein „latenter Antiborussismus und insbesondere das Gefühl der Imparität und der Inferiorität des (rheinischen) Katholizismus gegenüber den preußisch-protestantischen gesellschaftlichen Eliten“, die sich in der Vorstellung eines „rheinischen Weststaats“ und entsprechender „Rheinstaatbestrebungen“ schon im 19. Jahrhundert zum Ausdruck kamen. Viele Rheinländer empfanden sich daher als „Musspreußen“.

Lawinenartig wuchs inzwischen die separatistische Bewegung, proportional der Inflation. Das Rheinland stand damals, geschlossen wie ein Mann, zu dem, der besser zahlte. Die Beamten, die Großbanken, die Geistlichen warteten auf ihren Augenblick. Zu Frankreich hinüber wollte keiner, bei Preußen bleiben wenige. Was sie wollten und wozu sie damals auch ein Recht hatten, war Befreiung aus der Hölle der Inflation und Schaffung einer eignen Währung, einer eignen autonomen Republik.
Kurt Tucholsky in einem Beitrag von 1929 für „Die Weltbühne“



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