Dreißigjähriger Krieg/Der Krieg ernährt den Krieg: Unterschied zwischen den Versionen

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"Bet Kinder, bet!
Morgen kommt der Schwed!
Morgen kommt der Ochsenstern!
Der wird euch Kinder beten lern!
Bet Kinder, bet!"
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== Die Situation der Soldaten==
== Die Situation der Soldaten==


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»Auf dem norddeutschen Kriegs­schauplatze entfalteten die Seuchen eine verheerende Tätigkeit. In Stet­tin herrschte die hitzige Krankheit (Typhus), welcher die Gattin des schwedischen Generals Horn am 12. August erlag. In Mecklenburg gras­sierte die rote Ruhr; sie forderte zahlreiche Opfer. In Parchim erlagen vom August bis November mehr als 100 Menschen derselben Krankheit. Nach einer großen Hungersnot brach in Prenzlau die Pest aus, um in ¾ Jahren 1.5o Menschen - wohl 25% der Bevölkerung - der Erde zu überliefern.|}}
»Auf dem norddeutschen Kriegs­schauplatze entfalteten die Seuchen eine verheerende Tätigkeit. In Stet­tin herrschte die hitzige Krankheit (Typhus), welcher die Gattin des schwedischen Generals Horn am 12. August erlag. In Mecklenburg gras­sierte die rote Ruhr; sie forderte zahlreiche Opfer. In Parchim erlagen vom August bis November mehr als 100 Menschen derselben Krankheit. Nach einer großen Hungersnot brach in Prenzlau die Pest aus, um in ¾ Jahren 1.5o Menschen - wohl 25% der Bevölkerung - der Erde zu überliefern.|}}
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Version vom 24. Juli 2021, 06:08 Uhr

"Bet Kinder, bet!
Morgen kommt der Schwed!
Morgen kommt der Ochsenstern!
Der wird euch Kinder beten lern!
Bet Kinder, bet!"

Die Situation der Soldaten

Aufgabe
  1. Lies die Quelle.
    1. Erkläre, welche Rolle die Religion in der Armee spielte.
    2. Erkläre, warum es so schwierig war die Disziplin aufrecht zu halten.

Es waren zähe Gesellen, Desperados und Abenteurer … Ihr Geschäft war das Töten, und es war ihnen einerlei, ob ihre Opfer Franzosen waren, Engländer oder Deutsche, Katholiken, Lutheraner oder Calvinisten. Wurden sie gefangengenommen, traten sie häufig in die Armee dessen ein, der sie gefangengenommen hatte. Wurden sie nicht ernährt, plünderten sie. Die Aufgabe,in einer solchen Armee … die Disziplin aufrechtzuerhalten, war unvorstellbar.

Ch. Blitzer, Söldner, Diener, Majestäten, Barocker Absolutismus. 1973. S. 36f.


Die Situation der Bevölkerung

Aufgabe
  1. Lies den Bericht über die Plünderung. Beschreibe die Situation mit deinen eigenen Worten.
  2. Lies den Bericht über den Winter 1635/36 und die letzte Schilderung. Erkläre, worunter die Bevölkerung zu leiden hatte.

Die Plünderung eines Bauernhofes                                                                                                  9

Das erste, was diese Leute taten, war, daß sie ihre Pferde einstellten. Hernach hatte jeder seine besondere Arbeit zu verrichten, deren jede lauter Untergang und Verderben brachte. Denn ob­wohl einige anfingen zu metzgen, zu sieden und zu braten, daß es aussah, als sollte ein lustiger Festschmaus gehalten werden, so durchstürmten dagegen andere das Haus von oben bis unten. Andere machten von Tuch, Kleidern und Hausrat große Bündel, als ob sie einen Krempelmarkt aufmachen wollten. Was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, vvurde zerschlagen. Etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, als ob sie nicht Schaf und Schwein genug zu ste­chen gehabt hätten. Etliche schütteten die Federn aus den Betten und füllten dafür Speck, an­dere gedörrtes Fleisch und auch Gerät hinein. Etliche schlugen Ofen und Fenster ein, als hätten sie einen ewigen Sommer zu verkünden. Kupfer- und Zinngeschirr stampften sie zusammen und packten die verbogenen und verdorbenen Stücke ein. Bettgestelle, Tische, Stühle und Bänke ver­brannten sie, obwohl viel Klafter dürres Holz im Hof lag.

Den Knecht legten sie gebunden auf die Erde, steckten ihm ein Holz quer ins Maul und schütte­ten ihm einen Melkkübel voll garstiger Mistjauche in den Leib. Das nenneten sie einen Schwe­dischen Trunk. Damit zwangen sie ihn, eine Gruppe woandershin zu führen, wo sie Menschen und Vieh wegnahmen und in unseren Hof brachten.


Im Winter 1635/36 wütete von Württemberg bis Lothrin­gen die seit vielen Jahren schlimmste Hungersnot. In Calw sah der Pastor eine Frau das rohe Fleisch von ei­nem toten Pferd nagen, an dem auch ein hungriger Hund und einige Raben fraßen. Im Elsaß wurden die Leichen von Verbrechern von den Galgen gerissen und gierig ver­zehrt [… ]; in Zweibrücken gestand eine Frau, ihr eigenes Kind gegessen zu haben. Eichel, Ziegenhaut und Gras wurden im Elsaß gekocht; Katzen, Hunde und Ratten auf dem Markt von Worms verkauft. In Fulda und Coburg und im großen Flüchtlingslager von Frankfurt fürchteten die Menschen ständig, von den vor Hunger Wahnsinnigen getötet und verzehrt zu werden.

»Auf dem norddeutschen Kriegs­schauplatze entfalteten die Seuchen eine verheerende Tätigkeit. In Stet­tin herrschte die hitzige Krankheit (Typhus), welcher die Gattin des schwedischen Generals Horn am 12. August erlag. In Mecklenburg gras­sierte die rote Ruhr; sie forderte zahlreiche Opfer. In Parchim erlagen vom August bis November mehr als 100 Menschen derselben Krankheit. Nach einer großen Hungersnot brach in Prenzlau die Pest aus, um in ¾ Jahren 1.5o Menschen - wohl 25% der Bevölkerung - der Erde zu überliefern.

Der Galgenbaum – Darstellung von Kriegsgräueln nach Jacques Callot (1632)



Vorlage:Dreißigjähriger Krieg