Apostola apostolorum: Unterschied zwischen den Versionen
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== Maria aus Magdala == | |||
=== Maria Magdalena im Bild === | |||
[[File:Maria Magdalena in St. Mauritius Kärlich (um 1730 - Sp).JPG|Maria Magdalena in St. Mauritius Kärlich (um 1730 - Sp)|mini]] | |||
Maria aus Magdala gehört zu den beliebten und häufig dargestellten Heiligen der katholischen Kirche. Das Bild unten ist an einer Säule der Pfarrkirche von Mülheim-Kärlich angebracht. Die Kirche ist dem Heiligen Mauritius und der heiligen Maria Magdalena geweiht, besteht seit mehr als tausend Jahren, wurde aber immer wieder um- und angebaut, zuletzt 1931. Die barocken Heiligenfiguren aus dem 18. Jahrhundert wurden in den neu gebauten Teilen wieder aufgestellt, darunter die hier dargestellte Maria Magdalena: | |||
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=== Maria Magdalena in den Evangelien === | |||
[[Datei:Magdalena unter dem Kreuz Dürer Zeichnung 1523.jpg|thumb|Eine Studie von Albrecht Dürer, die Maria Magdalena unter dem Kreuz zeigt.]] | |||
Maria, genannt Magdalena, wird neben Johanna und Susanna als eine der Frauen genannt, die zusammen mit vielen namentlich nicht genannten Frauen Jesus bei seinen Wanderungen durch Galiläa begleiten. Johanna wird vorgestellt als die Frau des Chuza, einem Verwaltungsbeamten im Dienst des Königs Herodes. Von Susanna erfahren wir weiter nichts, doch von Maria wird gesagt, dass ''sieben Dämonen von ihr abgelassen hatten''. (Lukas 81-3). Eine ausführliche Heilungsgeschichte davon gibt es in den Evangelien nicht. Im Anhang des Markusevangeliums wird erwähnt, dass der auferstandene Jesus der Maria, der Magdalenerin erschienen sei, ''der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte'' (Markus 16,9). Demnach wäre diese Maria durch eine Heilungserfahrung zu Jesus gekommen. | |||
Drei der vier Evangelien erwähnen Maria Magdalena ausdrücklich als Augenzeugin der Kreuzigung Jesu (Mt 27,56; Mk 15,40 Joh 19,25). In den Bildern von der Kreuzigung Jesu hat sich die Version des Johannesevangeliums durchgesetzt, nach der bei dem Kreuz neben der Maria aus Magdala und der Maria, der Frau des Klopas, auch Maria, die Mutter Jesu, und ''der Jünger, den Jesus liebte,'' standen. (Johannes 19,25-27). | |||
== Maria aus Magdala == | |||
[[File:Angelico, noli me tangere.jpg|thumb|Fra Angelico: Noli me tangere (1442)]] | |||
Alle Evangelien stimmen darin überein, dass Maria Magdalena zu den Frauen gehörte, die am Sonntag nach Jesu Hinrichtung sein Grab aufsuchten (Mt 28,1; Mk 16,1; Lk 24,10; Joh 20,1). Sie fanden das Grab leer und wurden darüber belehrt, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Johannes (20,11-18) hat die Begegnung des Auferstanden mit Magdalena als anrührendes Gespräch gestaltet, in dem Jesus seine Anhängerin daran hindert, ihn festzuhalten. Die lateinische Formel dafür - ''Noli me tangere'' - ist zu einem beliebten Bildtitel geworden. | |||
Die Annahme liegt nahe, dass sie zu den Frauen gehörte, die sich zwischen Ostern und Pfingsten in einem ''Obergemach versammelten,'' um dort gemeinsam zu beten (Apostelgeschichte 1,14). Dann hat sie auch die Ausgießung des Heiligen Geistes miterlebt, die wir an Pfingsten feiern, und ist Gründungsmitlied der christlichen Kirche. Die Annahme liegt vom Kontext her nahe; namentlich erwähnt wird Maria aus Magdala in der Apostelgeschichte nicht, ebensowenig in den übrigen Schriften des Neuen Testamentes. | |||
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Evangelien keine Nachrichten oder Protokolle in unserem Sinne sind; alleine die Abweichungen zwischen verschiedenen Versionen der Geschichten verbieten es, aus ihnen eine exakte Rekonstruktion der historischen Ereignisse gewinnen zu wollen. Was wir sicher sagen können: Die Evangelisten fanden, dass von einer Frau namens Maria aus der galiläischen Stadt Magdala erzählt werden muss, weil man sonst einen wesentlichen Zug der Person Jesu Christi nicht kennt. Dabei geht es nicht vordringlich um die Details eines individuellen Schicksals, sondern um die Möglichkeiten, die einem Menschen, einer Frau in der Gegenwart Jesu Christi offenstehen. Diese Möglichkeiten haben in dem Ehrentitel '''''Apostola Apostolorum,''''' '''die Botschafterin der Botschafter Christi,''' ihren treffenden Ausdruck gefunden. | |||
=== Maria Magdalena in der Legende === | |||
[[File:Eglise de la Madeleine Charles Marochetti Ravissement de Sainte Marie-Madeleine 2 27102018.jpg|thumb|Maria Magdalena, von Engeln getragen, Hochaltar in La Madeleine, Paris, gestaltet von Carlo Marochetti 1842]] | |||
Die ''Leganda Aurea'' wurde 1263-1273 verfasst von dem Dominikaner Jakobus de Voragine, von 1282-1292 Erzbischof von Genua. Die ''Legenda'' war für 300 Jahre eines der beliebtesten Bücher des christlichen Abendlandes und Vorbild der religiösen Kunst dieser Epoche.<ref>Die Legenda Aurea, übersetzt von Richard Benz, Heidelberg (Lambert Schneider) 1979</ref> | |||
In der ''Legenda Aurea'' wird Maria aus Magdala mit Maria aus Bethanien, der Schwester Marthas und Lazarus' identifiziert. Die drei Geschwister wurden, so erzählt es Jakobus, zusammen mit anderen Christen in einem Boot ohne Antrieb und Steuer auf dem Mittelmeer ausgesetzt und kamen auf wunderbare Weise an die französische Küste in der Nähe des Ortes ''Saintes-Maries-de-la-Mer.'' Sie wanderten dann auf getrennten Wegen durch den südlichen Teil Frankreichs, um dort die christliche Botschaft zu verbreiten. Lazarus wurde der erste Bischof von ''Marseille'', Maria verbrachte im ''massif de sainte baume'' dreißig Jahre der Buße und Entsagung; von Marta wird erzählt, dass sie bei ''Tarascon'' in der Nähe von Avignon einen Drachen gezähmt und dort dreißig Jahre gelebt hat. | |||
Eine andere Legende erzählt, dass Maria Magdalena Johannes und Jesu Mutter nach ''Ephesos'' begleitet hat und dort lebte; Lazarus wiederum wird auch in ''Larnaka auf Zypern'' als erster Bischof verehrt, seine Reliquien wurden allerdings nach ''Konstantinopel'' - heute Istanbul - gebracht und dort durch Kreuzritter 1204 geraubt. Auf diese Weise kam es, folgt man der zypriotischen Version, zur Verehrung des Lazarus in Frankreich. Auch in Burgund werden die Gebeine der Geschwister verehrt: Maria in {{wpde|Vezelay}}, Lazarus in {{wpde|Autun}}.<ref>https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Maria_Magdalena.html und https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martha_von_Bethanien.html und https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Lazarus_von_Bethanien.html</ref> | |||
Nach der "Echtheit" der gezeigten Reliquien zu fragen, macht daher wenig Sinn. Wir sehen vielmehr, dass sowohl im Osten als auch im Westen Maria aus Magdala als so wichtig empfunden wurde, dass man an vielen Orten die Verbindung zu ihr suchte (und in den passenden Legenden und Hinterlassenschaften auch fand), nicht zu vergessen die wechselvolle Geschichte der Kirche {{wpde|La_Madeleine_(Paris)|La Madeleine zu Paris}}. | |||
=== Aufgaben zur Überprüfung des Wissens === | |||
<references /> | |||
[[Kategorie:Religion]] | |||
[[Kategorie:Sekundarstufe 2]] | |||
[[Kategorie:Sekundarstufe 1]] | |||
[[Kategorie:Interaktive Übung]] | |||
Aktuelle Version vom 21. März 2026, 09:36 Uhr
Maria aus Magdala
Maria Magdalena im Bild
Maria aus Magdala gehört zu den beliebten und häufig dargestellten Heiligen der katholischen Kirche. Das Bild unten ist an einer Säule der Pfarrkirche von Mülheim-Kärlich angebracht. Die Kirche ist dem Heiligen Mauritius und der heiligen Maria Magdalena geweiht, besteht seit mehr als tausend Jahren, wurde aber immer wieder um- und angebaut, zuletzt 1931. Die barocken Heiligenfiguren aus dem 18. Jahrhundert wurden in den neu gebauten Teilen wieder aufgestellt, darunter die hier dargestellte Maria Magdalena:
- Schau Dir die Statue aufmerksam an und notiere die Details, die Du erkennnn kannst.
- Tausche Dich mit einem Mitschüler oder einer Mitschülerin aus und ergänzt Eure Beobachtungen.
Maria Magdalena in den Evangelien
Maria, genannt Magdalena, wird neben Johanna und Susanna als eine der Frauen genannt, die zusammen mit vielen namentlich nicht genannten Frauen Jesus bei seinen Wanderungen durch Galiläa begleiten. Johanna wird vorgestellt als die Frau des Chuza, einem Verwaltungsbeamten im Dienst des Königs Herodes. Von Susanna erfahren wir weiter nichts, doch von Maria wird gesagt, dass sieben Dämonen von ihr abgelassen hatten. (Lukas 81-3). Eine ausführliche Heilungsgeschichte davon gibt es in den Evangelien nicht. Im Anhang des Markusevangeliums wird erwähnt, dass der auferstandene Jesus der Maria, der Magdalenerin erschienen sei, der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte (Markus 16,9). Demnach wäre diese Maria durch eine Heilungserfahrung zu Jesus gekommen.
Drei der vier Evangelien erwähnen Maria Magdalena ausdrücklich als Augenzeugin der Kreuzigung Jesu (Mt 27,56; Mk 15,40 Joh 19,25). In den Bildern von der Kreuzigung Jesu hat sich die Version des Johannesevangeliums durchgesetzt, nach der bei dem Kreuz neben der Maria aus Magdala und der Maria, der Frau des Klopas, auch Maria, die Mutter Jesu, und der Jünger, den Jesus liebte, standen. (Johannes 19,25-27).
Alle Evangelien stimmen darin überein, dass Maria Magdalena zu den Frauen gehörte, die am Sonntag nach Jesu Hinrichtung sein Grab aufsuchten (Mt 28,1; Mk 16,1; Lk 24,10; Joh 20,1). Sie fanden das Grab leer und wurden darüber belehrt, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Johannes (20,11-18) hat die Begegnung des Auferstanden mit Magdalena als anrührendes Gespräch gestaltet, in dem Jesus seine Anhängerin daran hindert, ihn festzuhalten. Die lateinische Formel dafür - Noli me tangere - ist zu einem beliebten Bildtitel geworden.
Die Annahme liegt nahe, dass sie zu den Frauen gehörte, die sich zwischen Ostern und Pfingsten in einem Obergemach versammelten, um dort gemeinsam zu beten (Apostelgeschichte 1,14). Dann hat sie auch die Ausgießung des Heiligen Geistes miterlebt, die wir an Pfingsten feiern, und ist Gründungsmitlied der christlichen Kirche. Die Annahme liegt vom Kontext her nahe; namentlich erwähnt wird Maria aus Magdala in der Apostelgeschichte nicht, ebensowenig in den übrigen Schriften des Neuen Testamentes.
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Evangelien keine Nachrichten oder Protokolle in unserem Sinne sind; alleine die Abweichungen zwischen verschiedenen Versionen der Geschichten verbieten es, aus ihnen eine exakte Rekonstruktion der historischen Ereignisse gewinnen zu wollen. Was wir sicher sagen können: Die Evangelisten fanden, dass von einer Frau namens Maria aus der galiläischen Stadt Magdala erzählt werden muss, weil man sonst einen wesentlichen Zug der Person Jesu Christi nicht kennt. Dabei geht es nicht vordringlich um die Details eines individuellen Schicksals, sondern um die Möglichkeiten, die einem Menschen, einer Frau in der Gegenwart Jesu Christi offenstehen. Diese Möglichkeiten haben in dem Ehrentitel Apostola Apostolorum, die Botschafterin der Botschafter Christi, ihren treffenden Ausdruck gefunden.
Maria Magdalena in der Legende
Die Leganda Aurea wurde 1263-1273 verfasst von dem Dominikaner Jakobus de Voragine, von 1282-1292 Erzbischof von Genua. Die Legenda war für 300 Jahre eines der beliebtesten Bücher des christlichen Abendlandes und Vorbild der religiösen Kunst dieser Epoche.[1]
In der Legenda Aurea wird Maria aus Magdala mit Maria aus Bethanien, der Schwester Marthas und Lazarus' identifiziert. Die drei Geschwister wurden, so erzählt es Jakobus, zusammen mit anderen Christen in einem Boot ohne Antrieb und Steuer auf dem Mittelmeer ausgesetzt und kamen auf wunderbare Weise an die französische Küste in der Nähe des Ortes Saintes-Maries-de-la-Mer. Sie wanderten dann auf getrennten Wegen durch den südlichen Teil Frankreichs, um dort die christliche Botschaft zu verbreiten. Lazarus wurde der erste Bischof von Marseille, Maria verbrachte im massif de sainte baume dreißig Jahre der Buße und Entsagung; von Marta wird erzählt, dass sie bei Tarascon in der Nähe von Avignon einen Drachen gezähmt und dort dreißig Jahre gelebt hat.
Eine andere Legende erzählt, dass Maria Magdalena Johannes und Jesu Mutter nach Ephesos begleitet hat und dort lebte; Lazarus wiederum wird auch in Larnaka auf Zypern als erster Bischof verehrt, seine Reliquien wurden allerdings nach Konstantinopel - heute Istanbul - gebracht und dort durch Kreuzritter 1204 geraubt. Auf diese Weise kam es, folgt man der zypriotischen Version, zur Verehrung des Lazarus in Frankreich. Auch in Burgund werden die Gebeine der Geschwister verehrt: Maria in Vezelay
, Lazarus in Autun
.[2]
Nach der "Echtheit" der gezeigten Reliquien zu fragen, macht daher wenig Sinn. Wir sehen vielmehr, dass sowohl im Osten als auch im Westen Maria aus Magdala als so wichtig empfunden wurde, dass man an vielen Orten die Verbindung zu ihr suchte (und in den passenden Legenden und Hinterlassenschaften auch fand), nicht zu vergessen die wechselvolle Geschichte der Kirche La Madeleine zu Paris
.
Aufgaben zur Überprüfung des Wissens
- ↑ Die Legenda Aurea, übersetzt von Richard Benz, Heidelberg (Lambert Schneider) 1979
- ↑ https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Maria_Magdalena.html und https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martha_von_Bethanien.html und https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Lazarus_von_Bethanien.html
