Amerikanische Revolution/Die verkauften Landeskinder

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Als verkaufte Landeskinder wurden die im sogenannten SoldatenhandelWikipedia-logo.png überlassenen deutschen Soldaten genannt, die gegen Geldzahlungen an die Landesfürsten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfen mussten.


Aufgabe
  1. Was sagt Q1 aus über die Bedeutung des Soldatenhandels für die deutschen Fürsten?
  2. Überlege, welches Schicksal die Mehrzahl der verkauften jungen Männer erlitt (Q2)
  3. In dem Theaterstück von Friedrich Schiller werden politische und gesellschaftliche Zustände des Absolutismus angeklagt. Welche?
  4. Versuche, die Berechtigung der Kritik aufgrund Deiner Kenntnisse über den Absolutismus zu beurteilen.

Q1: Eine neue Einnahmequelle

Der Minister des Fürstentums Ansbach über den Verkauf von 2 353 "Landeskindern" als Söldner:

Zitat

"Sobald die Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fließen wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden mit den Mitteln, die uns jetzt zufließen, so werden sie entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist, die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben, nämlich - unsere Schulden."


Karl Friedrich Reinhard von Gemmingen, MinisterWikipedia-logo.png

Q2: Truppenlieferungen

Zwischen 1775 und 1783 erfolgten folgende Truppenlieferungen an England:

Herkunft Preis (in Pfund) Mann Tote
Hessen-Kassel 273 257 16 992 6 500
Braunschweig 172 696 5 723 3 015
Hessen-Nassau 173 174 2 422 981
Waldeck 66 444 1 225 720

Schiller: Kabale und Liebe (1784)

Zitat

Kammerdiener: Seine Durchlaucht der Herzog empfehlen sich Mylady zu Gnaden und schicken Ihnen diese Brillanten zur Hochzeit. Sie kommen soeben erst aus Venedig.

Lady (hat das Kästchen geöffnet und fährt erschrocken zurück): Mensch! Was bezahlt dein Herzog für diese Steine?

Kammerdiener (mit finsterem Gesicht): Sie kosten ihn keinen Heller.

Lady: Was? Bist du rasend? Nichts? [. ..] nichts kosten ihn diese unermesslich kostbaren Steine?

Kammerdiener: Gestern sind siebentausend Landskinder nach Amerika fort - die zahlen alles.

Lady (setzt den Schmuck plötzlich nieder und geht rasch durch den Saal, nach einer Pause zum Kammerdiener): Mann! Was ist dir? Ich glaube, du weinst?

Kammerdiener (wischt sich die Augen, mit schrecklicher Stimme, alle Glieder zitternd): Edelsteine, wie diese da - ich hab' auch ein paar Söhne drunter.

Lady (wendet sich bebend weg, seine Hand fassend): Doch keinen Gezwungenen?

Kammerdiener (lacht fürchterlich): Oh Gott! -nein - lauter Freiwillige. Es traten wohl so etliche vorlaute Bursch' vor die Front heraus und fragten den Obersten, wie teuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe? -Aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschieren und die Maulaffen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe! Nach 'Amerika! -

[...]

Lady (steht auf, heftig bewegt): Weg mit diesen Steinen - sie blitzen Höllenflammen in mein Herz.

(Sanfter zum Kammerdiener.)

Mäßige dich, armer, alter Mann. Sie werden wiederkommen. Sie werden ihr Vaterland wiedersehen.

'Kammerdiener: (warm und voll): Das weiß der Himmel. Das werden sie! - Noch am Stadttor drehten sie sich um und schrieen: Gott mit Euch, Weib und Kinder! -Es leb' unser Landesvater - am jüngsten Gericht sind wir wieder da! -


Friedrich Schiller: Kabale und Liebe (1784)

Weblinks

Siehe auch