Sonett: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in der italienischen Originalform in vier kurze Strophen eingeteilt sind: zwei vierzeilige Quartette oder Quartinen und zwei sich daran anschließende dreizeilige Terzette oder Terzinen. Die englische Form (z.B. ''Shakespeare's sonnets'') besteht aus drei Quartetten und einem abschließenden Reimpaar (rhyming couplets).  
Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in der italienischen Originalform in vier kurze Strophen eingeteilt sind: zwei vierzeilige Quartette oder Quartinen und zwei sich daran anschließende dreizeilige Terzette oder Terzinen. Die englische Form (z.B. ''Shakespeare's sonnets'') besteht aus drei Quartetten und einem abschließenden Reimpaar (rhyming couplets).  


Die innere Struktur eines Sonettes leitet sich aus dem Aufbau des [[Emglem|Emblems]] her: Motto (Überschrift), Pictura (Bild), Subscriptio (Deutung des Bildinhaltes)  
Die innere Struktur eines Sonetts leitet sich aus dem Aufbau des [[Emblem|Emblems]] her: Motto (Überschrift), Pictura (Bild), Subscriptio (Deutung des Bildinhaltes). Auf die stark bildhaften Quartette folgt - meist in einem Abstraktionssprung - deren Reflexion in den Terzetten.


==Ein paar Beispiele==
In der deutschen Literatur ist das Sonett besonders im Barock vertreten, sein strenger und am [[Emblem]] orientierter Aufbau entsprach dem Formwillen und dem Ordnungsbedürfnis dieser Zeit. Sonette finden sich wieder im Alterswerk Goethes, wo ihre Verwendung ebenfalls einem Bedürfnis nach Struktur und Ausgeglichenheit entsprach. In der Literatur des Expressionismus wurde gerne in der Sonett-Form gedichtet, dabei tritt der Kontrast zwischen strenger äußerer Form und inhaltlicher Dekadenz deutlich zutage.
 
Die Sonett-Form wurde von viele Schriftstellern als Herausforderung ihrer Schreibkunst verstanden, wenn es gelingt, die gedankliche und sprachliche Kreativität im Spiel mit vorgegebenen, strengen Regel zu bändigen (R.M. Rilke oder B. Brecht)
 
==Ein paar Beispiele: Formspiele==
Gerhard Rühm sonett (v.1970)
Gerhard Rühm sonett (v.1970)
:erste Strophe erste Zeile
:erste Strophe erste Zeile

Version vom 11. Oktober 2005, 15:23 Uhr

Das Sonett (aus dem Italienischen: sonare = "tönen, klingen") ist eine Gedicht-Form.

Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in der italienischen Originalform in vier kurze Strophen eingeteilt sind: zwei vierzeilige Quartette oder Quartinen und zwei sich daran anschließende dreizeilige Terzette oder Terzinen. Die englische Form (z.B. Shakespeare's sonnets) besteht aus drei Quartetten und einem abschließenden Reimpaar (rhyming couplets).

Die innere Struktur eines Sonetts leitet sich aus dem Aufbau des Emblems her: Motto (Überschrift), Pictura (Bild), Subscriptio (Deutung des Bildinhaltes). Auf die stark bildhaften Quartette folgt - meist in einem Abstraktionssprung - deren Reflexion in den Terzetten.

In der deutschen Literatur ist das Sonett besonders im Barock vertreten, sein strenger und am Emblem orientierter Aufbau entsprach dem Formwillen und dem Ordnungsbedürfnis dieser Zeit. Sonette finden sich wieder im Alterswerk Goethes, wo ihre Verwendung ebenfalls einem Bedürfnis nach Struktur und Ausgeglichenheit entsprach. In der Literatur des Expressionismus wurde gerne in der Sonett-Form gedichtet, dabei tritt der Kontrast zwischen strenger äußerer Form und inhaltlicher Dekadenz deutlich zutage.

Die Sonett-Form wurde von viele Schriftstellern als Herausforderung ihrer Schreibkunst verstanden, wenn es gelingt, die gedankliche und sprachliche Kreativität im Spiel mit vorgegebenen, strengen Regel zu bändigen (R.M. Rilke oder B. Brecht)

Ein paar Beispiele: Formspiele

Gerhard Rühm sonett (v.1970)

erste Strophe erste Zeile
erste Strophe zweite Zeile
erste Strophe dritte Zeile
erste Strophe vierte Zeile
zweite Strophe erste Zeile
zweite Strophe zweite Zeile
zweite Strophe dritte Zeile
zweite Strophe vierte Zeile
dritte Strophe erste Zeile
dritte Strophe zweite Zeile
dritte Strophe dritte Zeile
vierte Strophe erste Zeile
vierte Strophe zweite Zeile
vierte Strophe dritte Zeile


Ernst Jandl sonett 1 (v. 1974)

abnett
benett
ernett
annett
danett
esnett
genett
janett
imnett
obnett
dunett
innett
wonett
zunett


Zwei dichterischen Schwestern - von ihrem Oheim Eduard Mörike

Heut lehr' ich euch die Regel der Son--
Versucht gleich eins! Gewiss, es wird ge--,
Vier Reime hübsch mit vieren zu versch--,
Dann noch drei Paare, dass man vierzehn h--,
Lasst demnach an der vielgeteilten K--
Als Glied in Glied so einen Schlussring sp--:
Das muss alsdann wie pures Gold erk--;
Gewisse Herrn zwar hängen Klett' an K--.
Ein solcher findet meine schönen N--
Bei diesem Muster. "Ah, Fräulein, Si st--!"-
"Oh nein, Herr Graf, hier gilt es Silben z--." -
"Wirklich! Doch wenn die Lauren selber d--,
Was soll Petrarka?" - "Der mag Strümpfe str--.
Eins wie das andre ist für schöne S--."

Die Endsilben wurden vom Autor selbst weggelassen.

Weblinks

  • Sonett Archiv - Burgdorfer Verlag für die kleinen Formen der Literatur: Lyrik, Kurzprosa, Illustrierte Bücher, Originalgrafik, Sonette, Cafe des Ostens...
  • fulgura frango - Robert Wohlleben erklärt alles Wichtige zum Sonett
"Shakespeare wrote over 150 sonnets! Join our Sonnet-A-Day Newsletter and read them all, one at a time." - Hier kann der/die Interessierte sich in eine E-mail-liste eintragen (subscibe) und erhält dann in regelmäßigen Abständen ein Shakespeare-Sonett (Shakespeare's sonnet) zugeschickt.

Siehe auch