KI und Religion
Literatur
Claudia Paganini: Der neue Gott. Künstliche Intelligenz und die menschliche Sinnsuche, Freiburg (Herder) 2025
Dirk Baecker (*1955): Die Gesellschaft der Zukunft lebt in Netzwerken in: Deutschlandfunk Nova Hörsaal vom 22. 9. 2019: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/soziologie-die-gesellschaft-der-zukunft-lebt-in-netzwerken nachgeschlagen am 13.11.2025 10:01.
KI als Gott?
Neun Eigenschaften Gottes nach Claudia Paganini
- Schau dir die neun Eigenschaften (eines) Gottes genau an.
- Bringe die Eigenschaften in eine Reihenfolge: Welche Eigenschaften sind für "Göttlichkeit" am wichtigsten.
- Versuche für die ersten drei oder vier Eigenschaften eine Definition.
- Benenne Deine Quellen: Wo hast Du gelernt, dass Deine Definitionen die göttlichen Eigenschaften richtig beschreiben?
| Göttliche Eigenschaft | Übertragung auf KI |
|---|---|
| Beginnend mit dem ägyptischen König Echnaton setzt sich in Judentum, Christentum und Islam die Idee der Einzigkeit Gottes durch, die eine Entsprechung im Polytheismus hat, sofern das Pantheon hierarchisch aufgebaut ist. | Der Moment der Einzigkeit (Singularität) der KI wird erreicht sein, wenn es nicht nur eine Pluralität nützlicher Anwendungen gibt, sondern die KI autonom an ihrer eigenen Verbesserung arbeitet und damit dem Menschen als einheitlicher und einzigartiger Innovationsmotor gegenübersteht. |
| Die Vorstellung von der Allgegenwart der Götter, des einen Gottes oder abstrakter göttlicher Kräfte lässt sich nicht nur in den Vorstellungen und Riten der Menschen seit frühester Zeit nachweisen, sondern prägt auch ihr Handeln, das sich vor dem stets anwesenden Göttlichen verantworten muss. | Während die Gläubigen bislang nur darauf hoffen und vertrauen konnten, in allen Unwägbarkeiten des Daseins stets einen potenten Begleiter in Form ihrer Götter oder des einen Gottes an ihrer Seite zu haben, ist es mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz gelungen, einen solchen überlegenen Begleiter zweifellos "echt" zur Verfügung zu stellen. |
| Während im Polytheismus die Götter jeweils auf bestimmte Aufgaben spezialisiert sind und ein begrenztes Expertenwissen besitzen, gilt der Gott der monotheistischen Religionen als allwissend. Er weiß alles über den Lauf der Welt und blickt in das Innerste des Menschen und kennt dessen Zukunft. Das widerspricht der Vorstellung menschlicher Handlungsfreiheit. | Da KI prinzipiell auf alle verfügbaren Daten zugreift, weiß sie alles, was gewusst werden kann. Sie wird als dem Menschen überlegene Superintelligenz mehr und mehr strategische und organisatorische Entscheidungen dominieren. Dadurch könnte es zu einer Situation kommen, in der sich der Mehrwert unserer Freiheit nicht mehr entschließt und wir der allwissenden KI alle Entscheidungen überlassen. |
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Die Benutzeroberfläche der KI im Vergleich
Um Dir die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für Dich als Benutzer klarzumachen, stell Dir bitte zuerst mal vor, Du hast nur Deinen PC zur Verfügung und sonst nichts, kein Modem, kein WLAN, kein Internet: Flugmodus. Was kannst Du dann mit Deinem Endgerät noch anfangen - und was nicht?
Im nächsten Schritt versuch Dir bitte vorzustellen, welche Möglichkeiten dazukommen, wenn Dein PC einfach nur ans Internet angeschlossen wird, zunächst ohne dass Dir irgendeine Software hilft, Dich im Internet zurechzufinden.
Wenn nun eine Suchmaschine hinzukommt, was wird dann möglich; welche Abhängigkeiten entstehen dann aber auch?
Klassische und "künstlich intelligente" Programmierung
Klassische Programmiertechniken geben der Maschine eine Kette von Anweisungen oder Programmschritten, die in einer festgelegten Reihenfolge abzuarbeiten sind. Dabei sind Verzweigungen möglich, an denen der Nutzer Einfluss auf das weitere Programm nehmen kann; es sind Schleifen möglich, wodurch das Programm zum Beispiel angewiesen wird, so lange zu rechnen, bis das Ergebnis eine festgelegte Genauigkeit erreicht hat.
KI-Anwendungen funktionieren grundlegend anders: Das Programm bekommt keine klassische Eingabe (z.B. Errechne die Wurzel aus 5 auf drei Stellen genau!), sondern eine Anweisung - einen "Prompt" (z.B. Male ein hübsches Blumenbild!). KI setzt voraus, dass das Programm auf einen riesigen Datenvorrat zurückgreifen kann, zum Beispiel auf Bilddaten mit schönen Blumenbildern. In diesem Datenvorrat erkennt das Programm Muster, die offenbar für die meisten Nutzerinnen und Nutzer ein "schönes Blumenbild" auszeichnen. Dabei ist das Ergebnis nicht so eindeutig festgelegt, denn das Muster, das dem Prompt "schönes Blumenbild" entspricht, lässt verschiedene Varianten zu.


