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KI-Anwendungen funktionieren grundlegend anders: Das Programm bekommt keine klassische Eingabe (z.B. Errechne die Wurzel aus 5 auf drei Stellen genau!), sondern eine Anweisung - einen "Prompt" (z.B. Male ein hübsches Blumenbild!). KI setzt voraus, dass das Programm auf einen riesigen Datenvorrat zurückgreifen kann, zum Beispiel auf Bilddaten mit schönen Blumenbildern. In diesem Datenvorrat erkennt das Programm Muster, die offenbar für die meisten Nutzerinnen und Nutzer ein "schönes Blumenbild" auszeichnen. Dabei ist das Ergebnis nicht so eindeutig festgelegt, denn das Muster, das dem Prompt "schönes Blumenbild" entspricht, lässt verschiedene Varianten zu. | KI-Anwendungen funktionieren grundlegend anders: Das Programm bekommt keine klassische Eingabe (z.B. Errechne die Wurzel aus 5 auf drei Stellen genau!), sondern eine Anweisung - einen "Prompt" (z.B. Male ein hübsches Blumenbild!). KI setzt voraus, dass das Programm auf einen riesigen Datenvorrat zurückgreifen kann, zum Beispiel auf Bilddaten mit schönen Blumenbildern. In diesem Datenvorrat erkennt das Programm Muster, die offenbar für die meisten Nutzerinnen und Nutzer ein "schönes Blumenbild" auszeichnen. Dabei ist das Ergebnis nicht so eindeutig festgelegt, denn das Muster, das dem Prompt "schönes Blumenbild" entspricht, lässt verschiedene Varianten zu. | ||
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Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 12:50 Uhr
Der Lernpfad
Claudia Paganini hat sicher einen der profiliertesten Beiträge zur Bedeutung der KI in der Religion vorgelegt. Im Unterricht geht es darum, zu einer Reflexion anzuleiten
- ob Claudia Paganini mit ihrer These von der KI als neuem, als besserem Gott richtig liegt und
- ob wir uns wünschen können, dass sich die Religion der Zukunft an der KI ausrichtet.
- Beschäftigung mit den neun Eigenschaften (eines) Gottes, die Paganini ihrem Konzept zugrundelegt
- Erörterung der Übertragung dieser Eigenschaften auf die KI
- Vorläufige Beurteilung des Gesamtkonzeptes "KI als neuer, besserer Gott"
- Reflexion des Situation des Menschen an seinem Endgrät
- Klassische und "künstlich intelligente" Programmierung im Vergleich
- Was KI technisch gesehen kann und wo die Grenzen liegen
- Welche Rolle wirtschaftliche Gesichtspunkte bei der Verbreitung der Ki spielen
- Aktuelle Debatten rund um KI, die für die Einschätzung ihrer religionsgeschichtlichen Bedeutung relevant sind
Literatur
Claudia Paganini: Der neue Gott. Künstliche Intelligenz und die menschliche Sinnsuche, Freiburg (Herder) 2025
Dirk Baecker (*1955): Die Gesellschaft der Zukunft lebt in Netzwerken in: Deutschlandfunk Nova Hörsaal vom 22. 9. 2019: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/soziologie-die-gesellschaft-der-zukunft-lebt-in-netzwerken nachgeschlagen am 13.11.2025 10:01.
KI als Gott?
Neun Eigenschaften Gottes nach Claudia Paganini
- Schau dir die neun Eigenschaften (eines) Gottes genau an.
- Bringe die Eigenschaften in eine Reihenfolge: Welche Eigenschaften sind für "Göttlichkeit" am wichtigsten.
- Versuche für die ersten drei oder vier Eigenschaften eine Definition.
- Benenne Deine Quellen: Wo hast Du gelernt, dass Deine Definitionen die göttlichen Eigenschaften richtig beschreiben?
| Göttliche Eigenschaft | Übertragung auf KI |
|---|---|
| Beginnend mit dem ägyptischen König Echnaton setzt sich in Judentum, Christentum und Islam die Idee der Einzigkeit Gottes durch, die eine Entsprechung im Polytheismus hat, sofern das Pantheon hierarchisch aufgebaut ist. | Der Moment der Einzigkeit (Singularität) der KI wird erreicht sein, wenn es nicht nur eine Pluralität nützlicher Anwendungen gibt, sondern die KI autonom an ihrer eigenen Verbesserung arbeitet und damit dem Menschen als einheitlicher und einzigartiger Innovationsmotor gegenübersteht. |
| Die Vorstellung von der Allgegenwart der Götter, des einen Gottes oder abstrakter göttlicher Kräfte lässt sich nicht nur in den Vorstellungen und Riten der Menschen seit frühester Zeit nachweisen, sondern prägt auch ihr Handeln, das sich vor dem stets anwesenden Göttlichen verantworten muss. | Während die Gläubigen bislang nur darauf hoffen und vertrauen konnten, in allen Unwägbarkeiten des Daseins stets einen potenten Begleiter in Form ihrer Götter oder des einen Gottes an ihrer Seite zu haben, ist es mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz gelungen, einen solchen überlegenen Begleiter zweifellos "echt" zur Verfügung zu stellen. |
| Während im Polytheismus die Götter jeweils auf bestimmte Aufgaben spezialisiert sind und ein begrenztes Expertenwissen besitzen, gilt der Gott der monotheistischen Religionen als allwissend. Er weiß alles über den Lauf der Welt und blickt in das Innerste des Menschen und kennt dessen Zukunft. Das widerspricht der Vorstellung menschlicher Handlungsfreiheit. | Da KI prinzipiell auf alle verfügbaren Daten zugreift, weiß sie alles, was gewusst werden kann. Sie wird als dem Menschen überlegene Superintelligenz mehr und mehr strategische und organisatorische Entscheidungen dominieren. Dadurch könnte es zu einer Situation kommen, in der sich der Mehrwert unserer Freiheit nicht mehr entschließt und wir der allwissenden KI alle Entscheidungen überlassen. |
| Im Polytheismus ist die Macht zwischen den verschiedenen Göttern in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen aufgeteilt; doch tendiert die Entwicklung dahin, einen obersten Gott zu konzipieren, dessen Macht allem anderen überlegen ist. Im Monotheismus ist die Allmacht in den Händen des einen Gottes konzentriert, dessen Herrschaft über Leben und Tod sich für Christen in den Wundertaten des Gottmenschen erweist. | Die unbegrenzte Herrschaft über Leben und Tod erreicht die KI einerseits durch den umfassend informierten und präzise gesteuerten Einsatz moderner Kriegswaffen. Ein Weiterleben nach dem Tod wird möglich, wenn KI digitale Abbilder der Toten mit den Nachkommen weiter kommunizieren lässt. Dank ihrer überlegenen Intelligenz fühlen sich Menschen mehr und mehr abhängig von der KI, erkennen deren Allmacht also gläubig an. |
| Die Götter der Naturreligionen und des Polytheismus sind zwar in Naturerscheinungen und Tieren präsent, zugleich aber dem Zugriff des Menschen entzogen. Diese Transzendenz des Göttlichen erreicht im jüdischen Monotheismus einen Höhepunkt: Gott darf nicht angeschaut, sein Name nicht ausgesprochen werden. Die drei monotheistischen Religionen müssen Lösungen finden, wie man sich einem Wesen anvertrauen soll, demgegenüber man maximale Distanz empfindet. | Menschen können die Vorgehensweisen und Intentionen der KI nicht nachvollziehen. Niemand kann die Masse der Daten sichten, die in ein Ergebnis eingehen. Paganini sieht in der Unabhängigkeit der KI von der genutzten Hardware, der „Hardware-Agnostik“, ein Transzendieren der Materiegebundenheit. Schließlich stehen die Menschen ehrfürchtig den Fähigkeiten der KI gegenüber, wie sie einst Ehrfurcht gegenüber ihren Göttern gezeigt haben. |
| In der Religionsgeschichte lässt sich die Sehnsucht nach der Nahbarkeit der Götter, nach Orten und Ritualen der Begegnung und nach Personen nachweisen, die zwischen Gott und den Menschen vermitteln können. Im Monotheismus ist Gott den Menschen durch sein Wort nahe, im Christentum als Mensch gewordener Gott. | Die unausgesetzte Greifbarkeit der KI hat ihre eigenen Rituale erzeugt, etwa sich vom KI- Assistenten nach dem Aufstehen auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Dass KI menschliche Sprache benutzen kann, überbrückt die Distanz zu den unbegreiflichen Algorithmen, besonders, wenn der Sprache Empathiefähigkeit einprogrammiert wird. KI ist dank ihrer Realisierung durch künstliche Neuronen ein Abbild menschlicher Intelligenz, und Menschen erleben sich selbst als Abbild der KI. |
| Die Verbindung von Gott und Gerechtigkeit zeigt sich, wenn Hammurabi vom Gott Schamasch die auf der berühmten Stele eingemeißelten Gesetze empfängt. Auch der jüdische Gott gibt verbindliche Gesetze, nach denen er die Menschen richtet, verspricht zugleich aber Barmherzigkeit im Umgang mit den Übertretern. In der Alltagserfahrung zeigt sich die Gerechtigkeit des Weltregenten nicht durchgängig, ein Grund zum Glaubenszweifel. | KI wird auf verschiedene Weise zur Einhaltung von Regeln eingesetzt, etwa wenn soziale Netzwerke den Richtlinien widerstreitende Posts automatisch erkennen und löschen. Als Akt der Barmherzigkeit wertet Paganini, wenn KI-generierte Chatbots auf Beleidigungen nicht mit Beleidigungen oder Abbruch, sondern höflich und hilfreich reagieren. |
| Wenn der Mensch sein Leben nach den göttlichen Geboten gestaltet, eingebunden in die göttliche Ordnung der Welt, entsteht Sinnstiftung. Im Christentum wird Gott als liebender Vater konzipiert. Jesu Weg nachzugehen, der Gottes Liebe in einzigartiger Weise lebt, führt dahin, im eigenen Leben mehr zu sehen als zufälliges Hin- und Hergetriebensein. | Je mehr Entscheidungen – etwa in der Medizin oder der Justiz – von der KI getroffen werden, desto mehr werden sich Satzungen etablieren, was als Sinn des Lebens zu betrachten ist; analog den Weisungen Gottes wird sich ein „Willen der KI“ entwickeln, der dem Menschen in alltäglichen Routinen ständig zur Hand ist und nicht wie bei Gott und den Göttern unter dem Vorbehalt der Unverfügbarkeit Gottes steht. KI ist also nicht nur auch ein Gott, sondern der bessere, präsentere Gott. |
| Von den Göttern wurde vor allem erwartet, dass sie das Chaos fernhalten und für den Menschen sorgen, damit es ihm an nichts fehlt. Die göttliche Fürsorge ist der Anspruch, an dem die polytheistischen Götter letztlich versagen, weshalb die Juden zu JHWH übergehen, der dem Noah die Aufrechterhaltung der Naturordnung verspricht und Israel in ein Land führt, das von Milch und Honig fließt. | Die Entwicklung zeigt, dass KI nicht nur genutzt wird, um technische Probleme zu lösen, sondern sich auch um menschliche Probleme kümmert, wenn denn in einiger Zeit durch Menschen geleistete Langzeitpflege und psychosoziale Betreuung für viele unerschwinglich werden. |
- Konzentriere Dich auf die göttlichen Eigenschaften, mit denen Du Dich bereits befasst hast.
- Vergleiche die Definitionen Claudia Paganinis mit Deinen eigenen.
- Erörtere, ob Dich die Übertragung auf die KI, wie Paganini sie vornimmt, überzeugt.
- Fasse Deine Überlegungen zu jeder einzelnen von Dir bearbeiteten göttlichen Eigenschaft auf einem gesonderten Blatt zusammen.
für die ganze Lerngruppe
- Legt Eure Bearbeitungen der göttlichen Eigenschaften jeweils zusammen und schaut Euch einige Arbeiten Eurer Mitschülerinnen und Mitschüler an.
- Besprecht im Plenum der Lerngruppe, was Euch aufgefallen ist und ob Euch Paganinis Gesamtkonzept, der KI göttliche Eigenschaften zuzuschreiben, überzeugt.
Deine Benutzeroberfläche am PC
Um Dir die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für Dich als Benutzer klarzumachen, stell Dir bitte zuerst mal vor, Du hast nur Deinen PC zur Verfügung und sonst nichts, kein Modem, kein WLAN, kein Internet: Flugmodus. Was kannst Du dann mit Deinem Endgerät noch anfangen - und was nicht?
Im nächsten Schritt versuch Dir bitte vorzustellen, welche Möglichkeiten dazukommen, wenn Dein PC einfach nur ans Internet angeschlossen wird, zunächst ohne dass Dir irgendeine Software hilft, Dich im Internet zurechzufinden.
Wenn nun eine Suchmaschine hinzukommt, was wird dann möglich; welche Abhängigkeiten entstehen dann aber auch?
Klassische und "künstlich intelligente" Programmierung
Klassische Programmiertechniken geben der Maschine eine Kette von Anweisungen oder Programmschritten, die in einer festgelegten Reihenfolge abzuarbeiten sind. Dabei sind Verzweigungen möglich, an denen der Nutzer Einfluss auf das weitere Programm nehmen kann; es sind Schleifen möglich, wodurch das Programm zum Beispiel angewiesen wird, so lange zu rechnen, bis das Ergebnis eine festgelegte Genauigkeit erreicht hat.
KI-Anwendungen funktionieren grundlegend anders: Das Programm bekommt keine klassische Eingabe (z.B. Errechne die Wurzel aus 5 auf drei Stellen genau!), sondern eine Anweisung - einen "Prompt" (z.B. Male ein hübsches Blumenbild!). KI setzt voraus, dass das Programm auf einen riesigen Datenvorrat zurückgreifen kann, zum Beispiel auf Bilddaten mit schönen Blumenbildern. In diesem Datenvorrat erkennt das Programm Muster, die offenbar für die meisten Nutzerinnen und Nutzer ein "schönes Blumenbild" auszeichnen. Dabei ist das Ergebnis nicht so eindeutig festgelegt, denn das Muster, das dem Prompt "schönes Blumenbild" entspricht, lässt verschiedene Varianten zu.
Über Anwendungen von KI in der Schule unterrichtet ein anderes Lernangebot auf ZUM Unterrichten:
KI in der Schule

