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Weihnachtswissen/Traditionen/Weihnachtsbaum/Lied O Tannenbaum

Aus ZUM-Unterrichten
Liedtext aus dem Jahr 1863: Damals wurde in den deutschen Ländern noch diese Schrift genutzt; man nennt sie Frakturschrift. Kannst du den Text entziffern?

Lied "O Tannenbaum!" + Frakturschrift TEIL 1 (Jhg. 5-7)

Autorin: Sabine Häcker

Begründung des Themas

Das Lied "O Tannenbaum" ist eines der weltweit bekanntesten Weihnachtslieder und lohnt sich deshalb zu kennen. Es besingt den Weihnachtsbaum, nicht die Geburt Jesu, und ist somit ein weltliches Weihnachtslied. Denn der Weihnachtsbaum ist kein religiöses Symbol - er steht für das familiäre Geschenkefest.

Noch vor 100 Jahren wurde in Deutschland in altdeutscher Schrift geschrieben, erst 1941 wurde die lateinische Schrift, mit der wir heute schreiben, verbindlich. Wenn man Bücher lesen will, die älter als 100 Jahre sind, muss man deshalb die altdeutsche Druckschrift lesen lernen... Das versuchen wir!

Kerzen auf einen Tannenbaum zu stecken war eine neue Mode Anfang des 19. Jahrhunderts (in der Zeit, als das Lied entstand) - und wurde das Symbol für die familiäre Geschenkefeier, die ebenfalls neu war. Das Grün des Baumes stand für das Grün der Natur und dass der Frühling hoffentlich bald wiederkommt.

Entstehung des Liedes (1819/1824)

Die erste Strophe wurde 1819 von einem jungen Mann namens August Zarnack geschrieben; sie gehörte zu einem Gedicht, das gar nicht von Weihnachten, sondern von Liebeskummer handelte. Der unglückliche Dichter verwendete den Weihnachtsbaum als Zeichen für Beständigkeit (die seine Liebste allerdings leider nicht wollte, sie hatte ihn verlassen).

Der Leipziger Ernst Anschütz ließ sich 1824 von der ersten Strophe inspirieren und dichtete zwei weihnachtliche Strophen hinzu. Es war eines der ersten Weihnachtslieder, in denen der Weihnachtsbaum besungen wurde. Anschütz hatte evangelische Theologie studiert und war Philosoph, Autor, Dichter, Komponist, Kantor, Organist, Volksliedsammler und Lehrer.

  • Was bedeutet Beständigkeit? Warum wählte August Zarnack den Tannenbaum als eine Metapher für Beständigkeit?
  • Wurde das Lied von Ernst Anschütz für den Gottesdienst in der Kirche oder für die private Feier zu Hause geschrieben?

Altdeutsche Schrift lesen lernen

Der Liedtext auf der Vorlage ist in altdeutscher Schrift geschrieben. Kannst du ihn entziffern? Wenn man altdeutsche Schrift lesen will, muss man folgendes wissen:

  • Von dem kleinen "s" gibt es zwei Varianten: Am Wortanfang und in der Wortmitte eines, dass so ähnlich aussieht wie ein „f“, und am Wortende das uns heute bekannte “s”. Sucht Beispiele in dem Text und besprecht sie gemeinsam!
  • Aufpassen muss man beim großen "A", denn es ähnelt dem lateinischen “U”.
  • Ebenso ähnelt das "K" dem “R”.
  • Die große "I" (wie Igel) und "J" sind in der altdeutschen Schrift gleich.
  • Das "ß" wurde früher "sz" geschrieben.
  • Gibt es noch andere Buchstaben, die du gar nicht erkennen kannst?

Eine Alphabetübersicht kann hilfreich sein. Du findest ein Frakturschrift-Alphabet auf dieser Seite: https://www.bfds.de/en/bund-fuer-deutsche-schrift-und-sprache-e-v/schriftgeschichte/

Differenzierende Aufgaben

ACHTUNG: Das Verb er gibt (von geben) wurde 1863 noch mit ie (er giebt) geschrieben, aber heute nicht mehr: er gibt!

Tippe die richtigen Lösungen in die Felder (achte dabei auf die Rechtschreibung)!

Lückentext - etwas schwieriger


Lückentext - etwas einfacher

Mit diesem Arbeitsblatt kannst du noch einmal üben und hast dann den vollständigen Liedtext zum Singen!

In zwei Zeilen haben sich Wörter verändert, die heutige Fassung ist ein klein wenig anders als das Original:

  • "wie treu sind deine Blätter" => "wie grün sind deine Blätter"
  • "wie oft hat nicht zur Weihnachtszeit" => "wie oft hat schon zur Weihnachtszeit

Wovon erzählt das Gedicht / das Lied?

  • Was ist mit "wie treu sind deine Blätter" / "wie grün sind deine Blätter" gemeint?
  • "Du kannst mir sehr gefallen." und "Wie oft hat schon ein Baum von dir mich hoch erfreut." - Was wird damit gesagt?
  • Was ist mit dem "Kleid" gemeint?
  • Und was hat das grüne "Kleid" mit Hoffnung und Beständigkeit zu tun? Welchen Zusammenhang zieht der Dichter?
  • Warum kann Hoffnung und Beständigkeit jemandem Trost und Kraft geben? Kannst du dafür Beispiele finden?

Das Lied singen

  • Wer kennt das Lied? Könnt ihr es gemeinsam singen?

Den Text weiterdichten

  • Wie sind die einzelnen Strophen des Liedes aufgebaut? Erkennst du eine Struktur? Wie ist das Reimschema?
  • Der Dichter Ernst Anschütz nahm die erste Strophe von einem Liebesgedicht, dichtete es weiter und machte dieses Weihnachtsgedicht /-lied daraus. Kannst du selbst eine (oder mehrere) Strophen über den Tannenbaum dichten? Überlege dir, welche Strophen aus dem Originalgedicht du übernehmen willst. Dann überlege, ob deine Strophen von Weihnachten handeln sollen oder nicht. Und achte darauf, dass du die oben erarbeiteten Merkmale beibehälst, damit die Strophen zueinander passen und das ganze Gedicht "aus einem Guss" ist.

Sicherung: Quiz erstellen

  • Was meinst du, wie das Lied "O Tannenbaum" einzuordnen ist: Ist es ein religiöses oder weltliches Lied?
  • Erstelle einen Quiz, in dem du Wissen über das Lied abfragst - du kannst deine Eltern testen oder deine Lehrer! Gehe auf https://learningapps.org und such dir ein Quizformat aus. Mein Tipp für dieses Thema ist das "Millionenspiel". Dazu musst du 6 Fragen mit Antwortmöglichkeiten entwickeln. (Zum Beispiel: Von wem ist das Lied "O Tannenbaum"? A: Ernst Anschütz, B: W. A. Mozart, C: Elvis Presley.) Tipp: Wenn dir nicht 4 Antwortmöglichkeiten einfallen, kannst du auch eine oder zwei weglassen, sie werden dann nicht angezeigt.

Für Lehrerinnen und Lehrer

Hinweise zum Lied und zum Material

  • Sprachrichtigkeit: In dem Satz "Die Hoffnung und Beständigkeit gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit." müsste das Verb eigentlich im Plural stehen (= Hoffnung und Beständigkeit geben Trost und Kraft.") - ggfs. kann das mit den Kindern besprochen werden. Der Dichter hat den Singular verwendet, um im Rhythmus zu bleiben.
  • Der Weihnachtsbaum ist kein religiöses Symbol. Anfang des 19. Jahrhunderts, als dieses Lied entstand, gab es noch keine Weihnachtsbäume in den Kirchen, sie schmückten die Salons und die guten Stuben. (Die katholische Kirche in Rom lehnte den Baum sogar bis 1981 ab - erst 1982 stand zum ersten Mal ein Baum im Vatikan.) Erarbeitet werden kann das mit dem Unterrichtsmaterial Weihnachtswissen/Traditionen/Weihnachtsbaum, bei welchem jedoch auf Texte zurückgegriffen wird, die für Kinder im 5./6. Schuljahr noch etwas sehr herausfordernd sein können - evtl. kann das im nächsten Jahr Thema sein!

Zur Geschichte der altdeutschen Frakturschrift

Zur Geschichte der Frakturschrift erläuterte ZDFinfo am 24.07.2025 auf Instagram: "Frakturschriften werden oft mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht - Neonazis nutzen sie etwa auf Klamotten oder als Tatoos. Tatsächlich aber gibt es sie schon seit dem 16. Jahrhundert. Sie waren die vorherrschenden Schriften im deutschen Sprachraum. Die Nazis fördern die Frakturschriften und andere gebrochene Schriftarten als "ur-deutsch". Doch dann ordnet Adolf Hitler 1941 ihr Verbot an. (...) In Wirklichkeit hat das Verbot einen einfachen Grund: Die Schrift sei für Menschen im Ausland schwer lesbar - unpraktisch, wenn man ein Weltreich gründen möchte. Heute können Frakturschriften problematisch sein - wenn sie mit rechtsextremer Symbolik verknüpft werden. Entscheidend ist immer der Kontext."

Auch der Begriff "Frakturschrift" wird von ZDFinfo erklärt: "Frakturschriften sollen eine ästhetische Mischung aus gotischen und römischen Buchstabenformen sein. Mit "gebrochenen" Linien, daher der Name Fraktur (von lateinisch fractura, "Bruch") wurden sie zur vorherrschenden Druckschrift im Deutschen. Im Gegensatz dazu setzt sich in anderen Ländern die Antiqua durch - also die heute übliche lateinische Schrift."

Das Schicksal eines Christbaums:1. Bild

Quellen:

Frakturschrift TEIL 2: Gedicht "Das Schicksal eines Christbaums"

  • 2.
    Du findest hier eine kleine Geschichte in Reimen mit sechs Bildern von 1865: Das Schicksal eines Christbaums. Auch sie ist in altdeutscher Schrift geschrieben. Versuche, den Text zu lesen! (Wenn du das Bild anklickst, erscheint es vergrößert.)
  • Info: Heute sagen wir nicht mehr Christbaum, sondern Weihnachtsbaum. Gemeint ist das Gleiche.
3.

Differenzierende Aufgaben

Lückentext - etwas schwieriger

1. Gar fern ____________________________________ Da steht ________________________________,

Der Wind streicht ______________________________ - Wie lange _____________________________!

2. Da plötzlich _________________________________ Mit blanker Axt _________________________,

Der schlägt ____________________________________ Sagt nicht ______________________________.

3. Der hat sie __________________________________ Zum Christmarkt ________________________,

Wo ___________________________________________, Ein reicher Herr _________________________.

4. Und als _____________________________________, Da jubelt _______________________________,

Da strahlt _____________________________________, Voll Spielzeug und ______________________.

5. Das Zuckerzeug _____________________________, Da ward ________________________________,

Wehmüthig ____________________________________: Auf's Jahr ______________________________.

6. Drei Tage ___________________________________, Da ______________________________________,

Der Wind ______________________________________, Dahin - __________________________________.

4.

Lückentext - etwas einfacher

1.Gar fern am stillen ___________________________ Da steht ___________________Tannenbaum,

Der Wind streicht _______ sein __________________ - Wie lange _________________________Zeit!

2. Da plötzlich kam zum _______________________ Mit blanker Axt _____ finstr'er ____________,

Der schlägt ___ zarte ___________________________ Sagt nicht wohin und ___________________.

3. Der hat sie _____________________________sacht Zum Christmarkt _______________gebracht,

Wo _____ die Leut ______________________________, Ein reicher Herr that sie ________________.

4. Und als _______________________ Abend _______, Da jubelt _______________________ Schaar,

Da strahlt der Christbaum _____________________, Voll Spielzeug und ______ Z______________.

5. Das Zuckerzeug ____________________________, Da ward ______________________ abgeleert,

Wehmüthig stehn herum ______________________: Auf's Jahr erst gibt ______________________.

6. Drei Tage ________________ heil'gen __________, Da lag er draußen _______________________,

Der Wind streicht durch sein ___________________, Dahin - ist alle __________________________.

5.
Zur Gedichtsprache (Worterklärungen)
  • Wer kann diese Worte und Formulierungen erklären? -> Der Baum steht am Waldessaum. / Der Wind streicht durch die Bäume. / Ihm wird die Zeit lang. / blank ("Er schlägt mit blanker Axt...") / sacht(e) / die Schar / verzehren / ableeren / wehmütig / auf's Jahr ("Auf's Jahr erst gibt es wieder einen Tannenbaum.") / der Mist / dahin sein ("Dahin ist alle Herrlichkeit.")
  • Gibt es außerdem noch etwas, was du nicht verstanden hast?
  • Ist dir aufgefallen, dass bei einigen Worten 1865 die Rechtschreibung anders war als heute?
    • er tat = "er that"
    • die Schar = "die Schaar"
    • wehmütig = "wehmüthig"
    • er wurde = "er ward" (-> Die Vergangenheitsform von werden wird heute mit "u" gebildet.)
6.

Wovon erzählt das Gedicht?

  • Wovon erzählt das Gedicht? Was ist das "Schicksal" eines Weihnachtsbaums?
  • Besprecht den Inhalt und die Stimmung des Gedichts!
    • Aus welcher Perspektive wird das Gedicht erzählt?
    • Mit welcher Haltung (amüsiert, traurig, verzweifelt, lakonisch, genervt, besorgt, ...) erzählt der Erzähler?
    • Was sagt diese Haltung über die Sicht auf den Tannenbaum aus?
    • ...
Das komplette Gedicht mit Bildern

Gedicht vorlesen

  • Nehmt euch nun das Gedicht im Original (also in altdeutscher Schrift) und lest es euch gegenseitig vor. Versucht auf die Betonug zu achten!
  • Wer sicher ist, kann vor der Gruppe vortragen!

Literatur und Quellen

Reserve: immergrüne einheimische Pflanzen

  • Bist du schon fertig und hast Zeit übrig? Dann kann hier prüfen, ob du die Namen von diesen immergrünen Pflanzen kennst:

Das Gedicht in heutiger Druckschrift.

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Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache: Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!