Industrielle Revolution/Arbeitswelten

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Arbeitswelten im 19. Jahrhundert

Aufgabe
  1. Betrachte zunächst die folgenden Bilder und beschreibe kurz, was darauf zu sehen ist.
    • Welche Arbeitswelten herrschten im 19. Jahrhundert vor?
    • Wie unterscheiden sie sich?
Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5
Bild 6

Bild 1 Bauer pflügt das Feld

In der Landwirtschaft (primärer Sektor) fanden mehr als 60% der Menschen ihr Auskommen.


Bild 2 Verlagssystem/Heimarbeit

Formal selbständig Gewerbetreibende fertigten in ihrem eigenen Haus bzw. ihrer eigenen Wohnung oder in kleinen Betriebsstätten Produkte (überwiegend Textil- und Metallwaren) an. Produktion und Vertrieb wurden von Verlegerkaufleuten gesteuert.


Bild 3 Manufakturwesen

In der mit handwerklichen Methoden, aber bereits mit einem gewissen Grad der Arbeitsteilung geführten Betrieb wurden Waren für den täglichen Bedarf, aber auch Luxusartikel hergestellt. Kennzeichnend für diese Form der Arbeitsorganisation ist der hohe Grad an Arbeitsteilung und gesteigerte Produktivität. Das Manufakturwesen ist kennzeichnend für Staaten mit merkantilistischer Wirtschaftspolitik (vgl. Colbert/Frankreich). Die Regierungen greifen dabei sehr stark in das Wirtschaftsleben ein und verleihen investitionsbereiten Unternehmern staatliche Privilegien, um so die gewerblich Produktion zu fördern und möglichst viele Menschen zu beschäftigen. Unter anderem kam es im Zuge des Manufakturwesens auch zur Trennung von Arbeitsstätte und Wohnung.

Nachteil: Frei Märkte für Kapital, Boden und Waren gab es nicht.


Bild 4 Fabrikarbeit

An die Stelle kleiner Betriebe trat zunächst die Manufaktur und anschließend die Fabrik. Gesteuert von Unternehmern zeichnet sie sich ebenfalls durch Arbeitsteilung aus, sowie durch den Einsatz von Maschinen bzw. technischen Innovationen, die den Produktionsprozess beschleunigten.

Die Fabrik als neuer Arbeitsort

Friedrich Witte Fabrik.jpg


Aufgabe
  1. Berechne die wöchentliche Arbeitszeit in der Maschinenfabrik (M2), und bedenke dass auch am Samstag gearbeitet wurde!
  2. Wie wurden Verstöße bestraft, und was bezweckte man damit?
  3. Vergleiche Arbeitszeit, Rechte und Pflichten mit denen heutiger Arbeiter!

M1 Arbeitszeit für Kinder um 1825

Dortmund 10-15 Stunden Erfurt 10-14 Stunden
Düsseldorf 6-13 Stunden Potsdam 13-14 Stunden
Köln 11,5-14 Stunden Berlin 7-12 Stunden
Breslau 10-14 Stunden
(aus den „Statistical Tables and Reports on Trade Unions“, 4th Report 1891)


  • Hungerlöhne zwangen die ganze Familie zum Lebensunterhalt beizutragen
  • Arbeitszeiten zwischen 16-18 Stunden
  • keine Versicherung; Verlust der Existenz bei Erwerbslosigkeit bzw. Krankheit (fehlendes soziales Netzwerk, außer Familie)
Zitat
"M2: Regeln und Vorschriften in der Eisengießerei & Maschinenfabrik von Klett & Co. (1844)

§ 1 Alle Arbeiter verpflichten sich bei ihrer Aufnahme zum Gehorsam gegen die Fabrikherren, zur genauen Beobachtung der ertheilten Vorschriften und zur sorgfältigen & fleißigen Ausführung der ertheilten Arbeiten. ..

§2 Die festgesetzten Arbeitsstunden sind von 6 bis 12 Uhr vormittags und von 1 bis 6½ Uhr nachmittags. Von 8 bis 8½ Uhr früh wird eine halbe Stunde zum Frühstück freigegeben, zu welchem Endzweck sämtliche Arbeiter die Werkstätten zu verlassen haben. Wer außer dieser Zeit Bier oder geistige Getränke sich verschafft, verfällt in eine Strafe von ½ Tag Abzug.

§ 3 Wenn die Arbeit besonders pressant ist, so müssen die erforderlichen Arbeiter gegen Vergütung über die bestimmte Zeit arbeiten und in diesem Fall ist es ihnen erlaubt, ihr Nachtessen von 6½ bis 7 Uhr zu nehmen. Sollte sichs ereignen, dass die ganze Nacht durch gearbeitet wird, so hat der Arbeiter beim Nachtessen seine erforderlichen Lebensmittel mitzubringen.

§4 Sämtliche Arbeiter müssen sich pünktlich zur bestimmten Arbeitszeit in der Fabrik einfinden; 10 Minuten nach Glockenschlag 6 Uhr morgens wird die Thüre geschlossen und kein Arbeiter mehr eingelassen; wer öfter als 2mal fehlt, wird mit Abzug nach § 5 gestraft.

§5 Wer ¼, ½ oder 1 Tag fehlt, verliert nicht nur den verhältnismäßigen Lohn, sondern wird auch noch um ebensoviel gestraft; besondere Ausgänge sind nur dann gestattet, wenn gültige Beweise für deren Nothwendigkeit beigebracht werden. Täuschungen haben augenblickliche Entlassung zur Folge.

§6 Wer blauen Montag hält, wird der Polizei angezeigt, so wie die Gesetze es verlangen. ..

§7 Alle jene Arbeiter, welche während der Arbeitszeit herumlaufen, miteinander plaudern oder schwätzen, und nichts thuend beieinander stehen und somit ihre Arbeit versäumen, verfallen in eine Strafe von ¼ Tag Abzug; Streitigkeiten, Raufereien und unanständiges Betragen ist mit ½Tag Abzug belegt."

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Du bist Journalist bei der Chicagoer Arbeiter-Zeitung und informierst dich bei den Arbeitern über deren Arbeitsbedingungen. Für die nächste Ausgabe verfasst du einen Artikel, der über die Arbeitsbedingungen näher informiert.


Tipp
Denke beim Verfassen daran, dass er sachlich und informativ gestaltet ist. Am Ende kannst du durchaus Position beziehen.


Quellen