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Benutzerin:Sabine Häcker/Sprachbildung/Unterrichtsplanung/BeruflicheBildung/Telefongespräch

Aus ZUM-Unterrichten

Lehrerausbildung im Referendariat: Sprachbildung und -förderung im Fachunterricht mit Hilfe des Konkretisierungsrasters von Tanja Tajmel

Wie kann Sprachbildung und -förderung sinnvoll in die Planung von Fachunterricht eingebunden werden?

Von © Sabine Häcker für die Seminararbeit in der Lehrerausbildung: Ein Beispiel aus dem Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik, Themenbereich Berufsorientierung

Kurzvorstellung des Ansatzes (am Bsp. einen Praktikumsplatz suchen und ein Telefongespräch führen)

Nach einen Praktikumsplatz fragen: Worauf ist sprachlich zu achten?

Vorgehen bei der Unterrichtsplanung

Wenn Schülerinnen und Schüler sich einen Platz für das Praktikum suchen müssen, ist es sinnvoll, dies auf telefonischem Wege zu versuchen. Solch ein Telefonat stellt für Jugendliche oft eine große Herausforderung dar, und zwar auf drei Ebenen: Eine gewisse Schüchternheit zu überwinden, das eigene Anliegen zu strukturieren und sich sprachlich angemessen auszudrücken.

Im Folgenden soll es darum gehen, den sprachbildenden Teil einer Unterrichtsstunde zu diesem Thema vorzubereiten.

Tanja Tajmel (Literaturangabe s. u.) schlägt vor, sich als Lehrkraft

  • zuerst über den sprachlichen Erwartungshorizont klar zu werden: Welches sind die für die Sprachhandlung notwendigen sprachlichen Mittel? Sie schlägt vor, diese sprachlichen Mittel nach Wort-, Satz- und Textebene zu unterscheiden, um ihnen besser "auf die Spur zu kommen" und sich mit dem von ihr entwickelten "Konkretisierungsraster" über die eigenen Erwartungen und damit über die möglichen Schwierigkeiten klar zu werden (s. Beispiel rechts).
Beispiel zum Thema Telefongespräch: Konkretisierung des sprachlichen Erwartungshorizontes. (Wenn man die PDF anklickt, erscheint sie in lesbarer Größe!)
  • Dann müssen die individuellen sprachlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler eingeschätzt werden (→ Ausgangskompetenzen).
  • Im Abgleich damit werden im nächsten Schritt (ggfs. differenzierende) sprachliche Ziele festgelegt (→ Zielkompetenzen).
  • Bei der methodischen Planung der Stunde ist dann zu beachten:
    • dass den Schülern Gelegenheit gegeben werden muss, die neuen sprachlichen Mittel aktiv zu üben.
    • dass ich als Lehrkraft Rückmeldung zum Sprachgebrauch geben muss.
    • dass - abhängig von den sprachlichen Voraussetzungen meiner Schüler - konkrete, differenzierende Sprachförderangebote bereitgestellt werden (Beispiele s. u.).

Aufgaben zur Sprachförderung (Beispiele)

Um der notwendigen Differenzieung gerecht zu werden, können digitale Aufgaben mit Selbstüberprüfung hilfreich sein.

  • sich angemessen ausdrücken (und im Telefongespräch auf Nachfragen vorbereitet sein)


  • typische Formulierungen in einem Telefongespräch
    • Wie gehen die Satzanfänge (orange) weiter? Verbinde!


Übrigens: Wenn man bei einer Festnetznummer anruft, macht man i. d. R. keinesfalls vorher Termin für das Telefongespräch aus. Man ruft einfach an, und falls niemand abnimmt, ruft man wieder an - bis man jemanden erreicht. Anders als am Handy fragt man nicht zu Beginn, ob es gerade passt, sondern nennt sofort den Grund für den Anruf. Falls es dem Gegenüber gerade zeitlich nicht passt, kann er es dann sagen.

Erarbeitung dieses Ansatzes zur Planung von Sprachbildung im Seminar

Konkretisierungsraster nach Tanja Tajmel: Welche sprachlichen Mittel konkret brauchen die Schülerinnen und Schüler für die geplante Sprachhandlung?

Seminaraufgabe: Ziel und Vorgehen

Ziel: Im Folgenden soll das oben vorgestellte Raster konkret erarbeitet werden, weil es bei der Planung und Konkretisierung von sprachlichen Zielen hilfreich sein kann. Anhand des Rasters wird zur Stundenplanung analysiert, welche Sprachhandlungen im Unterricht erwartet werden und welche sprachlichen Mittel diese Sprachhandlungen erfordern – um sich dadurch bewusster zu werden, worauf man bei der konkreten Planung bzw. Durchführung achten muss, weil man sie mit den sprachlichen Voraussetzungen der Schüler abgleicht und dann die konkreten sprachlichen Zielkompetenzen für die Stunde erfassen kann.

Literaturgrundlage: Das Raster ist von Tanja Tajmel aus ihrer Veröffentlichung “Praxisbaustein Deutsch als Zweitsprache 2: Bildungssprache und sprachsensibler Fachfunterricht” von 2012, S. 20. Du findest unten einen Link zu diesem Artikel angehängt.

Vorgehen: Die Schritte 1–4 möchte ich euch bitten, im Team zu erarbeiten. Im 5. Schritt folgt dann eine individuelle Aufgabe, die in Einzelarbeit zu bearbeiten ist, weil sie sich auf den jeweils eigenen Unterricht bezieht.

1. Input: Das Konkretisierungsraster von Tanja Tajmel

Anhand des Rasters analysierst du bei der Stundenplanung, welche Sprachhandlungen im Unterricht notwendig sind und welche sprachlichen Mittel diese Sprachhandlungen erfordern – um dir dadurch bewusster zu werden, worauf du bei der konkreten Planung bzw. Durchführung achten musst und welche die konkreten sprachlichen Zielkompetenzen für die Stunde sind.

Welche Sprachhandlungen erfordern konkret welche sprachlichen Mittel? - Bsp.: einen Beschwerdebrief schreiben

-> Bitte schau dir das Beispiel zum Thema einen Beschwerdebrief schreiben an!

2. Klärung: Was ist mit "Textebene" gemeint?

Beim sprachlichen Handeln (lesen, hören, sprechen, schreiben) hilft es ungemein, wenn man die jeweilige Textsorte erkennt.

  • Wenn ich beispielsweise ein Kochrezept lese und weiß, dass es sich um Kochrezept handelt, weiß ich “automatisch”, dass mich dort Zutaten und Arbeitsschritte erwarten.
  • Wenn ich weiß, dass es sich bei einem Text um ein Gedicht handelt, wundere ich mich nicht über die Absätze und evtl. unvollständigen Sätze.
  • Bei einer Zeitungsnachricht weiß ich, dass mich sachliche Informationen erwarten, bei einem Zeitungskommentar weiß ich schon vor dem Lesen, dass es um eine Meinung gehen wird. (usw., usw.)

Wir Lehrer als geübte Leser erkennen Texte automatisch und ohne darüber nachzudenken. Das ist bei unseren Schülern und Schülerinnen aber nicht unbedingt so und können wir nicht voraussetzen! Deshalb ist es wichtig, auch Wissen über Textsorten und ihre Merkmale zu vermitteln!

Neue sprachliche Mittel auf der Wort- und Satzebene verwendet man in sehr vielen Unterrichtsstunden. Textsorten und Textmerkmale, die erklärungswert sind, sind weniger häufig Thema - aber nicht weniger wichtig!

3. Erarbeitung: einen großen Brief in der Post aufgeben

Ich möchte nun euch das Konkretisierungsraster von Tanja Tajmel verwenden lassen.

Aufgabe: Welche sprachlichen Mittel erfordert die Sprachhandlung, in der Post einen großenBrief aufzugeben?

Ich habe als Beispiel eine “banale” Alltagssituation gewählt, die jeder kennt: Die Sprachhandlung, die dazu gehört, wenn man einen großen Brief in der Post aufgeben möchte. → Welche sprachlichen Mittel sind erforderlich?

-> Bitte nehmt das Konkretisierungsraster und entwickelt einen Dialog, der sich beim Aufgeben eines großen Briefes im Postamt ergeben könnte. Dann werdet ihr schnell merken, welche situationsbezogenen sprachlichen Mittel man braucht, um dieses Situation sprachlich bewältigen zu können. Notiere sie ganz konkret im Raster!

4. Sprachliche Ziele ableiten

Um aus diesem Erwartungshorizont, den konkretisierten sprachlichen Mitteln, nun sprachliche Ziele für die Stunde abzuleiten, müssen sie zuerst mit den sprachlichen Voraussetzungen der Schüler abgeglichen werden.

  1. Was schätzt du: Welche sprachlichen Mittel kennen deine Schüler bereits? Wer kann was vermutlich noch nicht (Lerngruppe differenziert betrachten!)? (--> Ausgangskompetenzen)
  2. Nach dieser diagnostischen Einschätzung der vorhandenen Sprachkompetenzen in Bezug auf die im Untericht stattfindende Sprachhandlung leitest du ab, welche sprachlichen Ziele du festlegst. (--> Zielkompetenzen) Es ist sinnvoll,
    • dabei wieder die Wort-, Satz- und Textebene zu unterscheiden.
    • dabei differenzierende Ziele festzulegen.

5. Transfer auf deinen eigenen Untericht: Spracherwartungen, Diagnose und sprachl. Ziele

EINZELARBEIT: Bitte wähle nun eine Stunde, die du demnächst planen willst oder vielleicht auch schon geplant hast.

  1. Nimm das Konkretsierungsraster von T. Tajmel, formuliere genau und ganz konkret die Sprachhandlungen und die sprachl. Mittel, die in der Stunde vorkommen werden und werde dir so klar über deine sprachlichen Erwartungen an die Schüler.
  2. Überlege dann, welche sprachlichen Mittel davon für alle oder einzelne Schüler neu oder schwierig sein könnten! (Diagnose der Ausgangskompetenzen)
  3. Lege dann dementsprechend die - evtl. zieldifferenten - sprachlichen Ziele für die Stunde fest!
Du kannst die abgeleiteten sprachlichen Ziele z. B. so in die Tabelle der Zielkompetenzen einflechten.

-> Bitte reiche mir dein Ergebnis bis übermorgen ein, damit ich dir eine Rückmeldung geben kann.

-> Außerdem möchte ich dich bitten, mindestens eine digitale Aufgabe mit Selbstüberprüfung zur Sprachförderung zu deinem Unterrichtsthema zu entwickeln und einzureichen.

Literatur etc.

Hinweis zum Anliegen der geschlechtergerechten Sprache: Es wird die generische Variante in ihrer genderneutralen Definition verwendet. Das grammatikalische Geschlecht von Sprache ist dabei keinesfalls mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht von Menschen gleichzusetzen!