Sprachwandel

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Alles klar?

Die Seite Sprachwandel soll eine Übersicht über Phänomene des Sprachwandels ermöglichen und dabei folgende Funktionen erfüllen:

  • Auf Phänome des Sprachwandels aufmerksam machen
  • Helfen, diese Phänomene zu verstehen
  • Helfen, mit diesen Phänomenen (besser) umzugehen
  • Ideen und Materialien bieten, die auch im Unterricht eingesetzt werden können

Sprache wandelt sich und hat sich immer gewandelt. Als Instrument für soziale Interaktion, zwischenmenschliche Kommunikation und die handelnde und gedankliche Auseinandersetzung mit unserer Mit- und Umwelt ist sie notwendigerweise immer in Bewegung, nie "statisch", und wird von den Sprachverwendern kontinuierlich an sich verändernde Umweltbedingungen, neue Redegegenstände und neue (technische) Möglichkeiten der Kommunikation angepasst.

Eine Banalität. Dennoch oder gerade deswegen fallen einige Phänomene besonders stark auf. Das gilt unter anderem für

  1. Veränderungen im Wortschatz (Bezeichnungen für Neues kommen hinzu, andere geraten im Lauf der Zeit außer Gebrauch),
  2. auf der Ebene der Bedeutung (Wörter verändern im Lauf der Zeit ihre Bedeutung bzw. gewinnen neue Bedeutungsfacetten hinzu) und
  3. im Bereich der Schreibung.
  4. Schließlich gibt aber auch Veränderungen in der Grammatik (Vereinfachungen in Kasus-Gebrauch und Wortstellung)

Bewertung von Sprachwandelphänomenen

Die Bewertung von Sprachwandelphänomenen in Sprachwissenschaft und sprachinteressierter Öffentlichkeit ist z.T. kontrovers.

→ Zum Weiterlesen: "Der so genannte Sprachverfall"; Vortragsmanuskript des Linguisten Rudi Keller, 2008

Aspekte des Sprachwandels in der Gegenwart

Grammatische Veränderungen im heutigen Deutsch

  • Bastian Sick: "Wem sein Brot ich ess, dem sein Lied ich sing." (Video)

Anglizismen / Denglisch

→ Anglizismen
Ein Anglizismus ist ein aus der englischen Sprache übernommener Begriff bzw. eine andere vom Englischen beeinflusste sprachliche Form, z.B. in der Syntax, in der Rechtschreibung, Aussprache, Lexik oder Idiomatik.

Einfluss neuer Medien

→ Einfluss neuer Medien
Eine technische Innovation, die im aktuellen öffentlichen Diskurs in besonderer Weise mit Veränderungen von Sprache und Kommunikation in Zusammenhang gebracht wird, sind die sog. "neuen Medien" oder digitalen Medien (v.a. Internet, Mobiltelefonie). Diese ermöglichen Formen der zeitnahen dialogischen Kommunikation, bei denen die Schrift als Realisierungsmedium für sprachliche Äußerungen verwendet wird. Insbesondere bei der Nutzung im Freizeitbereich lassen sich in Chats, in Online-Foren, in "sozialen Netzwerken" und in der SMS-Kommunikation verschiedene Auffälligkeiten beobachten, die auf eine Anpassung der (schrift-)sprachlichen Mittel an die besonderen Erfordernisse schriftlicher dialogischer Kommunikation im zeitlichen Nahbereich zurückzuführen sind. Mehr...


Falsch oder eine neue Regel?

Vorlage:Meinung

→ #Jugendsprache
→ #Verkürzung / unvollständige Sätze

Standpunkte der Sprachwissenschaft

"Ich geh Schule: In der Linguistik gibt es einen Exotismus der grammatischen Fehler. Die Erwartung, Regeln sollten eingehalten werden, wird als Diskriminierung von Unterschichten und Migranten betrachtet."

Jugendsprache

Ausgehend von den Interessen und Lebensgewohnheiten von Jugendlichen kann man vermuten, dass ihre Sprache und ihr Sprachverhalten besonders stark durch die Nutzung neuer Medien beeinflusst ist. Und Jugendliche sind vermutlich aufgrund der bestehenden demographischen Strukturen sowie ihrer Offenheit für Neues stärker von Einflüssen der Mehrsprachigkeit geprägt als Erwachsene.

→ Sprachwandel/Einfluss neuer Medien#Einfluss neuer Medien auf die Jugendsprache

Einzelne Phänomene des Sprachwandels

Mit oder ohne Apostroph?

→ Der Apostroph

Mit oder ohne Bindestrich?

Getrennt oder zusammen?

Wie war wohl die „alte“?

Verkürzung / unvollständige Sätze

Ist es ein Phänomen allgemein der Jugendsprache, bedingt durch Kanak Sprak und andere Mischsprachen, wenn Jugendliche sagen "Ich geh' Schulhof." statt "Ich gehe auf den Schulhof."? - Siehe hierzu auch unter Falsch oder eine neue Regel?.

"Als es klingelt, fragt Mandy im Rausgehen ihre Freundin Sarah: „Gehst du U-Bahn?“ – „Nein, erst Mensa, Päckchen. Außerdem bin ich Fahrrad.“ Niemand fragt nach. Alle wissen, was das bedeutet: „Gehst du zur U-Bahn?“ – „Nein, erst in die Mensa. Ich will mir noch ein Trinkpäckchen holen. Außerdem bin ich heute mit dem Fahrrad unterwegs.“"

Verdrehte Sprichwörter und Redensarten

"Sind Sie auf Leitung? Oder haben Sie manchmal einen langen Draht? Machen Sie mit beim SPIEGEL-ONLINE-Quiz rund um verdrehte Sprichwörter und Redensarten. Setzen Sie aus jeweils drei Bestandteilen den richtigen Spruch zusammen und werden Sie sprichwörtlicher Meister!"

An was oder woran?

Über Pronominaladverbien

"Auf was kommt es beim Sprechen besonders an? Über was sollte man sich mehr Gedanken machen? Gegen was sollte man sich wehren? Das sind Fragen, die es in sich haben! Menschliches Sagen und Ver-sagen spielt dabei eine entscheidende Rolle."

ss oder ß?

Masse statt Klasse? Oder: Wäre etwas mehr Maß nicht doch sinnvoll?

Eigentlich gibt es eine ganz klare ß-Regel, die eindeutig festlegt, wann „ß“ (nach langem Vokal) und wann „ss“ (nach kurzem Vokal) zu schreiben ist.

Vermutlich aufgrund der Tatsache, dass zahlreiche Schreibungen mit „ß“ durch solche mit „ss“ ersetzt wurden, und zudem verstärkt dadurch, dass es ein „ß“ als Großbuchstabe sowieso (noch) nicht gibt, finden sich immer mehr Wörter, die in Deutschland und wohl auch in Österreich regelwidrig mit „ss“ geschrieben werden. Das bekannteste Beispiel dürfte "Strasse" sein (zu finden auch in zahlreichen offiziellen Adressangaben).

Siehe auch: Populäre Pannen bei der Anwendung der ß-Regel

n-Deklination: dem Mensch oder dem Menschen

Aufgabe

Vorlage:Zitat rechts fix

Finde die Kasus-Fehler in den Zitaten hier rechts und hier unten.

Zitat
Die Polizei hatte den Student am Dienstagabend festgenommen. Gegen den 35-Jährigen wird ermittelt.
Spiegel-Online, 08.02.2016

Vorlage:Meinung

Binnenmajuskeln oder CamelCases

Offensichtlich gibt es eine zunehmend häufigere Verwendung von Binnenmajuskeln, zumindest bei Markennamen und in der Werbung.

Beispiele:

  • DaimlerChrysler
  • iPhone

Wortgeschichten: Sprichwörter, Fremdwörter, Unwörter und bedrohte Wörter

  • Essigs Essenzen - Was Sie schon immer über die Herkunft von Redensarten wissen wollten
"Welche kuriosen Geschichten stecken hinter den Redewendungen und Sprichwörtern, die wir täglich verwenden? Wenn es um die Herkunft unserer Sprachbilder geht, verstehen wir meist nur Bahnhof, haben Tomaten auf den Augen oder stehen total auf dem Schlauch.Der Literaturwissenschaftler, Historiker und Autor des Buches "Wie die Kuh aufs Eis kam. Wundersames aus der Welt der Worte" Dr. Rolf-Bernhard Essig schafft auf amüsante Weise Abhilfe: Jeden Freitag um 11:07 Uhr im Radiofeuilleton beantwortet er Fragen von Hörerinnen und Hörern rund um Kuhhäute, Deadlines und Hempels Sofa." Ein Angebot von www.dradio.de 2008
  • Ausgewanderte Wörter sucht der Deutsche Sprachrat "einschließlich deren Bedeutung. Wir möchten wissen, wie die Menschen sie benutzen und was sie dabei empfinden. Die einen wecken vielleicht positive Gefühle, die anderen negative. Mit unserer Ausschreibung suchen wir sie alle. Berichten Sie uns über ein ursprünglich deutsches Wort in Ihrer Sprache und erzählen Sie uns etwas darüber." (bis 30. Sept. 2006)
  • Aktion Lebendiges Deutsch - Jeden Monat drei Fremdwörter eindeutschen (www.stiftung-deutsch-sprache.de)
"... werden wir von nun an jeden Monat drei Vorschläge machen oder erbitten, welche griffigen und treffenden deutschen Wörter an die Stelle englischer Wörter treten können, wenn die überflüssig, hässlich oder nicht allgemein verständlich sind."
Beispiele für schöne, erfolgreiche, misslungene und hässliche Eindeutschungen - nach Ansicht der "Stiftung deutsche Sprache"
"Der internationale Wettbewerb "Das bedrohte Wort" ist entschieden. Aus tausenden Vorschlägen prämierte ein unabhängiges Expertengremium zehn Begriffe." Die Jury hat das Wort Kleinod zum schönsten bedrohten Wort gekürt und mit dem Sprachpreis "Käseigel" prämiert.
Siehe auch das "Lexikon der bedrohten Wörter" (www.bedrohte-woerter.de)
  • Das schönste deutsche Wort Mit einer Fülle von Einsendungen schöner Wörter und begleitet von einem großen, internationalen Medienecho ist der vom Deutschen Sprachrat und dem Goethe-Institut initiierte, internationale Wettbewerb »Das schönste deutsche Wort«  am 1. August 2004 zu Ende gegangen. Insgesamt 22.838 Wörter nebst Begründungen aus 111 Ländern gingen bei den Veranstaltern des Wettbewerbs ein. Der Gewinner des Wettbewerbs »Das schönste deutsche Wort« war »Habseligkeiten«. Auf diesen Seiten finden Sie die siegreichen Wörter und die mehr oder weniger einleuchtenden Begründungen.

Die meistgenannten Wörter - Inland
Liebe
Gemütlichkeit
Sehnsucht
Heimat
Kindergarten
Freiheit
gemütlich
Frieden
Sonnenschein
Schmetterling

Das meistgenannte Wort - Ausland
USA - Gemütlichkeit
Schweiz - Liebe
Österreich - Liebe
Polen - Vergissmeinnicht
Italien - Sehnsucht
Slowenien - Liebe
Bulgarien - Liebe
UK - Schmetterling
Finnland - Vergissmeinnicht
Südkorea - Mutter
Frankreich - Sehnsucht
Niederlande - Fingerspitzengefühl

Literatur

  • Bernhard Stör, Aspekte der JUGENDSPRACHE: Krass, endgeil und abgefuckt, in DeutschMagazin, Ideen und Materialien für die Unterrichtspraxis 5-13, Ausgabe 1/07 S. 19-26
  • Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. 240 Seiten, Taschenbuch. Kiepenheuer & Witsch, 2004. ISBN 3-462-03448-0
  • Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Die Zwiebelfisch-Kolumnen. Die Rechtschreibreform für die Ohren! Gelesen von Rudolf Kowalski. 2 CDs mit Booklet. 153 Minuten. ISBN 3-89813-400-8. DAV / SPIEGEL ONLINE. 19,95 EURO
"Ein Buch über die deutsche Sprache - muß das kein Besserwisserbuch sein? - Weit gefehlt: Bastian Sick empfiehlt augenzwinkernd unsere sprachlichen Ungenauigkeiten, wenn er über "Deutschland, deine Apostroph's", "Stop making sense!" und "Bratskartoffeln und Spiegelsei" herfällt. Es ist ein Spaß, sich jetzt auch akustisch von Bastian Sick und seinem Alter ego, dem Schauspieler Rudolf Kowalski, durchs Todestal des Genitivs und an sprachlichen Fallgruben vorbeiführen zu lassen."
  • Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2. Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache. Die Zwiebelfisch-Kolumnen. ISBN 3-462-03606-8. Kiepenheuer & Witsch. 272 Seiten | KiWi 900 | Taschenbuch. Euro (D) 8,90 | SFr 16,50 | Euro (A) 9,10
  • Parallel zum Buch erscheint die Fortsetzung auch als Hörbuch - vom Autor selbst gelesen. Der Audio Verlag, 2 CDs, ISBN 3-89813-445-8, 19,95 Euro
"Kann man sich mit Interpunktion, gutem Stil, Grammatik und den Zweifelsfällen deutscher Rechtschreibung amüsieren? Eine Million Leser sagen "Ja": Der Überraschungserfolg "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" entlarvt nicht nur sprachliche Ungenauigkeiten, er unterhält auch aufs köstlichste. Dieses Hörbuch führt sicher durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Der Autor Bastian Sick liest selbst aus seinen neuen, herrlich witzigen Kolumnen über den traurigen Konjunktiv, das gefühlte Komma und viele weitere große und kleine Sprachvergehen."

Materialien

"In jedem Moment sprechen auf der Erde Millionen Menschen miteinander, es wird immer gelesen und geschrieben. Die Allgegenwart von Sprache ist ebenso faszinierend wie ihre Vielfalt. Das Universum der Sprachen ist immer in Bewegung, auch heute und in unserer westlichen Gesellschaft."
"Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor. Auffälligstes Symptom der dramatischen Verlotterung ist die Mode, fast alles angelsächsisch "aufzupeppen". Aber es gibt eine Gegenbewegung."

Unterrichtsmodelle

  • Frank Schneider, EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle. Sprachursprung - Sprachskepsis - Sprachwandel: Diskussionen über die Sprache von Herder bis heute. Gymnasiale Oberstufe. Schöningh. ISBN 3140224559
umfangreiches Material, gut aufbereitet; ermöglicht einen flexibel gestalteten Unterricht
  • EinFach Deutsch: Sprache - Denken - Wirklichkeit (Schöningh). ISBN 978-3-14-022412-3

Linksammlung

Linklisten

  • Sprachwandel - kommentierte Linkliste (Hamburger Bildungsserver)

In der Presse

"In diesem Jahr wird der Tag der deutschen Sprache am 13. September gefeiert. Am kommenden Samstag werben bundesweit VDS-Mitglieder mit Informationsständen, Wettbewerben und Preisverleihungen für das Ansehen der deutschen Sprache. Sie sammeln Unterschriften dafür, die deutsche Sprache im Grundgesetz festzuschreiben, in Kassel werden die Preise der "Gedichtwerkstatt 2008" verliehen, in Koblenz wird im Rahmen des Wettbewerbs "Werbewerke 2008" Beispiele für gute Werbung ausgezeichnet." (www.vds-ev.de)
Dazu auch das Interview mit dem Vorsitzenden Ludwig Eichinger in der Süddeutschen Zeitung (8. September 2008)
Im Auftrag der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) sowie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sprachrat hat das Institut für Demoskopie Allensbach zwischen dem 4. und 17. April 2008 insgesamt 1.820 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahre mündlich-persönlich zum Thema ‚deutsche Sprache’ im weitesten Sinne befragt." Im Einzelnen geht es um die Einstellung der Deutschen zu
  1. dem »Sprachverfall«,
  2. der Rechtschreibreform und den Rechtschreibfähigkeiten,
  3. den Anglizismen,
  4. der Rolle der deutschen Sprache in Europa,
  5. den deutschen Dialekten,
  6. der Akzeptanz von Tabu-Wörtern,
  7. dem geschlechtergerechten Formulieren.
Die Ergebnisse können auch als pdf heruntergeladen werden: GfdS_Studie_Spracheinstellung.pdf

Siehe auch