Novelle: Unterschied zwischen den Versionen

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:An einem Ort unweit der Stadt Florenz, in der die Pest herrscht (1348), werden in einer Gesellschaft an zehn Tagen lebensbejahende Geschichten reihum erzählt. Nachahmungen davon sind z.B.
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NOVELLE → novella (ital.) Neuigkeit, eine Erzählung, die länger ist als eine Kurzgeschichte und kürzer als ein Roman.
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Die Anzahl der handelnden Personen ist geringer als in einem Roman, ebenso der Zeitraum der Handlung und die Vielfalt der Handlungsorte. Die Handlung einer Novelle zeichnet sich meistens durch einen Struktur aus, der der eines Fünf-Akte-Dramas ähnelt.
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Die Novelle ist als literarischer Begriff bekannt seit BOCCACCIOs "Decamerone" (1348/53): An einem Ort unweit der Stadt Florenz, in der die Pest herrscht (1348), werden in einer Gesellschaft an zehn Tagen lebensbejahende Geschichten reihum erzählt. Nachahmungen davon sind z.B.
 
*CHAUCERs "Canterbury Tales" (1387/1400)  
 
*CHAUCERs "Canterbury Tales" (1387/1400)  
 
*Marguerite de NAVARRAs "Heptameron" (1559)
 
*Marguerite de NAVARRAs "Heptameron" (1559)
 
*CERVANTES` "Exemplarische Novellen" (1613).
 
*CERVANTES` "Exemplarische Novellen" (1613).
 
*Auch in J.W.GOETHEs "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter" unterhält sich eine deutsche Adelsfamilie, die vor der französischen Revolution auf das rechte Rheinufer geflüchtet ist, mit dem Reihum-Erzählen von sechs Geschichten.
 
*Auch in J.W.GOETHEs "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter" unterhält sich eine deutsche Adelsfamilie, die vor der französischen Revolution auf das rechte Rheinufer geflüchtet ist, mit dem Reihum-Erzählen von sechs Geschichten.
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Das Verfassen und Lesen von Novellen war besonders im 19. Jahrhundert beliebt. Wichtige Autorinnen und Autoren waren:
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: Joseph von Eichendorff, Annette von Droste-Hülshoff, Gottfried Keller, Theodor Storm, Conrad Ferdinand Meyer, Gerhard Hauptmann im 19. Jahrhundert
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: Thomas Mann, Arthur Schnitzler im beginnenden 20. Jahrhundert.
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Einige berühmte Novellen tragen die Gattungsbezeichnung schon im Titel:
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:J.W.Goethe: Novelle (1827), Arthur Schnitzler: Traumnovelle (1926), Stefan Zweig: Schachnovelle (1941),
 
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Aktuelle Version vom 23. Dezember 2018, 16:47 Uhr

Basiswissen

Fünf-Akte-Dramen-Struktur

NOVELLE → novella (ital.) Neuigkeit, eine Erzählung, die länger ist als eine Kurzgeschichte und kürzer als ein Roman. Die Anzahl der handelnden Personen ist geringer als in einem Roman, ebenso der Zeitraum der Handlung und die Vielfalt der Handlungsorte. Die Handlung einer Novelle zeichnet sich meistens durch einen Struktur aus, der der eines Fünf-Akte-Dramas ähnelt.

Die Novelle ist als literarischer Begriff bekannt seit BOCCACCIOs "Decamerone" (1348/53): An einem Ort unweit der Stadt Florenz, in der die Pest herrscht (1348), werden in einer Gesellschaft an zehn Tagen lebensbejahende Geschichten reihum erzählt. Nachahmungen davon sind z.B.

  • CHAUCERs "Canterbury Tales" (1387/1400)
  • Marguerite de NAVARRAs "Heptameron" (1559)
  • CERVANTES` "Exemplarische Novellen" (1613).
  • Auch in J.W.GOETHEs "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter" unterhält sich eine deutsche Adelsfamilie, die vor der französischen Revolution auf das rechte Rheinufer geflüchtet ist, mit dem Reihum-Erzählen von sechs Geschichten.

Das Verfassen und Lesen von Novellen war besonders im 19. Jahrhundert beliebt. Wichtige Autorinnen und Autoren waren:

Joseph von Eichendorff, Annette von Droste-Hülshoff, Gottfried Keller, Theodor Storm, Conrad Ferdinand Meyer, Gerhard Hauptmann im 19. Jahrhundert
Thomas Mann, Arthur Schnitzler im beginnenden 20. Jahrhundert.

Einige berühmte Novellen tragen die Gattungsbezeichnung schon im Titel:

J.W.Goethe: Novelle (1827), Arthur Schnitzler: Traumnovelle (1926), Stefan Zweig: Schachnovelle (1941),

Merkmale der Novelle

"Poetik in Stichworten" (Hirt Verlag Kiel 1972 S.212) listet folgende Charakteristika für "Wesen und Form der Novelle" auf:

  • Zusammenziehung eines Vorgangs zu einem krisenhaften Vorfall "Sie gibt nicht das umfassende Bild der Weltzustände, aber einen Ausschnitt aus ihnen, der mit intensiver momentaner Stärke auf das größere Ganze als Perspektive hinweist, nicht die vollständige Entwicklung einer Persönlichkeit, aber ein Stück aus einem Menschenleben, das eine Spannung, eine Krise hat und uns durch seine Gemüts- und Schicksalswendung mit scharfem Akzente zeigt, was Menschenleben überhaupt ist." (F.T.Vischer 1857)
  • Verknüpfung von Schicksal und Charakter der Protagonisten
  • Wendepunkt: "Alles wird in einem einzigen Vorfall zusammengefasst, von dem aus das Leben (des Helden) dann nach rückwärts und vorwärts bestrahlt wird; und dieser Vorfall ist seltener und eigentümlicher Art..." (Paul Ernst). Ebenso Ludwig TIECK (1829): "Diese Wendung der Geschichte, dieser Punkt, von welchem aus sie sich völlig unerwartet umkehrt, und doch natürlich, dem Charakter und den Umständen angemessen, die Folge entwickelt, wird sich der Phantasie des Lesers um so fester einprägen..."
  • Zu diesem Wendepunkt wird oft durch ein DINGSYMBOL, ein äußeres, gegenständliches Zeichen des Angel- und Drehpunkts hingeführt, z.B. in A.v.Droste-Hülshoffs "Judenbuche", bei Gerhard Hauptmanns "Bahnwärter Thiel" ist es die Bahnstrecke.
  • Form: Konzentrierung des Erzählten, äußerste Verdichtung und geraffter Zeitablauf. Die Struktur ist der des Dramas verwandt: Knappe Exposition, zusammenraffendes Hinführen zum Höhe- und Wendepunkt, Abfall und Ausklang.

Weitere Zitate zur Novelle:

"Novellen werden vorzüglich eine Art von Erzählung genannt, welche sich von den großen Romanen durch die Simplizität des Planes und den kleinen Umfang der Fabel unterscheiden. " (C.M.Wieland 1772)
"Denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit." (Goethe, Gespräche mit Eckermann, 29. Jan. 1827)
"Ein Menschenleben durch die unendliche sinnliche Kraft einer Schicksalsstunde ausgedrückt." (Georg Lukacs, Die Seele und die Formen 1911)
"Das Charakteristikum der Novelle liegt vor allem in der Beschränkung auf eine Begebenheit." (Benno v.Wiese)

Unterricht

Eine Zusammenstellung von Inhaltsangaben deutscher Novellen (vor allem) aus dem 19. Jahrhundert - gelegentlich mit Zusatzmaterial und Tafelanschrieben
  • Zur Textsorte und zur Didaktik im Deutschunterricht: Günter Lange u.a.: Textarten - didaktisch Eine Hilfe für den Literaturunterricht, Schneider Verlag 1998 siehe Artikel "Novelle und Erzählung" (S.109-112)