Konjunktiv II/Übung 3

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„würde" und guter Stil

Mit der würde-Ersatzform sollte man sparsam umgehen, wenn es 'gutes' Deutsch sein soll!

Nehmen wir wieder das - immer wieder aufs Neue - bedenkenswerte Bibel-Zitat:

 Was aber würde es dem Menschen helfen, (statt hälfe / hülfe)
     wenn er die ganze Welt gewinnen würde, (statt gewänne / gewönne)
       aber er würde Schaden an seiner Seele nehmen. (statt nähme)

Wie klingt das? Nicht falsch, aber auch nicht elegant.

Darum zwei Vorschläge für guten Stil und zur Vermeidung von Wiederholungen:

  1. EINE Verbform ist meistens besser als eine GETEILTE: „ich ginge" statt „ich würde gehen”.
  2. Im Wenn-Satz sollte ein >würde< nicht vorkommen: Wenn er zu spät käme, würde er etwas verpassen.


Vertiefungen

WANN dennoch mit WÜRDE?

1. Zur Vermeidung ungewöhnlich klingender Konjunktive II:
   → schöbe, würfe, schlösse, gösse, höbe, 
2. Bei schwachen Verben ohne eigene K-II-Form: 
   →  Wenn ich das nicht genau wüsste, würde ich es nicht glauben! (statt 'glaubte')
   →  Wenn ich in deiner Haut stecken würde, würde ich das nicht tun. (statt 'steckte')
3. Bei Gleichklang von KI und KII:
   →  Sie sagte, sie hälfe immer gern. (hälfe ~ helfe)

WENN möglich NICHT im WENN-Satz:

Es gibt immer auch noch andere elegante Möglichkeiten:

 Wenn ich viel Geld gewänne, dann ...
 Wenn ich viel Geld gewinnen sollte, ....
 Sollte ich viel Geld gewinnen, ....
 Gewänne ich viel Geld, ...
 Im Falle, dass ich viel Geld gewinne, ...

Übungen

Mit und ohne 'würde'

Lehrer K.D. besteht mal wieder auf korrektem Gebrauch des Konjunktivs in der indirekten Rede. Tut ihm den Gefallen, schreibt den Text neu und ersetzt die hervorgehobenen Verbformen entweder durch einen Konjunktiv II oder notfalls auch mit der Ersatzform 'würde':

Die Frostmeiers beklagen sich beim Hausbesitzer, sie frieren im Herbst immer so, wenn draußen die Regentropfen in Strömen fließen und der Wind durch die Türritzen pfeift.
Sie sagen, sie tragen zwar dicke Pullis, aber auch die helfen nicht.
Ihre Vermieter empfehlen Kräutertees gegen die Kälte.
Sie selbst fliegen immer nach Teneriffa. Da scheint das ganze Jahr die Sonne und kein Tröpfchen fällt vom blauen Himmel.
Die Frostmeiers meinen aber, sie haben weder die Zeit noch das Geld dafür. Außerdem sollen die Kinder in die Schule gehen und dürfen nicht schwänzen, sonst kommt die Polizei.


Wahrheit oder Lüge?

Die Verwendung von Konjunktiv I in der indirekten Rede dient der neutralen Wiedergabe von Aussagen. D.h. der Sprecher gibt einfach nur wieder und enthält sich jeder Meinung. Manchmal geht das aber nicht, z.B. wenn er der Aussage nicht traut oder sie für unglaubwürdig hält. Z.B.

Der Einbrecher behauptet, er hätte nur zufällig in die Ladenkasse gegriffen.

Die Wahl von K I oder K II hat also auch etwas mit Fragen von Wahrheit und Glaube zu tun.

K I oder K II: Was will uns der Sprecher wie mitteilen?

Analysiert die folgenden Sätze und entscheidet euch, welchen Konjunktiv ihr (als Sprecher) wann verwenden würdet.

  1. Journalist: „Der Präsident betonte, dass die Verhandlungen erfolgreich verlaufen/verliefen seien/wären."
  2. Schüler: „Mutti, der Fritz sagt immer, ich BIN/SEI/WÄRE ein übler Streber."
  3. Schülerin: „Mama, der Peter hat gesagt, ich BIN/SEI/WÄRE das schönste Mädchen der Klasse."
  4. Er behauptet, er HAT/HABE/HÄTTE schon jeden Film gesehen.
  5. Einige sagen, er sei/ist/wäre 120 Jahre alt.

Siehe auch