Küste und Meer/Die Nordsee: Europas größte Müllkippe

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Die Nordsee wird von vielen als Mülldeponie zur Entsorgung von oft giftigen Abfallstoffen, wie z. B. Altöl, Chemikalien, Industriemüll genutzt. So wurden z. B. Ende der achtziger Jahre folgende Schwermetalle in der Nordsee „entsorgt“.

Inhaltsverzeichnis

Außerdem gelangten noch viele andere Stoffe, wie z. B. PCB in die Nordsee ,denn seit Jahrzehnten leiten viele große Fabriken der Anrainerstaaten  ihre oft hochgiftigen Abfallstoffe in die Nordsee und auch in den Ärmelkanal. Nach Angaben von Greenpeace werden von den Bohrinseln jährlich 100.000 t giftige Chemikalien in die Nordsee geleitet. Nun könnte man meinen, das wäre bei einer Gesamtfläche der Nordsee nicht gefährlich, aber alle diese Giftstoffe gelangen über

die Nahrungskette: Kleinlebewesen →    Fisch →    Mensch

auch in unseren Körper, wir essen ja Fisch. Diese Schwermetallstoffe kommen zwar auch in der Natur vor, denn Eisen, Zink und Kupfer sind in Eiweißstoffen und in Vitaminen enthalten. Das zur Fotosynthese notwendige Chlorophyll enthält Magnesium in geringen Spuren. Der menschliche Körper braucht diese Stoffe auch, aber nur in ganz geringen Mengen. Überschreitet die Konzentration dieser Stoffe in unserem Körper ihre Grenzwerte, können Schäden auftreten.

  • Quecksilber           - schädigt das zentrale Nervensystem
  • Cadmium              -  greift die Nieren an
  • Blei                       -  kann Verhaltensstörungen hervorrufen


Öl- und Gasgewinnung

Ein weiteres Problem sind die in den sechziger und siebziger Jahren in den verschiedenen Bereichen der Nordsee entdeckten Vorkommen von Erdöl und Erdgas. Die größten Vorkommen von Erdgas liegen vor den Küsten Großbritanniens und der Niederlande.

Erdgas: Es ist vor etwa 300 Mio. Jahren im Karbon entstanden.

Erdöl:   Entstand vor etwa 150 Mio. Jahren im Jura aus abgestorbenen tierischen und pflanzlichen Resten.

Erdölfelder liegen vor der nördlichen Küste Großbritanniens und der norwegischen Küste.

Erdöl und Erdgas werden durch Bohrungen von Förderplattformen aus gewonnen, das Erdöl gelangt über eine Pipeline oder Tanker an die Küste, das Erdgas direkt über eine Erdgasleitung.

Bohrplattform Beryl Alpha

In der Nordsee befinden sich auf verschiedene Anrainerstaaten verteilt 416 Bohrinseln im Jahre (?). Davon entfallen auf:

  • Großbritannien 208
  • Niederlande 106
  • Norwegen 71
  • Dänemark 31


Die größte ist größer als der  Kölner Dom

Probleme bereiten auch die ölhaltigen Abwässer und das Altöl, das von Schiffen nach der Reinigung ihrer Tanks auf offener See einfach ins Meer gepumpt wird. Durch Luftüberwachung können heute solche Umweltsünder bei ihrer verbotenen Tätigkeit erwischt und bestraft werden. Jedoch können die Flugzeuge nicht immer und überall zu gleicher Zeit sein. Dabei ist es möglich, dass Schiffe ihr Altöl, ihre Abfälle und Chemikalien in den größeren Häfen kostengünstig und umweltbewusst entsorgen können. Leider wird diese Möglichkeit noch nicht von allen Schiffen angenommen. So wurden z. B. 1988 in den Häfen von Antwerpen, Gent und Zubrügge anstatt der veranschlagten 300.000 t Altöl nur 26.095 t entsorgt! Eine weitere große Gefahr geht von Tankerunfällen aus. Der Ärmelkanal, die Verbindung zwischen Nordsee und Atlantik, auch „Friedhof der Tanker“ genannt, ist immer wieder Schauplatz von Tankerunfällen.
Erdölplattform "Mittelplate" vor der schleswig-holsteinischen Küste Foto: Bernhard Heim


Die schwersten Tankerunfälle im Ärmelkanal:

12.Dezember 1999: Der italienische Tanker „Erika“ bricht bei rauer See auseinander.

Folgen: Von den 31.000 t Schweröl treten innerhalb von neun Monaten 17.000 t aus, ca. 500km Küste werden verschmutzt, 300.000 Seevögel verenden.

7. März 1980: Vor der Küste der Bretagne zerbricht „Tanio“, ein in Madagaskar registrierter Tanker.

Folgen: 3000t Heizöl verschmutzen die Strände

16. März 1979: Der in Liberia registrierte Tanker „Gino“ kollidiert im Westen des Kanals vor der Insel Ouessant mit einem norwegischen Tanker und sinkt.

Folgen: Er hatte Asphaltöl geladen, das auf den Meeresgrund sinkt und später bis an die Strände von La Baule getrieben wird.

16. März 1978: von National Oceanic and Atmospheric Administration (http://response.restoration.noaa.gov/index.php) [Public domain], via Wikimedia Commons
von Fylip22 (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons
Der US-Supertanker „Amoco Cadiz“, der unter liberianischer Flagge fährt, läuft vor Brest auf Grund                                                                                            
Folgen: Die gesamte Ladung von 220.00 t Öl geht verloren und verschmutzt 360km Küste.
18. März 1967: Der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Torrey Canyon“ läuft vor der Küste Cornwalls auf ein Riff. 

Folgen: 120.000 t Rohöl laufen aus und verschmutzen nicht nur die Küste vor Cornwall, sondern auch Gebiete Frankreichs bis nach Holland.

www2.tagesspiegel.de/Archiv/2000/11/01/ak-th-7673.html

Jeder Tropfen ausgelaufenes Öl aus einem dieser Tanker bedeutet für die Nordsee und ihre Küsten verschmutzte Strände, Vögel mit verklebtem Gefieder, vergiftete Fische ...................

Bei Tankerunfällen gelangen im Durchschnitt 40.000 t Erdöl ins Meer aber:

 


ein Tropfen Erdöl verseucht 100.000l Wasser ! ! !

Doppelhüllentanker „Seaconger“ auf der Nordsee

Schon beim normalen Betrieb der 400 Öl – und Gasplattformen gelangen jährlich mehr als 100.000 Tonnen giftige Chemikalien und mindestens 16.000 Tonnen Altöl in die Nordsee. Doppelwandige Tanker gehören zu den Tankern der neuesten Generation.

Auch die z. T. überalterten Ölplattformen werden langsam zum Problem, ihre Betriebszeit von 20 Jahren ist abgelaufen. Was soll mit ihnen geschehen?

Dazu gibt es folgende Möglichkeiten:

Transport und Zerlegung an Land 

  • umweltfreundlich, weil Teile recycelt werden können,
  • der Rest der Plattform darf aber die Schifffahrt nicht gefährden.

Versenkung in der Nordsee in 2000 m in einer Tiefe von mindestens 2000 m und im Abstand von 150 Seemeilen von der Küste

  • da die Nordsee diese Tiefen nicht aufweist ist hier eine Versenkung nicht möglich
  • an Ort und Stelle belassen
  • eine Benutzung als Zwischenlager für radioaktive Stoffe ist gefährlich (starke Stürme!)
  • in Ufernähe als Kaianlagen nutzen
  • Fische und andere Meerestiere nutzen sie als Behausung.


Aufgabe
  1. Gestaltet ein Plakat (Gruppenarbeit), auf dem ihr euch mit der Problematik des Missbrauchs der Nordsee als "Müllkippe" auseinander setzt. Ihr könnt das Plakat mit Texten, Bildern oder Zeichnungen gestalten. Denkt bei der Arbeit daran, dass auf dem Plakat eine Gliederung des Mülls nach seiner Art oder dem Verursacher zu erkennen sein muss. Stellt euer Plakat anschließend der Klasse vor und sprecht darüber.
  1. In einem anschließenden Kreisgespräch solltet ihr euch Gedanken darüber machen, wie es vermieden werden kann, dass die Nordsee weiterhin als Müllkippe benutzt wird.